Serie "Reden wir über Liebe" "Da lassen beide die Hosen runter"

Nicht nur für wohlhabende Paare wichtig: Bei den Verhandlungen zum Ehevertrag zeigt sich, wie teamfähig ein Paar ist. Und ob ihre Vorstellungen zusammenpassen.

(Foto: Illustration Jessy Asmus)

Wer vor der Hochzeit einen Ehevertrag abschließt, verhandelt nicht nur seine materiellen Bedürfnisse. Eine Scheidungsanwältin erklärt, wie der Vertrag die Chance auf eine glückliche Beziehung erhöht.

Von Violetta Simon

Ines Daun betreut seit 23 Jahren Ehepaare bei Eheverträgen und Scheidungen. Die Anwältin für Familienrecht hat miterlebt, was Menschen sich antun, wenn es vorbei ist mit der Liebe. Sie weiß aber auch, dass Scheidung eine Chance sein kann. Und wie ein Ehevertrag die Chance auf eine glückliche Beziehung erhöht.

SZ.de: Vorweg eine persönliche Frage: Sind Sie geschieden?

Ines Daun: Ich bin glücklich in zweiter Ehe verheiratet.

Reden wir über Liebe: Was sind die häufigsten Gründe, warum sie mit der Scheidung endet?

Die üblichen Beziehungskiller: kein konkreter Lebensplan, keine Kommunikation und somit auch kein Sex. Wer nicht mehr miteinander redet, schläft auch nicht miteinander. Gerade wenn Kinder kommen und ein Paar nur noch auf der Elternebene über Versorgungsthemen kommuniziert.

Erst Trennung, dann Scheidung: Ist das emotional noch mal ein Unterschied?

Oh ja. Bis dahin heißt der oder die andere noch immer "meine baldige Exfrau" oder "mein Noch-Mann". Für die meisten ist es erst vorbei, wenn es amtlich ist - wenn der Richter sagt "Erheben Sie sich" und verkündet, dass die Ehe "im Namen des Volkes" geschieden wurde.

Womöglich wäre es besser, gar nicht erst zu heiraten - bis auf die Tatsache, dass Sie dann arbeitslos wären ...

Die Leute wissen zuvor ja nicht, dass es so endet. Sie glauben, dass sie sich für immer lieben. Mit dieser Illusion hat Rosamunde Pilcher sehr viel Geld verdient.

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Was wäre dann eine vernünftige Lösung?

Ein Ehevertrag.

Ist es nicht unromantisch, davon auszugehen, dass man sich ohnehin trennen wird?

Stimmt, ein Ehevertrag ist nicht romantisch. Aber glauben Sie mir, eine Scheidung ohne Ehevertrag ist es noch weniger. Allein was da in Sachen Unterhaltsrecht auf einen zukommt! Da habe ich lieber Klarheit in der Partnerschaft, was ja das Fundament einer Ehe ist. Niemand geht vor der Hochzeit davon aus, dass er sich trennt. Aber was, wenn es doch passiert? Dann hat man mit dem Ehevertrag ein Problem weniger. Die Scheidung ist anstrengend genug.

Genau wie die Hochzeit, da muss man auch an alles Mögliche denken. Wer will sich vor der Trauung noch mit Verträgen herumschlagen?

Das ist ja das Problem! Brautpaare zerbrechen sich den Kopf über Hochzeitskleid, Frisur, Menüfolge und wer neben wem sitzen soll - alles nur für den einen Tag. Danach geht es in die Flitterwochen auf die Malediven. Aber sie nehmen sich keine Zeit und legen keinen Euro zur Seite für eine juristische Beratung. Das ist Wahnsinn, sich nicht klarzumachen, was das konkret bedeutet: Von nun an befindet sich ein Paar im gesetzlichen Stand einer Zugewinngemeinschaft.

Dann ist ein Ehevertrag also nicht nur etwas für vermögende Leute?

Keineswegs. Angenommen, ein Paar will Kinder. Dann müssen sie klären, wer beruflich kürzer tritt und wie diese Aufgabe finanziell ausgeglichen - und damit wertgeschätzt - wird. Gerade gut ausgebildete Frauen vergessen das oft und laufen in die Teilzeitfalle. Was ebenfalls viele unterschätzen: Wenn beide im Rahmen der Verhandlungen über ihr Lebensmodell sprechen und sich einigen, wie sie das regeln wollen, funktioniert das später auch in der Partnerschaft. Solche Ehen haben eine wesentlich höhere Chance.