Gemeinsam einsam: Die Zahl der Scheidungen nach der Silberhochzeit steigt rapide. Oft leben sich Paare auseinander, ohne es zu merken.
Der schlimmste Moment war nicht der, als sie mit Klebezetteln durch ihr Haus gingen und sie auf die Möbel pappten. Grün gehörte ihr, gelb ihm. Nicht, als sie den Tag ihrer Silberhochzeit ohne ihn feierte und mit Freunden Wein trank. Nicht, als der Familienrichter die Scheidung vollzog, an einem sonnigen Apriltag.
Wenn alte Paare sich trennen, wird nach wichtigeren Gründen verlangt. (© Foto: iStockphotos)
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Der schlimmste Moment für Emmy, 54, war unspektakulärer. Nicht lang ist das her. Eine Haltestelle in München, die Linie 54. Björn stieg in den Bus, in dem Emmy saß. Er ging an ihr vorbei, wie an einer Fremden. Er sah nicht weg. Er beschleunigte nicht den Schritt. Er sah einfach durch sie durch. Obwohl sie ihr halbes Leben verheiratet gewesen waren.
Da war nichts mehr von der Liebe, die sie vor 26 Jahren besiegelt hatten in einer Kirche im Salzkammergut. Es war kein Schalter, mit dem das Gefühl ausgeknipst wurde, sagt Emmy. Es war eher ein Dimmer, mit dem es ganz langsam heruntergeregelt wurde. Nach und nach ist die Wärme aus der Welt gewichen, die sie sich über all die Jahre aufgebaut hatten. Irgendwann habe sie ihren Mann nur noch als "Eisblock" empfunden.
"Wir waren gemeinsam einsam", sagt Emmy. Sie wurde krank, er arbeitete immer mehr. Die Fassade hielt. Der erfolgreiche Unternehmer und die attraktive Frau, zwei wohlgeratene Töchter. "Das Traumpaar der Reihenhaussiedlung", sagt Emmy. Als sie den Nachbarsfrauen beim Kaffeeklatsch sagt, dass sie die Scheidung eingereicht hat, schweigen alle betreten. Eine sagt: "Mein Gott Emmy, was willst Du? Dein Mann betrügt dich nicht, er schlägt dich nicht, er missbraucht nicht deine Kinder."
Wenn junge Paare sich scheiden lassen, hat es halt nicht gereicht. Wenn alte Paare sich trennen, wird nach wichtigeren Gründen verlangt. "Lange waren Scheidungen im Alter exotische Einzelfälle", sagt Insa Fooken von der Universität Siegen, die das Phänomen der späten Trennung erforscht. Scheidung war früher keine Option, man hielt das aus. Das Tabu bröckelt. Die Zahl der Scheidungen im Alter hat sich seit 1975 verdoppelt, steil steigt die Kurve seit einigen Jahren an. Ließen sich 2001 noch 12494 Paare nach dem 25. Jahr scheiden, waren es 2006 schon 19316 - das sind zehn Prozent aller Scheidungen.
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... dürfte die "innere Kündigung" sein. Irgendwann, aus welchen Gründen auch immer, kommt man an den Punkt, an dem die Beziehung nicht mehr auf der Kippe steht, sondern eindeutig der Zeitpunkt für das "Überlaufen des Fasses" erwartet wird. Die wenigsten werden aktiv darauf hin arbeiten, aber das Ende ist unumkehrbar erreicht. Da war keine andere Frau im Spiel (wer dies als Grund sieht, macht sich etwas vor).
Nun beginnt eine Art des Zählens bis zum ultimativen Tag. Es sind nicht die einzelnen Streitauslöser oder Gefechte, die kummulieren (man ist ab der inneren Kündigung ja eigentlich nicht mehr verletzbar, das war man zuvor), es ist die Suche nach dem richtigen Moment.
Ich hatte die innere Kündigung sieben Jahre vor der Trennung ausgesprochen. Aus wirtschaftlichen und moralischen Gründen führte ich die Beziehung weiter. Dann, an einem Tag an dem alle Hindernisse aus dem Weg geräumt waren, sprach ich sie aus. Es war die Befreiung (für beide) schlechthin. Meine starke Neurodermitis im Gesicht war binnen Wochen verschwunden.
Was war letztlich der Auslöser, die Trennung trotz Vorbehalten durchzusetzen ? Es war die simple Frage nach der Gestaltung der Zunkunft. Zwanzig Jahre hatte ich in einer immer schwieriger werdenden Ehe gelebt, An meinem 55. Geburtstag fiel die aufgeschobene Entscheidung (meine Worte zuvor: "in diesem Alter trennt man sich doch nicht mehr"), ich fragte mich ganz einfach "willst Du wirklich noch weitere 35 Jahre mit dieser Frau leben?" An diesem Tag wußte ich es: "nein!"
Die restlichen sechs Wochen waren dann ganz leicht, quasi eine erleichternde Befreiung auf Raten. Dann kam der Moment in dem ich es aussprach.
Heute, nach fast 7 Jahren lebe ich glücklich. Erst alleine, seit zweieinhalb Jahren mit einer wunderbaren Partnerin. Meine Exfrau ist aber noch immer ein absolutes Feindbild; was für eine sinnlos vergeudete Lebenszeit ...
Ich denke, dies wird Frauen und Männern gleichermaßen ergehen. In sofern, schade, daß die meisten Frauen häufig den schwierigeren Weg gehen müssen.
GL
aber nicht nur Björn wird an ihr vorbei gehen - alle werden an ihr vorbei gehen und durch die "attraktive" 54-jährige durch gucken und wenn sie nicht gerade viel Geld hat, wird sie auch künftig einsam - vielleicht inmitten ihrer Katzen - sterben.
Ich wünsche ihr ein langes Leben, 90, 100 ... - 40, 50 ... Jahre voller Einsamkeit!
Björn wird vielleicht in einer Tageszeitung inserieren: "Rüstiger 50-jähriger, kulturell interessiert und gebildet, sportlich..." und wöchentlich Wäschekörbe voller Post mit Einladungen für Kaffee, Konzerte, Oper ... empfangen. Vielleicht ist auch ein Brief von Emmy (54) dabei :-P
""Wir hatten uns nichts mehr zu sagen, was auch daran lag, dass wir vorher nicht richtig miteinander geredet haben." Ein Satz, der fast immer fällt, wenn ältere Paare sich trennen."
Bei solcher oft gehörten Aussage kann ich ein bitteres Schmunzeln nicht unterdrücken:
Dieser Tage hat sich nach 40 Jahren Ehe mit Höhen und Tiefen meine Gattin entschlossen, sich von mir zu trennen. Hauptbegründung:
"Ich halte Deine ständigen Forderungen, die philosophischen und gefühlsmässigen Grundlagen unserer Beziehung gemeinsam zu erörtern, einfach nicht mehr aus."