Wenn Promis über Liebe reden - "Schmachtwort der Woche" "Wir können ganz wunderbar miteinander schweigen"

Ursula von der Leyen ist der Yogi unter den Ehefrauen. Die Arbeitsministerin ist ganz und gar frei von dem Bedürfnis, ihren Mann mit belanglosen Gesprächen zu behelligen. Oder hat sie nur aus der Not eine Tugend gemacht?

Eine Kolumne von Violetta Simon

Man muss sich Heiko von der Leyen als einen glücklichen Menschen vorstellen. Als Ehemann von Ursula von der Leyen darf er in seinem Sessel sitzen und still vor sich hin lächeln. Dazu hat er allen Grund, denn er genießt ein Privileg, um das ihn viele Ehemänner beneiden dürften: eine Frau, die die Klappe halten kann. "Wir können ganz wunderbar miteinander schweigen", verriet die Bundesministerin für Arbeit und Soziales der Bunten in einem Interview. Als ob sie die Wahl hätte! Weiß ja schließlich jeder, dass Männer ohnehin nicht reden. Aber so ist sie, unsere Vorzeigemutter: jederzeit imstande, aus der Not eine Tugend zu machen. Die Tür fällt ins Schloss, Ursula fällt in den Sessel - und schweigt. Da setzt sich jeder Mann gerne dazu.

Das Schmachtwort der Woche sprach diesmal Ursula von der Leyen.

(Foto: Sophie Kaiser)

Jedes Wesen mit zwei X-Chromosomen kann hier nur verwundert den Kopf schütteln: Was bitte soll am Schweigen wunderbar sein? Heißt es in der Paartherapie nicht: "Schweigen ist Gold, Reden ist unbezahlbar?" Für Frauen ist die fehlende Kommunikation mit dem Partner der häufigste Trennungsgrund - und für Paartherapeuten eine lohnende Einnahmequelle. Was hat man nicht alles versucht, Männer zum Reden und Frauen zum Schweigen zu bringen: "Hören Sie ihm zu, wenn er etwas zu erzählen hat, lassen Sie ihn ausreden!", lautet ein häufiger Ratschlag, um einen sprechenden Mann bei seinen raren, kostbaren Äußerungen nicht zu verschrecken. Auch ein effektiver Ansatz: "Qualität geht vor Quantität. Stundenlange Diskussionen hält kein Mann durch." Der Psychologe und Paar-Therapeut Markus Biebl schwört auf einen pädagogischen Ansatz, ähnlich der Kindererziehung, und empfiehlt: "Man könnte ihn loben, wenn er doch mal von sich aus geredet hat." Warum nur ist noch niemand auf die Idee gekommen, Frauen dafür zu loben, wenn sie mal von sich aus schweigen?

Das Problem ist, dass die meisten Frauen keine Ahnung haben, wie das geht. Wie funktioniert gemeinsam schweigen - wenn beide nicht gerade nebeneinander auf der Couch einschlafen oder zufällig einer Geiselnahme zum Opfer fallen und geknebelt in einer Ecke liegen? Das fängt ja schon an mit der Motivation. Wenn eine Frau schweigt, tut sie das schließlich nicht aus demselben Grund wie ein Mann: Männer schweigen, weil sie nichts zu sagen haben. Frauen schweigen, weil sie erwarten, dass er ihr etwas zu sagen hat. Das männliche Schweigen kann im besten Fall Ausdruck von Zutraulichkeit sein. Das weibliche Schweigen hingegen ist stets Ausdruck eines Vorwurfs - oder zumindest der Erwartung, den Vorwurf zu erahnen.

Der Yogi unter den Ehefrauen

Ursula aber scheint der Yogi unter den Ehefrauen zu sein, wenn es darum geht, nichts zu erwarten. Das ist nicht nur überraschend, sondern auch überraschend klug, denn: Was Männer zu sagen haben, ist ohnehin nie das, was sich Frauen in ihrer Phantasiewelt so ausmalen. Während sie darauf hofft, dass er durch ihr Schweigen endlich mürbe wird und fragt: "Habe ich etwas falsch gemacht?" oder "Was denkst du gerade?" oder "Kann ich irgend etwas für dich tun, meine Schöne?", sondert er nichts als ernüchternde Informationen ab: "Mensch, jetzt könnte ich ein Schnitzel vertragen" oder "Ich geh' noch mal eben schnell an den Computer". So gesehen macht auch Heiko mit seinem Schweigen alles richtig. Der 56-Jährige, der - ähnlich wie Merkel-Ehemann Joachim Sauer - als Phantom unter den Ehepartnern der Berliner Regierungstruppe gilt, sucht gar nicht erst nach den richtigen Worten, denn: Wer nicht spricht, kann nichts Falsches sagen.

Doch wie gelingt es Ursula, das elementare Bedürfnis der Kommunikation zu unterdrücken - macht sie die Ehe sprachlos? Wohin sind sie verschwunden, die Worte der Bundesministerin? Hat sie sie kübelweise an die Mitarbeiter der Agenturen für Arbeit verschenkt, damit diese wütende Kunden beschwichtigen und den den Hoffnungslosen Trost spenden? Das ist ganz und gar undenkbar, denn tagsüber kann sie jede Silbe gebrauchen - wie sollte sie sonst im Bundestag ihre Reden halten? Tagtäglich spricht sie über Arbeitsmarktreform, Fachkräftemangel, Jugendarbeitslosigkeit, Mindestlöhne, Frauenquote und Zuwanderung. Sie spricht sich gegen die Sockelrente aus und für die Rente mit 67. Zum Bildungspaket spricht sie ein Machtwort, zuweilen sogar zweimal hintereinander, wie bei einer Bundestagsdebatte im Dezember 2010. Ist es da ein Wunder, dass ihr abends die Worte fehlen?

Neuen Studien zufolge sprechen Paare zwar etwa eine Stunde täglich miteinander, doch meist nur über Belangloses wie Haushalt und Job. Da verhält sich Frau von der Leyen weitaus pragmatischer: Um den Haushalt kümmert sich eine Angestellte, und wie es im Job läuft, erfährt ihr Mann, wenn er den Fernseher anmacht. Der Erfolg gibt ihr Recht: Mehr als 25 Ehejahre und sieben Kinder - der Werbeslogan "Die tun was" bekommt damit eine ganz neue Bedeutung.

Vor einigen Jahren wurde Ursula von der Leyen einmal von einem Redakteur der Köpenicker Seniorenzeitung gefragt, was sie unter der perfekten Ehe verstehe. Er würde das gerne mal seinen Enkeln erzählen. Und wissen Sie, was sie geantwortet hat? "Ich werde Ihnen die Antwort heute schuldig bleiben". Recht hat sie. Dass Männer immer alles zerreden müssen. Ist doch wahr.

Kennen Sie einen peinlichen Spruch von einem Prominenten, ein witziges Zitat einer berühmten Persönlichkeit oder eine Liedzeile zum Thema Liebe? Dann behalten Sie das nicht für sich, sondern schicken Sie es an leben@sueddeutsche.de - Betreff: "Schmachtwort" (bitte den Urheber des Ausspruchs angeben!).