Schicksal von TV-Laiendarstellern Bauernopfer

Eine Kuppelshow für Landwirte hat aus dem Bauern Josef und der gebürtigen Thailänderin Narumol kleine Berühmtheiten gemacht. Doch der TV-Ruhm hat auch Schattenseiten. Der Heimatort des skurrilen Paares ist zur Gaffermeile geworden - und das Dorf lästert über die "Stars" von nebenan. Ein Besuch.

Von Frederik Obermaier, Aiglsham

Wenn ein Auto wieder einmal ganz langsam durch Aiglsham rollt, dann weiß Anita Dumpler schon, was zu tun ist. Die 62-Jährige holt die Autogrammkarten aus dem Wandschrank, stellt Kaffeetassen auf den Tisch und sagt ihrem Mann, dem Sepp, dass er sich was anziehen soll. Gleich müssen sie Besuchern wieder von ihrem Nachbarn erzählen. Vom Josef. Dem aus Bauer sucht Frau.

Seit 2005 läuft die Kuppelshow im Fernsehen, durchschnittlich acht Millionen sehen zu, wenn einsame Landwirte die große Liebe suchen. Josef hat sie in der fünften Staffel gefunden. Er und seine Ehefrau Narumol sind zu Berühmtheiten geworden, wenn auch nur beim Publikum von RTL und der Bild-Stammleserschaft.

Eine Sondersendung zur Geburt der Tochter

Seither ist im oberbayerischen Aiglsham nichts mehr so, wie es war. Der Dreiseithof von Dumplers Nachbar Josef ist zur Pilgerstätte geworden. An einem einzigen Wochenende, so erzählen einige Dorfbewohner hier, fahren so viele Autos durch den 60-Einwohner-Weiler wie vor Bauer sucht Frau nicht mal in einem Monat.

Aus ganz Deutschland kommen die Fans hierher" sagt Anita Dumpler, "das letzte Mal ist erst wieder eine Familie aus Ostfriesland beim Josef in der Küche gesessen". Alle wollen sie den "frommen Milchbauern aus dem Chiemgau", und Narumol, die "fröhliche Thailänderin", sehen.

Mit der Presse sprechen die beiden jedoch nur selten. "Wir haben einen Exklusivvertrag mit RTL", sagt Josef am Telefon. Im Juli 2010 hat der 50-Jährige seine Narumol geheiratet, ein Jahr später kam nun die gemeinsame Tochter Jorafina auf die Welt, die Sondersendung zur Geburt strahlt RTL an diesem Sonntag aus.

Die interessierte Öffentlichkeit ist also gut informiert über das sogenannte Kultpaar. Der geneigte Leser weiß bereits aus der Bild, dass Narumol im Traum ein Engel erschienen ist, der ihr den Namen "Jorafina" einflüsterte und er weiß auch, dass das Baby "kleine Mandeläuglein und schwarze Haar-Flusen" hat, bei der Geburt 51 Zentimeter groß war und 3100 Gramm wog.

"Der ist ja jetzt ein Star"

Josefs Nachbarn blättern mittlerweile einfach in den Boulevardzeitungen und Klatschmagazinen, wenn sie wissen wollen, wie es dem Baby so geht. "Dass die Narumol schwanger ist, davon habe ich überhaupt erst aus der Zeitung erfahren", sagt eine Frau aus Aiglsham, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Wenn die Frau in ihrem Garten sitzt, kann sie den Misthaufen des berühmten Nachbarn riechen, besucht hat sie ihn aber schon lang nicht mehr. "Der ist ja jetzt ein Star."

Ein Dorf, noch dazu wenn es so klein ist wie Aiglsham, hat viele schöne Seiten: Jeder kennt jeden, man duzt sich, geht gemeinsam zum Gottesdienst. Es ist der familiäre Gegenentwurf zur anonymen Großstadt. Wird einer aus dem Dorf aber plötzlich berühmt, hat Fans und wird von Reportern umgarnt, kann sich das schnell ändern. Auf einmal überschattet Missgunst das Idyll.

Josef und Narumol erleben gerade diese Kehrseite vom Landleben. Einige Nachbarn sprechen nicht mehr mit ihnen und wenn doch, spekulieren sie danach, was der Josef wohl so verdient, wenn mal wieder ein Kamerateam filmt, wie er seine Kühe melkt.

Elf Landwirte und eine Bäuerin hatten zusammen mit Josef in der RTL-Kuppelshow Zuneigung gesucht. Da war der Holzbauer Maurizio, von dem sich später herausstellte, dass er eigentlich gar kein Bauer ist. Dann gab es da noch den Nordfriesen Clausen, der eigentlich gar nicht Single war, trotzdem aber mit einer Kosmetikerin flirtete. Im echten Leben soll die allerdings Prostituierte gewesen sein. Interessiert hat das aber nur noch wenige. Die Bauern aus Staffel Nummer fünf sind längst vergessen, längst läuft Nummer sieben.

Im Gedächtnis der Zuschauer blieben nur Josef und Narumol.