Single Awareness Day Valentin, verzieh dich!

Zum Speed Hating anmelden, eine Anti-Valentinstags-Karte verschicken und einen Besuch im Museum der gescheiterten Beziehungen planen: Die Bewegung gegen den Tag der Liebenden wächst.

Von Lena Jakat

Warum nur an einem speziellen Tag der Mutter Gutes tun? Und warum sich vom Einzelhandel auch noch vorschreiben lassen, an welchem? Was Kritiker des Muttertags diesem Fest vorhalten, gilt in gleichem Maße für den Valentinstag. Mindestens. Denn während die meisten Menschen naturgemäß eine Mutter haben, die, wer mag, mit Blumen und Kuchen in Herzform überschütten kann, gilt das für den 14. Februar eben nicht. Vielen fehlen Valentin respektive Valentina, um diesen Tag so zu begehen, wie es der Marketing-Kalender diktiert. Schon seit Jahren gibt es (bislang erfolglose) Versuche, den Tag der Paare in den Single Awareness Day umzubennen - kurz S.A.D., traurig.

Als "grummelige Singles" begannen Meg Pickard und David Pannett vor zehn Jahren, digitale Anti-Valentinstags-Karten zu entwerfen, inzwischen ist ihr Blog meish.org/vd ein Selbstläufer.

(Foto: meish.org/vd/)

Es ist nicht die einzige Anti-Aktion am Tag des Heiligen Valentin, der laut christlicher Legende übrigens Schutzpatron der Liebenden und im dritten Jahrhundert Priester in Rom war. Vor zehn Jahren begannen zwei Londoner Medienmenschen, sarkastische Anti-Valentinstags-Karten ins Netz zu stellen. Die Kampagne von Meg Pickard und David Pannett ist seitdem längst zum Selbstläufer geworden - auf den Seiten des Blogs finden sich zum diesjährigen Valentinstag digitale Postkarten mit Botschaften wie "truly, madly, unimaginitively" oder "Fröhlichen Dienstag! (Ich brauche keinen offiziellen Tag, um dir zu sagen, was ich fühle)". Den Trend gegen den Valentinstag haben inzwischen auch die großen Grußkartenkonzerne erkannt - und bieten entsprechende Produkte.

Bloggerin und Journalistin Pickard betont, sie sei nicht "anti Liebe" oder "anti Romantik" oder "anti Beziehungen". "Ich bin gegen hohle Gesten, die von Menschen vorgeschrieben werden, die darauf aus sind, den Feiertag zu Geld zu machen. Ich bin dagegen, ständig daran erinnert zu werden, dass Paare normal sind und jeder der keine Beziehung hat oder will, seltsam ist", zitiert die Toronto Sun die Anti-Valentinstags-Aktivistin.

"Fuck Valentine's Day"

In Pickards Heimatstadt herrscht großes Verständnis für die gebrochenen und noch nicht verschenkten Herzen - garniert mit zahlreichen passenden Veranstaltungen von der Single Party "Fuck Valentine's Day" im hippen Stadtteil Camden bis hin zum "Pamflet's Heartbreaker Ball" (mit "wütender Schlussmach-Musik") und zur Anti-Valentinstag-Vampir-Party ("Überlasst die Blumen und Pralinen den anderen!"). Der Candelight Club, eine Zwanziger-Jahre-Jazzbar, erinnerte bereits am Samstag unter dem Motto "Valentine's Day Massacre" mit Gästen in Al-Capone-Kostümen wehmütig an das Blutbad zweier Gangs in Chicago 1929.

Ein Heimspiel par excellence war dieser Anlass auch für die Partyreihe "Feeling Gloomy" im Stadtteil Islington, die sich ganz generell der traurigen Musik (und umso weniger traurigen Partys) verschrieben hat: In ihrer Anti-Valentinstags-Spezialausgabe luden die Veranstalter unter anderem zum "Speed Hating". Das Single-Spiel ähnelt dem Speed Dating - bis auf die Tatsache, dass die Teilnehmer die knapp bemessene Zeit nutzen sollen, um einander von ihren Hassobjekten zu berichten. Die Partygäste durften sich zudem über verwelkte Blumen freuen.

Doch wer nun annimmt, London sei die Hauptstadt der gebrochenen Herzen, der irrt - und die Rede ist hier nicht von Taschkent, wo wie in ganz Usbekistan Valentinstags-Veranstaltungen kurzerhand untersagt wurden.

Zagreb hat sich der S.A.D.-Bewegung derart verschrieben, dass es in der kroatischen Hauptstadt sogar ein Museum für gescheiterte Beziehungen gibt. Im Museum of Broken Relationships werden Exponate des Schlussmachens ausgestellt - jeder, der mag, kann dem Museum eines seiner Liebes-Relikte spenden. "Die Objekte repräsentieren alle Stationen eines Beziehungsendes - und wie Menschen es durchleben ", zitiert der Blog themarysue.com den Mitbegründer des Museums Drazen Grubisic. "Man könnte sagen, es ist ein Liebesmuseum - nur andersherum."

Besonders groß ist der Besucheransturm übrigens am 14. Februar. Dann verzeichnet das Zagreber Museum doppelt so viele Gäste wie an allen anderen Tagen.