Design und Image von Skihelmen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Ein Gespräch über Sicherheit auf der Piste.
Am Neujahrstag jährt sich der Ski-Unfall des damaligen thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU), dessen Fahrfehler einer Slowakin das Leben kostete. Der Unfall entfachte eine Debatte über Sicherheit auf der Piste, bis hin zu einer Diskussion über eine generelle Helmpflicht. Günther Kocher, Wintersport-Chef des Helm- und Brillenherstellers Uvex, über den Helm-Boom und andere Möglichkeiten, sich beim Skifahren zu schützen.
Saisoneröffnung im österreichischen Skiort Ischgl: In diesem Jahr sieht man mehr Helme im Schnee als jemals zuvor. (© Foto: dpa)
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SZ: Egal welches Sportgeschäft man zur Zeit betritt - man sieht die Ski vor lauter Helmen nicht. Können Sie die Entwicklung dieses Jahres beziffern?
Günther Kocher: Man kann sagen, dass sich das Helmgeschäft verdoppelt hat. In absoluten Zahlen ist das schwer festzumachen, weil sich das gesamte Angebot verdoppelt hat. Die drei führenden Unternehmen Alpina, Giro und Uvex sind noch greifbar, da gehen insgesamt vielleicht 350.000 Helme über den Ladentisch. Aber es gibt so viele kleinere Unternehmen, die Helme - aus China meistens - mitbringen, weil sie da ohnehin unterwegs sind und die dann hier auf den Markt werfen. Auf der Internationalen Sportartikelmesse Ispo in München gab es zuletzt 140 Firmen, die Helme im Programm hatten - in den Jahren davor waren es etwa 25.
SZ: Ist das der Althaus-Effekt?
Kocher: Nicht nur. Der hat das natürlich nochmal getoppt. Diese 25 Firmen verkauften vor allem Helme für Kinder und ab und an mal einen für Erwachsene. Von einem wirklichen Helm-Boom kann man seit etwa vier Jahren sprechen. Da hatte sich das Produkt auch verändert: weichere Ohren, mehr Komfort. Aber 2009 war sicher der Gipfel, was die Helm-Nachfrage betrifft.
SZ: Lässt sich das gewachsene Sicherheitsbewusstsein in Zahlen fassen?
Kocher: Vor dem Althaus-Unfall hatten wir bei Erwachsenen eine Marktdurchdringung von 45 Prozent, danach 65; und bei den Kindern sind es fast 90.
SZ: Hinzu kommt, dass der Helm mittlerweile ja nicht nur Schutz bietet, sondern auch zum modischen Accessoire avanciert ist.
Kocher: Ja, es gibt keine Grenzen. Mit Strass-Steinen, Lederbezug, ob sinnvoll oder nicht - zum Skifahren ist es völlig egal. Voriges Jahr hat ein adeliger Modedesigner aus München bei uns Helme gekauft, mit Opossum-Pelz versehen - und für 2500 Euro weiterverkauft.
SZ: Das Image des Helmes hat sich also gewandelt ...
Kocher: Am Anfang waren die Leute ja nicht so begeistert. Die Männer haben sich ziemlich schnell dran gewöhnt, und seit einem Jahr ist auch die Zahl der Helmträgerinnen deutlich gestiegen. Die hatten sich noch ein bisschen gesträubt, weil die Frisur immer im Eimer ist.
SZ: Wie ist der Stand der Technik bei den Helmen? Ist das ausgereizt oder geht es noch besser?
Kocher: Materialtechnisch sind die Helme sicherlich ausgereizt. An dem dämpfenden Element wird sich nichts ändern. Es gibt kein Material, das die Energie besser absorbiert. Auch die zwei Bauweisen für die Außenschale werden so bleiben. Denkbar sind Weiterentwicklungen durch Stoffe, die Schweiß transportieren oder das Klima ausgleichen.
SZ: Wie wirken sich die Zuwachsraten beim Helm auf die Unfallstatistik aus?
Kocher: Die jüngsten Zahlen vom Deutschen Skiverband (DSV) zeigen, dass die Verletzungen deutlich rückläufig sind - wie auch schon in den vergangenen Jahren. Bei den Skifahrern liegen die Kopfverletzungen bei den Frauen bei 9,2Prozent, bei den Männern bei 12,2Prozent. Die anderen Verletzungen verteilen sich auf den Körper mit 33 Prozent Verletzungen am Knie, 25 an der Schulter, 14 am Rumpf, elf am Ober- und sechs am Unterschenkel. Die Verletzungen an Kopf und Unterschenkel haben durch verbesserte Technik am deutlichsten abgenommen.
SZ: In welchem Bereich sehen Sie noch Verbesserungsmöglichkeiten?
Kocher: Rücken und Rumpf mit Protektoren. Ein Boom-Potential wie der Helm hat der Protektor allerdings nicht. Die neue Generation wird kommoder; auch da hat man ein bisschen an der Norm gedreht: Der kann nun dünner, leichter und bequemer gebaut werden. Wenn man Protektoren wie eine Weste oder optisch ansprechend gestaltet, dann könnte das ganz gut funktionieren.
SZ: Wie sieht es in den anderen Verletzungsbereichen aus?
Kocher: Laut DSV ist der hohe Wert bei den Schulterverletzungen auf mangelnde Fitness zurückzuführen. Sämtliche Wintersportgeräte sind mittlerweile leichter und einfacher zu bedienen, und vielleicht fühlt man sich mit diesen viel kürzeren Latten an den Füßen und einem Helm auf dem Kopf plötzlich topfit und geschützt - und dann kann's losgehen! Das unterstellt man ja dem Helm manchmal ein bisschen. Aber das lässt sich nicht messen. Diese Diskussion, die es von manchen Seiten gibt, ist nicht in Ordnung. Da müsste man auch den Sicherheitsgurt im Auto wieder weglassen.
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(SZ vom 28.12.2009/pfau)
Partyzone Flußufer
Uvex produziert Helme mit Opossum-Pelz`für "adelige Modedesigner".
Das hätte ich als Wintersport-Chef nicht unbedingt erwähnt...
Warum kriegt denn der "wetzer123" hier rot?
Was ist so falsch daran, vorzuschlagen,es mal ohne Jagertee zu probieren.
Übrigens glaube ich, daß es ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt, daß viele, die das ganze übrige Jahr kaum Sport treiben, mit einer Muskulatur Ski fahren, die den Gelenken kaum verläßlichen Schutz bietet und spätestens nachmittags mnachen Manövern nicht mehr gewachsen ist.
"In welchem Bereich sehen Sie noch Verbesserungsmöglichkeiten?"
Also am sichersten wird es wenn wir im Bett bleiben...
Ich fand es letztes Jahr schon recht nervig dauernd angelabert zu werden warum ich ohne Helm fahren würde, kann man das nicht dem einzelnen überlassen?
Ich sehe es für die Sicherheit als viel wichtiger an, dass man endlich wirksam etwas gegen Alkohol auf der Piste tut, davon würden nämlich alle profitieren, aber das wollen die Skigebiete meist nicht, da die Gastronomie dort hervorragend vom Ausschank profitiert.
Mein Sicherheitstipp Nr. 1: fahr nicht nach Ischgl, da ist es mit dem Saufen besonders schlimm.