Saudi-Arabien Frau am Steuer? Ab ins Gefängnis!

Frauen sind in Saudi-Arabien nur als Beifahrerinnen erwünscht. Wenn sich doch eine hinters Lenkrad wagt, dann droht ihr Gefängnis. Eine junge Computerspezialistin hat sich davon nicht abschrecken lassen - und könnte nun zur Symbolfigur einer aufkommenden Frauenrechtsbewegung werden.

Von Christiane Schlötzer

Manal al-Sherif hat kein Gesetz gebrochen, und sitzt doch im Gefängnis, "wegen Verletzung der öffentlichen Ordnung". Die 32-jährige Computerspezialistin aus Saudi-Arabien hat sich lediglich an das Steuer eines Autos gesetzt und sich dabei von einer Freundin filmen lassen. Das Video hat sie auf eine Facebook-Seite gestellt, mit der sie alle saudischen Frauen dazu aufruft, sich am 17.Juni massenhaft auf die Straßen zu begeben: und zwar hinter dem Steuer.

Bitte auf der Beifahrerseite einsteigen: Saudi-Arabien ist das einzige Land der Welt, in der religiöse Fatwas den Frauen das Autofahren verbieten.

(Foto: AP)

Saudi-Arabien ist das einzige Land der Welt, in der religiöse Fatwas den Frauen das Autofahren verbieten. 12.000 Unterstützerinnen und auch Unterstützer fand die Mutter für ihre Aktion im Internet, bevor die Facebook-Seite plötzlich verschwand.

Die arabischen Revolutionen haben die Frauen inspiriert

Inzwischen hat al-Sherifs Anwalt, Walid Abu al-Khair, eine Online-Petition an König Abdullah gerichtet. Darin fordert er den König auf, für die Freilassung der Lenkrad-Pionierin zu sorgen und den Frauen in seinem Land das Autofahren zu erlauben.

Auch wählen dürfen die saudischen Frauen nicht, und wenn sie arbeiten wollen - was inzwischen viele tun - brauchen sie die Zustimmung ihres Vaters oder Ehemannes. Die arabischen Revolutionen aber haben nun auch viele Frauen in der konservativsten Golfmonarchie inspiriert.

Manal al-Sherif sagte vor ihrer Festnahme dem arabischen Sender Al-Dschasira, der inzwischen als wichtigste Informationsquelle der Freiheitsbewegungen in der Region gilt: "Es gibt kein Gesetz, das uns Frauen das Autofahren verbietet." Dies tue nur die saudische Gesellschaft.

Die ist in der Frage, wie viel Freiheit den Frauen gestattet werden soll, tief gespalten. Für konservative Kleriker ist das Auto-Verbot Zeichen dafür, dass das Königreich sich westlichen Einflüssen verweigert. Auch weibliche Aktivistinnen hatten oft argumentiert, wichtiger als der Zugang zum Lenkrad, sei das Eintreten für grundsätzlichere Freiheiten.

Doch Manal al-Sherifs Festnahme könnte den Kampf ums Steuer nun zum symbolischen Streit machen.

Heimlich hinterm Steuer

"Die öffentliche Ordnung" sei nicht durch Manal al-Sherif verletzt worden, sondern "durch deren Festnahme", schreibt die in Dschidda beheimatete bekannte saudische Journalistin Sabria Jawhar. Al-Sherif gehöre die Sympathie der saudischen Frauen, die nicht wüssten, wie sie für ihre Familien sorgen könnten, meint Jawhar.

Etwa 800.000 ausländische Männer arbeiten in Saudi-Arabien als Fahrer, weil Frauen nicht ans Steuer dürfen. Doch viele Familien könnten sich das Geld für einen privaten Fahrer gar nicht leisten, sagte al-Sherif in ihrem Gespräch mit Al-Dschasira. Manche Frauen fahren daher auch heimlich. Saudische Zeitungen sind nun voll mit entsprechenden weiblichen Bekenntnissen. Eine Frau erzählt, wie sie ihre Kinder im Auto zur Schule oder den Vater zum Flughafen gebracht habe.

Den Führerschein machen saudische Frauen gewöhnlich im Ausland. Auch al-Sherif besitzt einen Internationalen Führerschein. Ihre Unterstützerinnen sind überzeugt, sie ist jetzt nur in Haft, damit sie ihre Kampagne nicht fortsetzen kann.