Schmachtwort von Katja Riemann "Männer werden ab 40 erst attraktiv"

Das Schmachtwort der Woche kommt diesmal von Katja Riemann.

(Foto: Cornelia Zeug)

Wenn es ums Altern geht, sind Männer privilegiert. Das liegt an ihrer positiven Einstellung - sie reden sich einfach schön. Wie wirkungsvoll die Macht des männlichen Selbstbetrugs ist, durfte Katja Riemann erst kürzlich bei einem Moderator beobachten. Von dessen Ignoranz könnte manche Frau sich eine Scheibe abschneiden.

Von Violetta Simon

Was für eine himmelschreiende Ungerechtigkeit: Männer, so heißt es, werden mit dem Alter immer besser. Ungefähr wie Rotwein. Frauen werden einfach nur älter. Schauspielerin Katja Riemann sieht das ebenso. Im Gespräch mit der Zeitschrift Gala sagte die 49-Jährige: "Männer werden ab 40 erst richtig sexy, interessant und attraktiv." Das liege daran, dass sie Spätentwickler seien. "Es fängt doch schon mal damit an, dass Jungs mehr Zeit brauchen, bis sie laufen und sprechen können. Sie nehmen sich mit dem Erwachsenwerden viel Zeit."

Hätte das verhängnisvolle Interview mit dem entfesselten NDR-Moderator nicht ein paar Tage später stattgefunden, man könnte glauben, sie hatte bei diesem Zitat schon Hinnerk Baumgarten im Kopf - allerdings nur, was die Spätentwickler betrifft. Der hatte seine Couch kurzerhand zum Spielplatz für pubertierende Labertaschen erklärt. Hätte nur gefehlt, dass er mit Fistelstimme singt: "Ich will Spaß, ich will Spaß!" Auf der Homepage seines Arbeitgebers fasst der 45-Jährige seine Auffassung von Spaß nämlich in folgenden lockeren Worten zusammen: "Einfach mal so auf die Kiste setzen und an die Ostsee oder in den Harz - und einmal im Jahr natürlich mit den Jungs mit der Harley in die Alpen." Ja, da hat man dann natürlich keine Zeit, um sich zur Vorbereitung auf ein Interview einen Spielfilm anzusehen.

Aber bleiben wir beim Thema: Bis Männer ans Heiraten denken, sind sie im Durchschnitt drei Jahre älter als die Frauen. Mit 30 leben etwa 15 Prozent noch bei Mutti. Oft so lange, bis die Ablösung in Form einer Lebensgefährtin kommt und das Sockenwaschen übernimmt. Das Kind bleibt selbst dann im Mann, wenn er bereits selbst welche hat: Väter, die ihren Söhnen die Carrera- und die Modelleisenbahn streitig machen, gehören in vielen Familien zum vertrauten Anblick. Ebenso wie Väter, die der Großvater ihrer Kinder sein könnten - was immerhin den Streit ums Spielzeug hinfällig macht: Arthritische Knie eignen sich nicht so gut dazu, auf dem Parkett herumzukrabbeln.

Auch an ergraute Senioren in Sneakers und Cargohosen, aus deren Gesäßtaschen eine Panzerkette baumelt, hat man sich längst gewöhnt. Und wenn ein Silversurfer auf einem Waveboard an uns vorbeizieht, dessen lichtes Haar im Fahrtwind flattert, zucken die meisten nurmehr mit den Schultern.

Für die Frauen sieht es dagegen anders aus: "Bei denen ist es leider immer noch so, dass sie dem Druck ausgesetzt sind, immer jung und schön sein zu müssen", sagt Riemann.

Warum wirken alternde Frauen eigentlich so beängstigend auf ihre Umwelt? Warum gesteht man ihnen den Rückfall in die Kindheit nicht zu? Sicher ist es peinlich, wenn sie ihren Töchtern die Hello-Kitty-Tasche klauen und in rosa Röhrenjeans und mit blonden Strähnchen versuchen, als deren Schwester durchzugehen - zumindest von hinten betrachtet. Aber ist es wirklich schlimmer, als sich mit umgedrehtem Baseballcap zum Clown zu machen und so zu tun, als wäre man auf dem Weg ins Legoland?

Immerhin wachsen Frauen dafür keine Büschel aus Nase und Ohren. Auch fallen ihnen die Haare nicht vom Kopf, erst recht nicht, bevor sie die Chance hatten, zu ergrauen. Selbst auf hängende Brüste haben Frauen schon lange kein Monopol mehr. Und der Bauch des Mannes wird im Alter nicht schöner, nur kugeliger - selbst wenn er nie ein Kind transportieren musste, sondern bestenfalls eine Reihe von deftigen Fleischgerichten.