Singlebörsen im Internet Haben sich zwei gefunden, geht alles ganz schnell

Im Internet lässt sich zielgenau auswählen, das Angebot ist gut vorsortiert: Neben den großen Börsen gibt es Hunderte Nischen-Portale, etwa für Vegetarier, Esoteriker, Heavy-Metal-Fans, Übergewichtige, Evangelikale. Zudem sinken die Zugangshürden auch für Menschen, die es sonst oft schwerhaben, jemanden kennenzulernen, zum Beispiel Alleinerziehende oder Bewohner abgelegener Dörfer.

Zum Traumprinz via Internet: Auch immer mehr Frauen gehen im Netz auf Partnersuche - die anfängliche Geschlechter-Asymmetrie beim Online-Dating ist mittlerweile fast aufgehoben.

(Foto: dpa)

Und haben sich erst einmal zwei gefunden, geht meist alles ganz schnell: Laut Blossfeld bleibt es in der Regel nie lange beim virtuellen Kontakt. "Die Mehrheit derer, die online einen Partner suchen, wollen diesen offline möglichst bald treffen", hat er festgestellt.

"Nicht unromantisch, sondern schlicht effektiv"

Das bestätigt die Soziologin Christiane Schnabel. Sie leitet die wissenschaftliche Abteilung bei Parship, eigenen Angaben zufolge Europas älteste Online-Partneragentur. "Wer sich aktiv zur Partnersuche im Internet entschließt, geht sehr ergebnisorientiert vor", sagt sie. Ihre Firma erstellt Persönlichkeitsprofile, nach denen Paare gezielt einander vorgeschlagen werden. "So erfährt man schneller mehr und tiefergehende Details vom anderen", sagt Schnabel.

Anders ausgedrückt: Die Kunstliebhaberin muss ihre Zeit gar nicht erst mit einem feuilleton-abholden Maschinenbau-Ingenieur verlieren. "Das macht die Partnersuche im Internet nicht unromantischer", sagt Schnabel, "sondern schlicht effektiver."

Es sind vor allem Männer über 30, die diese Effektivität schätzen. Die Mehrheit von ihnen lebt in städtischen Gebieten und bezieht ein geregeltes, oft gutes Einkommen - schließlich fallen für die Anmeldung laut Testseite singleboersen-vergleich.de monatlich zehn bis 50 Euro an. Aber auch für Frauen wird die Online-Partnersuche immer attraktiver. Die anfängliche Geschlechter-Asymmetrie bei den registrierten Nutzern ist - von Erotik-Seiten einmal abgesehen - mittlerweile fast ausgeglichen.

Das liegt auch daran, dass Online-Dating "längst salonfähig" ist, erklärt Manfred Hassebrauck, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Wuppertal. Hassebrauck, der seit Jahren über Liebe und Beziehungen forscht, hat sich eingehend mit dem "Stigma der Übriggebliebenen" beschäftigt. Davon, meint er, ist nichts mehr übrig. "Peinlich ist Online-Dating keinem mehr", sagt er.

Und doch hält sich hartnäckig der Eindruck, dass es sich mit Online-Kontaktbörsen verhält wie mit McDonald's: Angeblich geht keiner hin - und das Geschäft läuft trotzdem blendend.

Für Christiane Schnabel von Parship liegt das weniger daran, dass Kunden das Online-Dating an sich unangenehm ist - "sondern daran, dass Partnersuche ein sensibles Thema bleibt". Niemand gibt gerne zu, dass er dringend auf der Suche ist. Man kennt das: Schon in der Tanzschule waren nicht die pickeligsten Jungs die unattraktivsten, sondern die verzweifeltsten.

In der flirtenden Online-Community ist das egal: Dort sind sieben Millionen Menschen gemeinsam auf der Suche. Großmutters Rat, "Man darf nicht suchen, man muss sich finden lassen", wurde längst abgelöst. Im Internet lautet die Devise: "Wer suchet, der findet." Und zwar schnell.