Schlafstörungen Hellwach im Dunkeln
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Viele Arbeitnehmer finden vor lauter Stress nicht in den Schlaf - und quälen sich dann übermüdet durch den Joballtag. Warum das Einschlafen vielen so schwer fällt - und was gegen Schlafstörungen hilft.
Zuerst fiel es Sabina Büttners Mann auf, wie sich seine Frau veränderte. Die 38-jährige Steuerberaterin aus dem Großraum München reagierte oft gereizt. "Kein Wunder", verteidigte sie sich, Abend für Abend dieselbe Qual: Sabina Büttner (die Namen aller Betroffenen wurden geändert) konnte noch so müde sein, kaum lag sie im Bett, war sie hellwach.
Für 40 Prozent der Erwerbstätigen in Bayern sind Stress und berufliche Belastungen der Schlafkiller Nummer eins.
(Foto: Foto: Getty)Quälende Gedanken überfielen sie, und schließlich wälzte sie sich zwei Stunden und mehr hin und her, bis sie endlich der Schlaf erlöste. Büttner wagte eine Selbstdiagnose: Der Arbeitsdruck hatte derart zugenommen, dass sie Akten mit nach Hause nahm - in der Hoffnung, so tagsüber im Büro Entlastung zu finden. Ein Fehlschluss: Kaum waren die Ordner weggelegt, kam sie ins Grübeln: "Wie soll ich das nur alles schaffen?"
Büttner ist kein Einzelfall: Für 40 Prozent der Erwerbstätigen in Bayern sind Stress und berufliche Belastungen der Schlafkiller Nummer eins, wie der jüngste Gesundheitsbericht der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) hervorhebt.
Nahezu jeder Zweite plagt sich zumindest zeitweise mit Schlafstörungen. "Wir können fast schon von einer Volkskrankheit sprechen", sagt Wilfried Erbe, Geschäftsführer der DAK in Bayern. Beinahe jeder zehnte Arbeitnehmer habe sogar hochgradige Schlafprobleme.
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Die Folgen für die Wirtschaft seien nicht zu unterschätzen. "In Bayern quälen sich mehr als 600.000 Erwerbstätige übermüdet durch den Arbeitsalltag", sagt Erbe.
Nahezu alle Betroffenen versuchen zunächst, das Problem Schlaflosigkeit selbst zu therapieren. So auch Sabina Büttner. Sie besorgte sich rezeptfreie Schlaftabletten. Aber die halfen nichts. Die Steuerberaterin ging zum Arzt - und bekam nun stärkere Schlaftabletten verschrieben.
"Frau Büttner konnte dann zwar etwas besser einschlafen, aber das machte sie tagsüber auch nicht fitter", sagt Jürgen Zulley, der Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums am Universitäts- und Bezirksklinikum Regensburg. Nachdem Büttner den Beipackzettel des Schlafmittels gelesen hatte - insbesondere den Hinweis, dass man die nur drei bis vier Wochen nehmen sollte -, entschloss sie sich, Zulley aufzusuchen. "Wir haben ihr helfen können", sagt der Forscher.
Nach Zulleys grundsätzlichen Informationen über den Schlaf und nach dem Erlernen von Entspannungsstrategien kann Sabina Büttner seit nunmehr drei Monaten vor allem deshalb wieder besser ein- und durchschlafen, weil sie eine strikte Order befolgt: am Abend einen klaren Schlussstrich ziehen! "Sie machte mit ihrem Mann aus, dass zu Hause von 19 Uhr an nichts mehr auf den Tisch kommt, was Arbeit und Probleme betrifft", sagt der 64-jährige Schlafforscher und -therapeut. Diesen Tipp muss er besonders häufig Frauen geben. "Sabina Büttners Einschlafstörungen waren nach unserer Erfahrung eher Frauensache", sagt Zulley.
Typisch männlich ist hingegen die Symptomatik, mit der ein gut 50-jähriger Anwalt zu Zulley kam: Kaum saß er abends vor dem Fernseher, nickte er auch schon weg, wurde dann irgendwann nachts wach, legte sich ins Bett - und schlief nicht mehr ein. "Das ist ein Klassiker", sagt Zulley, "wir sprechen da von monotoner Stimulation." Sobald die Betroffenen nach einem hektischen Arbeitstag zur Ruhe kommen - vor dem Fernseher, im Pendlerzug, auf dem Beifahrersitz im Auto - werden sie schlagartig müde und schlafen ein. "Aber bitte nicht schon um 20.15 Uhr", rüffelt Zulley.
Denn das frühe Einschlafen, das sei nicht unbedingt eine positive Fähigkeit, sondern vielmehr ein ernstzunehmendes Signal: "Viele dieser Leute haben eine grundsätzlich überhöhte Müdigkeit in sich, die sie aber in ihrem Arbeitsalltag überspielen können - oft sogar durch eine übertriebene Aktivität", sagt Zulley. Das Problem ist nur: "Sie schlafen, erst einmal zur Ruhe gekommen, viel zu früh ein und bleiben später im Bett wach."