Kritiker halten die derzeit geltenden Blei-Grenzwerte für zu hoch. Das Schwermetall habe vor allem bei Kindern gravierende Auswirkungen.

Schon Bleibelastungen weit unterhalb der gängigen Richtwerte schädigen die geistige und emotionale Entwicklung von Kindern deutlich. Dies zeigt eine englische Studie. Die Mediziner fordern, den derzeit geltenden Schwellenwert von zehn Mikrogramm pro Deziliter Blut zu halbieren.

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Bleibelastung ist schädlich für die Konzentration von Kindern. (© Foto: ddp)

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Dass Blei gesundheitsschädlich ist und gerade bei kleinen Kindern die Entwicklung des Nervensystems stört, ist seit Jahrzehnten bekannt. Aber nach Einschätzung der US-Behörden sind Konzentrationen des Schwermetalls im Blut erst ab zehn Mikrogramm pro Deziliter bedenklich.

Kritiker halten diesen Wert für zu hoch. Um die Frage zu klären, maßen Forscher der Universität Bristol bei rund 500 Kindern im Alter von 30 Monaten die Bleikonzentrationen im Blut. Als die Kinder sieben bis acht Jahre alt waren, prüften die Wissenschaftler dann ihr Lese- und Schreibvermögen sowie etwaige Auffälligkeiten des Verhaltens.

Jene Teilnehmer mit Konzentrationen zwischen fünf und zehn Mikrogramm Blei pro Deziliter schnitten im Lesen und Schreiben nur halb so gut ab wie die kaum belasteten Kinder. Überschritten die Werte die Schwelle von zehn Mikrogramm, zeigten die Kleinen zudem auffällig oft hyperaktives und unsoziales Verhalten.

Unter einem Wert von fünf Mikrogramm fanden die Forscher, die ihre Resultate im Fachblatt Archives of Disease in Childhood vorstellen, keine Auffälligkeiten. Blei wirkt auf Kleinkinder besonders schädlich, weil sie im Vergleich zu Erwachsenen wesentlich größere Mengen des Schwermetalls aufnehmen und im Gewebe einlagern.

In Knochen hält sich Blei bis zu 30 Jahre. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit etwa die Hälfte der Stadtkinder unter dem Alter von fünf Jahren höhere Bleiwerte im Blut aufweisen als zehn Mikrogramm pro Deziliter.

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(sueddeutsche.de/AP/bilu)