Sinn und Unsinn von Fasten Ballaststoffe fürs Gehirn

Entschlacken ist medizinischer Nonsens, Hungerkuren können ungesund sein - Zeit, sich von den Mythen rund ums Fasten zu trennen!

Kanalarbeiter und Installateure haben in Deutschland einen nicht zu überschätzenden Einfluss. Anders ist kaum zu erklären, warum sich der Glaube daran, dass man seinen Körper "entschlacken" kann, so hartnäckig hält. Vernunftbegabte Erwachsene traktieren sich mit Einläufen, flößen sich grässliche Entschlackungstees, -säfte und andere Abführmittel ein und bereiten sich auch spirituell auf die große Leere vor.

Nur: Was und wie entschlackt werden soll, bleibt unklar. Angeblich sind Schlacken lästige Abfallprodukte des Stoffwechsels, die sich im Körper ablagern und dort alles Übel dieser Welt hervorrufen können - von Übergewicht, Rheuma und etlichen Zivilisationsleiden bis hin zu Gicht. Das Konzept hat allerdings einen Schönheitsfehler: Was unter Entschlackung zu verstehen ist, kann niemand beantworten. Keinem Forscher ist es bisher gelungen, Schlacken im Körper oder im Labor nachzuweisen.

Abfluss frei!

"Der Glaube an die Entschlackung ist ein absolutes Steinzeitkonzept", sagt Martin Reincke, Leiter der Klinik für Innere Medizin der Ludwig-Maximilians-Universität München. "Die einzige Entschlackung, die medizinisch zu empfehlen ist, müsste im Kopf stattfinden - das heißt, sich von dieser Vorstellung zu lösen." Wenn man als Internist in den Körper sehe, erblicke man ein wunderschönes, funktionsfähiges Verdauungssystem, "von Schlacken kann da keine Rede sein", sagt Reincke.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) teilt lapidar mit: "Im Stoffwechsel des Menschen fallen keine Schlackenstoffe an. Der Organismus scheidet Endprodukte des Stoffwechsels über Niere, Darm, Lunge oder Haut aus."

Die Propheten und Nutznießer von Entschlackungskuren stört das nicht. Die bildliche Vorstellung von der Entschlackung scheint so überzeugend zu sein, dass sich damit viel Geld verdienen lässt. Dabei sind weder Darm noch Blutgefäße wie Abwasserleitungen beschaffen, die sich durchpusten und reinigen lassen. Der Befehl "Abfluss frei!" mag im heimischen Badezimmer Wirkung zeigen, im Körper funktioniert er nicht.

Im Gegenteil: Der Darm beinhaltet Abermillionen von Zotten, die zur Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme lebensnotwendig sind. Zudem wird er von Milliarden Bakterien besiedelt, die für Nahrungsaufnahme und Verdauung unverzichtbar sind. Würden mittels rabiater Reinigung die Zotten und Keime entfernt, hätte das fatale Folgen.

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