Die Schauspielerin Megan Fox ist Hollywoods neuester Angelina-Jolie-Abklatsch. Mit einem Tattoo kokettiert sie mit ihrem billigen Eintagsfliegen-Image - ungewollt.
Immer wenn man denkt, das Welt-Publikum sei nun wirklich zu abgebrüht für glätteisengeglättete Kunsthaare und Plastikbrüste, für schäbige Tattoos und Augenbrauen, die wie Scheunentore gezupft wurden, und für Nachnamen, die so platt wie Niedersachsen sind - kurz: Immer wenn man denkt, die Proll-Natter sei ausgestorben, dann schickt ihr in Wahrheit dauerbrütender Stamm eine neue Vertreterin ins Rennen.
Ein Stück Ewigkeit auf dem Rücken: Megan Fox, die "Sexiest Woman Alive", und ihr Tattoo - ein Zitat aus dem Drama "King Lear". (© Foto: Getty)
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Die aktuelle heißt Megan Fox. Komisch, man hat das Gefühl, man sei ihr erst kürzlich begegnet, in Jena, am Autoscooter. Dabei ist sie in Wahrheit international mächtig erfolgreich, und außerdem: "Die erotischste Frau der Welt", wie FHM findet.
Über Megan Fox gibt es ansonsten so wenig zu sagen, dass es schon wieder enorm ist. Kratzen wir es rasch zusammen: Fox spielt in dem Kinosommerhit 2009 mit, nämlich "Transformers - die Rache". Sie ist 23 und ihr Mund steht immer offen. Sie kam in Tennessee zur Welt, natürlich in "ganz, ganz ärmlichen Verhältnissen".
Natürlich deshalb, weil das die Erretter-Phantasien der Nerds dieser Welt befeuert. Und man kann davon ausgehen, dass Nerds einen großen Teil des Publikum dieses zweiten Transformers-Teils stellen, in dem es ja, wie schon in Teil 1, darum geht, dass Plastik-Roboter groß und gefährlich werden.
Hollywood liebt Aufgüsse und Sequels. Und Megan Fox ist, nett formuliert, ein Angelina-Jolie-Aufguss. Wohl um dem Eintagsfliegen-Schicksal ironisch vorzugreifen, hat Fox sich ein Stück Ewigkeit auf den Rücken tätowieren lassen, den Satz "We will all laugh at gilded Butterflies" aus dem Drama "King Lear".
Übersetzt heißt er: "Eines Tages werden wir über die in Gold getauchten Schmetterlinge lachen." Und Menschen, die weniger genial sind als William Shakespeare - also wir alle -, würden auch sagen: "Es ist nicht alles Gold, was glänzt."
Unser Role Model 2009 - also eine Drosophila im Escortgirl-Gewand, die Silikon zu neuen Ehren verhilft und Weltliteratur banal aussehen lässt. Wir haben es nicht anders verdient. Shakespeare allerdings schon.
(SZ vom 27.06.2009/mes/bre)
Anti-Piraterie-Abkommen
Wir von suedwatch.de sind da anderer Meinung.
suedwatch.de, der unabhängige Watchblog zur Süddeutschen
"Das sind sie eben nicht, nie gewesen. Transformers = Werbefilm (wie TopGun). Rambo = Verarbeitung des Vietnam-Traumas usw. usf. Fox ist ein Werbeträger, deren Funktion nicht im Stimulieren der männlichen Zuschauer aufhört, sondern dort erst anfängt. Das ist das Problem, nicht, daß S.ex sells" (das ist eh klar). Der Punkt ist, wofür der S.ex eingesetzt wird und wer da alles warum drauf anspringt. Wenn Du Dir bewußt bist, daß Du manipuliert werden sollst, ist ja alles ok! Viele sind das aber nicht, und auch an dem Punkt hat die öffentliche Meinung (hier: Frau Casati) eine Wächterfunktion (über den Stil kann man wieder streiten...)"
Top Gun war ein Werbefilm, Transformers geht wohl ein wenig darüber hinaus. Immerhin haben die Transformers ja eine gewisse Comic Tradition (oder willst du sagen, schon die Figuren früher waren Werbefiguren).
Es ist ein bombastischer Zerstörungs Actionfilm mit nahezu perfekten Special Effekts.
Ich finde Spielberg hat hier mal wieder einen Hammerfilm produziert, wo, ja Megan Foxes Äusseres eine Menge Gewicht hat, aber am Ende geht es darum, dass die Roboter alles in Schutt und Asche legen.
Das Militär ist doch eigentlich nur Kanonenfutter.
[Ich muß los, darum nur ganz kurz]:
Das sind sie eben nicht, nie gewesen. Transformers = Werbefilm (wie TopGun). Rambo = Verarbeitung des Vietnam-Traumas usw. usf. Fox ist ein Werbeträger, deren Funktion nicht im Stimulieren der männlichen Zuschauer aufhört, sondern dort erst anfängt. Das ist das Problem, nicht, daß S.ex sells" (das ist eh klar). Der Punkt ist, wofür der S.ex eingesetzt wird und wer da alles warum drauf anspringt. Wenn Du Dir bewußt bist, daß Du manipuliert werden sollst, ist ja alles ok! Viele sind das aber nicht, und auch an dem Punkt hat die öffentliche Meinung (hier: Frau Casati) eine Wächterfunktion (über den Stil kann man wieder streiten...)
"Leute wie Carpenter brauchen keine 23jährige, die sich vor wie hinter der Kamera wie Jenny-from-the-Neubaublock gibt, um 'nen guten Film zu machen. "
Mmh, welche hast du da gesehen?
Unsere momentane Situation?
Die hat sich nie geändert in der Hinsicht. Ob sich eine Marylin Monroe den Rock hochfegen lässt, oder eine Fox ihren Hintern auf dem Motorrad räkelt, es spricht immer die gleichen Sinne an und hat immer den gleichen Erfolg.
Ihr verklärt und interpretiert Anspruch in Dinge (und Zeiten), die nicht mehr haben und hatten.
Wohl gemerkt, es geht um reine Unterhaltungsfilme.
KOmmt auf den Anspruch an, würde ich sagen. Die Figur von Fox in Transformers, "Mikaela", wird von einem der fiesen Roboter selbst bezeichnet als " gut siehst Du ja aus, aber Du bist nicht besonders intelligent". Das soll Ironie sein, ist aber ein Armutszeugnis - Leute wie Carpenter brauchen keine 23jährige, die sich vor wie hinter der Kamera wie Jenny-from-the-Neubaublock gibt, um 'nen guten Film zu machen.
Aber hier gehts nicht um Film-, sondern um Stilkritik und da sagt die Beliebtheit von Frau Fox mehr über unseren momentanen Zustand aus, als alle Guantanamo-Untersuchungsberichte zusammen. Das darf man schon kritisieren, finde ich, es muß ja nicht jeder verstehen.
Paging