Von Daniel Brössler

Minderwertiger Alkohol kostet immer mehr Menschen in Russland das Leben. Seit August seien 118 Todesfälle durch Alkoholvergiftung registriert worden, meldete die Nachrichtenagentur Itar-Tass. Die Zahl der Vergiftungen erreichte nach Behördenangaben ein seit Jahren ungekanntes Ausmaß.

Landesweit sollen bereits bis zu 5000 Menschen von den Vergiftungen betroffen sein. In der Region Pskow wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Dort werden 446 Menschen mit "toxischer Hepatitis" in Krankenhäusern behandelt, 16 Patienten sind bereits gestorben.

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Vodka wurde teurer - jetzt greifen viele Russen zu gepantschtem Industriealkohol. (© Foto: Reuters)

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Das Gesundheitsministerium kündigte an, innerhalb einer Woche eine "komplexe Analyse" der Ursachen der Vergiftungswelle vorlegen zu wollen.

Die Ursachen liegen nach Darstellung der Zeitung Nowyje Iswestija freilich auf der Hand. Verantwortlich für die Alkohol-Krise seien "unfähige Staatsbeamte".

Tatsächlich haben mehrere Maßnahmen des Staates in jüngster Zeit zu einem Anstieg der Preise für Wodka und andere alkoholische Getränke geführt. So ist seit Monaten die Einfuhr von Wein aus Moldawien und Georgien verboten. Offiziell wird das damit begründet, Wein aus diesen Ländern sei gesundheitsgefährdend.

Vermutet werden allerdings eher politische Gründe, weil sich beide Länder von Russland ab- und dem Westen zuwenden. In der Folge fehlen nun die oft preiswerten Weine aus diesen Ländern.

Zu einem Preisanstieg führte auch die Einführung angeblich fälschungssicherer Steuermarken. Erfahrungsgemäß führen höhere Alkoholpreise in Russland nicht zu einem geringeren Verbrauch, sondern zum Griff nach billigeren Alternativen - gepanschte Getränke mit Industriealkohol.

Verwendet werden Parfüme, Reinigungs- oder auch Kühlflüssigkeiten. Der Genuss dieser Getränke führt zu Vergiftungen und im schlimmsten Fall zum Tod.

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(SZ vom 4.11.2006)