Von Werner Bartens

Kindersitze schützen gegen Unfall-Folgen - doch für schlafende Babys können sie lebensgefährlich sein.

Die Babys waren bereits blau angelaufen und schlaff in sich zusammengesackt. Einige schienen schon nicht mehr zu atmen. Die Eltern fanden sie gerade noch rechtzeitig, zwei der Kinder mussten sogar per Mund-zu-Mund-Beatmung gerettet werden.

Kindersitze können lebensgefährlich werden. (© Foto: AP)

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Vier Kinder waren mehrere Stunden lang schlaff und nicht ansprechbar. Außer ihrem lebensbedrohlichen Zustand hatten die Säuglinge gemeinsam, dass sie in Kinderautositzen eingeschlafen und unbeobachtet geblieben waren.

Ein Team von neuseeländischen Kinderärzten um Shirley Tonkin hat die Fälle untersucht und die gebeugte Kopfhaltung der Kinder in den Sitzen als Ursache für die dramatische Atemnot identifiziert.

Im Fachmagazin British Medical Journal berichten die Mediziner aus Auckland darüber, wie sie die Zwischenfälle nachgestellt haben.

"Kindersitze sind lebenswichtig, um vor schweren Verletzungen zu schützen", sagt Tonkin. "Die gebeugte Haltung in den Sitzen kann im Schlaf aber auch gefährlich werden."

Schlafende Kinder nicht unbeaufsichtigit lassen

Tonkin ist Mitglied einer Arbeitsgruppe, die den Hintergründen von plötzlichem Kindstod nachgeht.

Von 43 Kindern, die sie untersuchte, nachdem sie eine lebensbedrohliche Situationen überlebt hatten, waren neun zuvor in ihrem Autositz eingeschlafen und ohne Aufsicht geblieben. Um die Ereignisse zu rekonstruieren, ließen die Mediziner die Kinder in ihren gewohnten Kindersitzen schlafen.

Der Sitz entsprach der Größe der Kinder und die Kinder waren in dem Sitz auch richtig angeschnallt. Sofort nach dem Einschlafen sackte ihr Kopf nach vorne und der Unterkiefer presste sich auf den Brustkorb. "Durch diesen Druck wird die Einatmung erheblich behindert, zusätzlich verengen sich durch die gekrümmte Haltung die Atemwege im Rachen", schreiben die Autoren.

Die betroffenen Kinder waren jünger als sechs Monate. In diesem Alter funktioniert die Kopfkontrolle noch nicht richtig. Der verhältnismäßig große Hinterkopf der Babys führt dazu, dass ihr Kopf schnell nach vorne sackt. Diese Sitzhaltung engt die Atemwege der Kinder bereits stark ein. Zudem erschlaffen im Schlaf die Rachenmuskeln, wodurch die Luftzufuhr weiter eingeschränkt wird.

Die wichtigste Empfehlung für Eltern besteht darin, schlafende Kinder nicht unbeaufsichtigt im Sitz zurückzulassen. Dies bezieht sich nicht nur auf die Situation im Auto - viele Eltern tragen ihr Kleinkind im Sitz in die Wohnung und lassen es dort weiterschlafen.

Kindersitze, die mehr Platz für den Hinterkopf lassen, können verhindern, dass der Kopf nach vorne sackt. Zudem ist es wichtig, dass die Position der Kindersitze nicht zu aufrecht und nicht zu gebeugt eingestellt ist.

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(SZ vom 8.12.2006)