Schmachtwort der Woche Der Traum von einem sauberen Bad

Solange die Steinzeit unsere Gene und unser Handeln dominieren, träumen wir nur von einer besseren Zukunft: Nach Hause kommen in eine Wohnung, die nicht von einem Poltergeist heimgesucht worden sein muss. Die Zeitung lesen am Küchentisch, ohne wie ein Fakir die Ellbogen auf ein Meer aus Krümel zu stützen. Über den Flur schreiten wie ein Mensch und nicht wie ein angetrunkener Hürdenläufer.

Oh, wie schön muss es sein, ein Bad zu betreten, das man sofort benutzen kann: Einmal nur duschen, ohne die Wanne vorher zu enthaaren. Die Zähne putzen, ohne eine Million kleiner schwarzer Borsten zu entfernen, die ein elektrisch rotierender Nasenhaarschneider ins Waschbecken geschleudert hat. Einmal in den Spiegel schauen und darin ein Gesicht entdecken, das nicht mit weißen Sommersprossen aus Zahnpastaspritzern übersät ist.

Der Mann reagiert in der Regel verständnislos, schlägt aber vor, das Problem durch die Beschäftigung einer Putzfrau zu lösen. Super Idee - wenn es kleine Reinigungsdamen gäbe, die im Schrank wohnen könnten. Schließlich benötigt man ihre Dienste nicht alle zwei Wochen einmal, sondern zweimal täglich.

Kreative Lösungen

Also steigt der Leidensdruck weiter. Das kann auch Vorteile, nämlich kreative Lösungen: Ende des 19. Jahrhunderts schwang sich eine Frau zu technischen Höchstleistungen auf und erfand die Spülmaschine: 1886 meldete die Amerikanerin Josephine Cochrane das Patent für das Wundergerät an - das war kurz nach den Weihnachtsfeiertagen, ihr Frust entsprach vermutlich der Höhe der Tellerberge.

Es folgten der Staubsauger, die Waschmaschine, der Elektroherd, das Dampfbügeleisen, die Küchenmaschine und die Mikrowelle - allesamt von Männern erfunden. Deren Leidensdruck war sogar höher. Am Ende hätten sie sonst noch mit anpacken müssen.

Zweifellos kann es auch nur ein Mann gewesen sein, der sich die jüngste Idee zur Erleichterung der Hausarbeit im Schweiße seines Angesichts aus den Rippen geschnitten hat: Familienpolitiker der Union wollen Frauen bei der Rückkehr in den Beruf entlasten - mithilfe putziger Haushaltsgutscheine. CDU und CSU wären bereit, mehr als eine Milliarde Euro zu investieren, also muss es sich um eine wirklich gut durchdachte Maßnahme handeln.

Alice Schwarzer wird das nicht gefallen. Aber somit wäre nun eindeutig bewiesen, dass Putzen, Kochen, Waschen, Einkaufen und Aufräumen eben doch Frauensache ist. Sonst würde man die Gutscheine ja auch Männern zukommen lassen. Wie gut, dass wir das endlich geklärt haben.