Singen macht glücklich Sing Star

Singen hilft in allen Lebenslagen

Die westliche Wissenschaft ist den rätselhaften Kräften des Gesangs auf der Spur. Für den weit gereisten Musiktherapeuten Wolfgang Bossinger, der Schamanen, Zauberer, Sufis, Mönche, einen Heimatlosen- Chor und Buckelwale hat tönen hören, hilft aktives Singen in nahezu allen Lebens- und Notlagen: Es steigere Intelligenz, Kreativität, Potenz, Hilfsbereitschaft und Arbeitskraft, lindere Schmerzen und Depressionen, bringe Herz, Lunge, Magen, Darm und Immunsystem in Schwung, reduziere Stresshormone und produziere das Kuschelhormon Oxytocin, wie er im Buch "Die heilende Kraft des Singens" schreibt.

"Dass Singen wirklich heilt, darüber gibt es mehr Spekulation als gesicherte Erkenntnis", sagt hingegen Gunter Kreutz. Der Professor für systematische Musikwissenschaft und Musikpädagogik hat in einer Studie immerhin belegt, dass die Immunglobulin-A-Konzentration bei Mitgliedern eines Chors nach einer Stunde Singens signifikant gestiegen war. Die Sänger waren also besser geschützt vor Viren- und Bakterien-Attacken. Außerdem werde die Lunge durch das intensive Atmen besonders effektiv trainiert.

Man muss sich einfach nur trauen

Abgesehen von den körperlichen und sozialen Effekten - der Zusammenhalt in Chören ist quer durch alle Schichten und Altersgruppen stärker als in Sportvereinen - beeinflusse das Singen auch die persönliche Gefühlswelt positiv: Stress verschwindet, das Selbstbewusstsein wächst, auch, weil mit der Stimmkraft die Anziehung auf mögliche Sexualpartner wächst (schließlich dürfte das Singen seine evolutionären Wurzeln in der Partnerwerbung haben). Dabei ist egal, was man singt - ob Mozart-Requiem oder "Mein kleiner grüner Kaktus", solange es dem Sänger persönlich behagt. Und es ist egal, wie schön man singt - man muss sich nur einfach trauen. "Der Glaube, entweder man hat es oder nicht, ist weitgehend ein Mythos", sagt Kreutz.

Übertriebener Ehrgeiz ist kontraproduktiv, lockeres Üben verhilft - zu einer kräftigen, leben - digeren Sing- und Sprechstimme, und zu "mehr Lebensfreude", "besserer Selbstwahrnehmung", sowie zu "einem weiteren Spektrum an Empfindungen und individueller Gefühlstiefe", wie auch die Pop- und Jazz-Gesangslehrerin Martina Freytag in ihrem Büchlein "Wellness Singing" (mit CD) verspricht.

Im Kursprogramm für morgens, tags und feierabends stimmen die Schüler "Schoo-bee-doo-wah"-Gute-Laune-Kanons an, haben mal Kermit den Frosch im Hals, summen, lauschen, atmen gegen Kerzenflammen, schreien wie Möwen und grüßen wie Yogis die Sonne. Beim Ziel, den Körper zum Resonanzkörper zu machen, sind sich alle Seiten schnell einig: "Wenn Sie es mit Spaß betreiben, tut es Ihnen einfach gut".

Lese-Tipps: Martina Freytag: "Wellness Singing - Mit Singen zu mehr Lebensfreude" (Überreuter)

Wolfgang Bossinger: "Die heilende Kraft des Singens" (BoD-Verlag) www.healingsongs.de

Gabriela Bozic,Dr. Patrick Broome: "Yoga fürs Leben - mit Jivamukti-Yoga Mut und Stärke gewinnen, Ängste be siegen und sich dem Leben öffnen" (Gräfe und Unzer)

"Il canto del mondo", internationales Netzwerk zur Förderung der Alltagskultur des Singens: www.il-cantodel- mondo.de