Erfolgreiche Influencerin Gerechtigkeit für Caro Daur

Junge Frau, neuer Beruf, und dann auch noch was mit Konsum: Caro Daur überfordert mit ihrem Instagram-Account ein paar Gemüter, zum Beispiel das von Elyas M'Barek.

(Foto: Caro Daur/Instagram)

Eine junge Frau verdient ihr Geld als Markenbotschafterin. Und wenn schon: Es ist kein Grund, sie öffentlich lächerlich zu machen.

Von Max Scharnigg

Zugegeben, es ist ein neumodischer Beruf, den Caro Daur ausübt. Sie ist Modebloggerin und wird heute wegen ihres Erfolgs hierzulande als wichtige Influencerin gehandelt. Ja, schlimm, so ein ganz neues Wort. Aber kein Grund zur Aufregung, Goethe war mit seiner "Italienischen Reise" auch schon Influencer.

Ihren Anhängern im Netz zeigt Caro Daur Mode, Beautyzeug, Orte und Lifestyle, von denen andere 22-Jährige nicht mal träumen. Das kann man überflüssig und öde finden, aber Frau Daur verdient sich damit, kaum aus der Schule, ihren Lebensunterhalt und scheint neuerdings auch Sorgfalt in der Kennzeichnung von Werbung walten zu lassen. Sie ist nicht die Erfinderin der Konsumkultur, nur eine angesagte All-In-One-Agentur in der Modebranche.

Offenbar überfordert das aber die Gemüter, zum Beispiel das von Elyas M'Barek. Unter einem Instagram-Foto mit Daur schrieb der Schauspieler vor zwei Wochen: "Hab sie nach ihrem Beruf gefragt, sie hatte keine Antwort." Yo, Elyas, super Investigativleistung. Stets in Sorge um die Erwerbstätigkeit von jungen Blondinen, gell?

Natürlich droschen im Kommentarfeld des Stars gleich Hundertschaften auf das freigegebene Fräulein Daur ein. Das Foto entstand übrigens auf dem Event eines Luxusuhrenherstellers, und M'Bareks nächstes Instagram-Bild zeigte ihn mit dem Markenlogo in den Händen. Gut mitgedacht!

Herablassung als Stilmittel

Die Kollegen vom Manager Magazin legten eine Woche später mit einem Interview nach, dessen wichtigstes Stilmittel Herablassung war: Mehrfach wurde Caro Daur süffisant nach dem Wert und "Content" in ihren Postings gefragt und sie auf ihre große Verantwortung hingewiesen, als hätte sie einen öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag.

Daurs Tagesablauf wurde für "Nicht übermäßig stressig" befunden, wobei er doch deutlich stressiger sein dürfte als der eines durchschnittlichen Magazinredakteurs. Am Ende veröffentlichte man hämisch die Fragen, die Daur nicht beantworten wollte, etwa die Hälfte davon drehten sich um ihr Einkommen. Wie kann sie nur? Wo sonst doch alle Manager ihre Honorare oder Umstände ihrer Steuerverfahren im Interview ausplaudern.

Das Magazin war, nebenbei gesagt, bisher auch nicht gerade als Speerspitze der Kapitalismuskritik aufgefallen. Egal, Ziel des Interviews, das im Nachdreh noch vom Chefredakteur verteidigt wurde, war offenbar feixendes Schenkelklopfen, bei Menschen, die was Ordentliches gelernt haben. Zum Beispiel Finanzspekulation.

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