Schönheitsbehandlung "Der Trend geht zu dunklen Brustwarzen"

Die Schönheitsindustrie hat Brustwarzen entdeckt: "Tittooing" liegt im Trend.

(Foto: tijai / photocase.com)

Zu klein, zu groß, zu unterschiedlich - die Brust zu "machen", gehört längst zu den Standards der Schönheitschirurgie. Doch jetzt erreicht der Zwang zur optischen Perfektion auch den letzten Flecken, der noch der Natur überlassen war: die Brustwarze.

Von Jana Stegemann

"Tittooing" nennen die Briten den neuen Schönheitstrend auf der Insel. Die Wortneuschöpfung aus den englischen Wörtern für Brust und Tätowierung umreißt aber nur ungefähr, um was es geht: Gemeint ist nämlich nicht die Tätowierung der Brust, sondern der Brustwarzen. Mediziner sprechen außerdem lieber von "Fein- oder Mikropigmentierung" als von Tätowierung.

Aber egal, wie man es nennt, klar ist: Das Diktat der Perfektion erreicht auch das Fleckchen der Brust, das bislang oft als letztes der Natur überlassen war.

Beim "Tittooing" werden mittels spezieller Nadeln Farbpigmente in die mittlere Hautschicht implantiert. Dadurch werden die Brustwarzen zum Beispiel optisch vergrößert; bei unterschiedlich großen Brüsten kann es auch darum gehen, eine optische Symmetrie herzustellen. Zudem muss die Farbe stimmen, sagt Gail Proudman, Fachfrau für medizinische Tätowierungen, dem Daily Telegraph. "Der Trend geht zu dunklen Brustwarzen".

Die Gründe, aus denen Frauen zu ihr kämen, um sich einer solchen Behandlung zu unterziehen, seien vielfältig. "Einigen Frauen sind ihre Brustwarzen zu hell oder zu pink, andere werden von ihren Männern überredet."

"Tätowierung ist vielleicht das falsche Wort, es ist eher ein Permanent-Make-up", sagt Rafael-Peter Mischewski, der in Mönchengladbach auf Mikropigmentierungen spezialisiert ist.

Nippel-Tattoo aus ästhetischen Gründen

Jahrelang sei das vor allem in der Rekonstruktionsplastik gemacht worden, um die weibliche Brust nach Amputationen so naturgetreu wie möglich wiederherzustellen. Mischweski arbeitet als operationstechnischer Assistent vor allem mit Chirurgen zusammen. 70 Prozent der Patientinnen seien Frauen, denen wegen einer Krebserkrankung die Brust amputiert worden ist. "Aber immer mehr Frauen entscheiden sich auch aus ästhetischen Gründen für die Mikropigmentierung", sagt der Experte.

Die 600 bis 800 Euro teure Behandlung dauert mehr als zwei Stunden. Bei vielen Frauen bedarf es Mischewski zufolge jedoch einer zweiten oder sogar dritten Nachbehandlung. Im Zweijahresrhythmus muss das Nippel-Make-up aufgefrischt werden, weil die Farbe verblasst.

Doch weder die Kosten noch die Schmerzen, die mit einer solchen Prozedur einhergehen, halten auch die Frauen in Deutschland von einer Pigmentierung ab. "Es zeichnet sich auch in Deutschland eine immer stärkere Nachfrage nach einer solchen Behandlung ab", sagt Mischewski.

Auch Männer nutzen die Technik. Allerdings weniger rund um die Nippel, sondern auf der Kopfhaut. "Bei Haarausfall eine Möglichkeit", sagt Mischewski. Das lässt unwillkürlich an den Haaransatz von Italiens Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi denken.