High Heels sind Trend. Einst als tragbare Sockel erfunden, erinnern sie heute eher an ein Fetisch-Spielzeug.
Man sagt, die Wahrheit über einen Menschen sei an seinem Schuhwerk abzulesen. Oberbekleidung, Frisur, Make-up, Augenaufschlag: All das kann über einen Abend hinweg immer wieder zurechtgerückt und erneuert werden. Doch ein Schuh, der lügt selten.
Sprinterinnen auf High-Heels - 'Stiletto Run' in Berlin (© Foto: dpa)
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Beschaffenheit, Material und Design erzählen Bände über den Besitzer. Am Zustand der Sohle kann man ablesen, wie viel Zeit auf den Beinen verbracht wurde. Bequeme Menschen werden kaum in engen Stöckelschuhen auftreten. Und wer große Aufmerksamkeit vermeiden will, wird sich niemals auf Zwölf-Zentimeter-Absätze schnallen. Bodenhaftung oder Höhenflug, Geiz oder Verschwendungssucht - all das verraten Schuhe, insbesondere bei Frauen.
Im Frühjahr 2007 war der Weg frei für einen Schuh namens "Tribute" aus dem Hause Yves Saint Laurent. Die erste Auflage war binnen wenigen Wochen vergriffen, trotz seines stolzen Preises von 660 US-Dollar und eines Absatzes von 14,5 Zentimetern Höhe. Der "Tribute" aus Wildleder, den es in den Farben Schwarz, Lila, Rot und Grün gab, ist längst ausverkauft, in Internet-Auktionen kommen diese Modelle für 1200 US-Dollar unter den Hammer. Selbst die Winterversion des "Tribute", aus geschorenem Kalb mit Lackrand, ist europaweit schon so gut wie ausverkauft - vereinzelt gibt es ihn noch, aber nur in den größeren Größen.
Der Schuh, den alle haben wollen, ist Stiletto, Mary-Jane-Sandale und Pump zugleich: vorne rund und hinten von einem mörderisch hohen, spitzen Absatz gestützt. Die Sohle unter dem Fußballen ist mit einem drei bis fünf Zentimeter dicken Plateau verstärkt, die Schuhkappe ist mit einem kleinen Loch für den großen Zeh, dem Peeptoe, versehen. Das Plateau erleichtert die Fortbewegung: Es mindert die Belastung für Knie und Fuß und ermöglicht stabiles Stehen, trotz des schmalen Absatzes. "Tribute" ist fast ein Wunder aus Design und Statik.
Optisch erinnert der Schuh eher ans Rotlichtmilieu als an Haute Couture. Celebrities wie Julianne Moore, Jennifer Lopez und Victoria Beckham scheint das nicht zu stören - sie alle trugen ihn schon. Auch die Designer würden ihre Kreationen nie als billig bezeichnen; sie nennen sie schlicht "tough".
Der Fuß der Frau wird seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts durch Schuhe in Szene gesetzt, mit viel handwerklichem Geschick und künstlerischer Phantasie. Warum das so ist, liegt auf der Hand: Auf einem hohen Absatz erscheinen die Beine länger, die Haltung wird aufrechter, der Gang federnder, die ganze Erscheinung wirkt überlegener.
Vorläufer waren die Ägypter
Der hohe Schuh ist kein modernes Phänomen: Die ersten Paare datieren weit vor Christi Geburt. Im alten Ägypten wurde nicht nur das Schuhmacherhandwerk erfunden, hier fanden auch die ersten Gehversuche auf erhöhten Sohlen statt. Ägyptische Metzger trugen Schuhe mit Absätzen, um nicht im Blut auf den Böden der Schlachthöfe zu waten.
1533 schritt Katharina de Medici, damals vierzehn Jahre jung, nach Jahren privilegierter Haft und zahlreichen politischen Intrigen, auf hohen Schuhen zum Traualtar. Sie wusste genau, dass sie keinem gängigen Schönheitsideal entsprach - sie war ausgesprochen klein und dürr -, und sich als zukünftige Monarchin auf anderem Wege Respekt verschaffen musste. Also ließ sie sich Absätze an ihre Schuhe schustern, um mit wahrer Größe in ihr hochkarätiges Ehebündnis mit Kronprinz Heinrich von Frankreich zu stöckeln. Ob es auf den Schuh zurückzuführen ist, dass aus der mickrigen Katharina de Medici Katharina "die Große", Königin von Frankreich, wurde, ist eher unwahrscheinlich. Sicher ist, dass sie als erste Frau erhöhte Schuhe zur Mode machte.
Der Schuh, den sich die junge Katharina anzog, ging später unter dem Namen "Chopine" in die Geschichte ein. Er war ein Mischwesen aus Schuh und Galosche, mit einem stelzenartigen Holzblock, der nicht nur die Ferse, sondern den ganzen Fuß erhöhte - quasi der erste Plateau der Schuhgeschichte.
Die gesellschaftliche Funktion der Frau war zu Zeiten Katharina de Medicis auf die der Gattin und Mutter beschränkt, womit man das Leben eines weiblichen Wesens höheren Standes in zwei Teile teilen konnte: Brautschau und Eheleben. Die Gesundheit der Füße stand dabei an zweiter Stelle. "Eine Prinzessin muss nicht gut zu Fuß sein", raunzt Aschenputtels Stiefmutter ihre heiratswütigen Töchter an. Einer royalen Hochzeit ein Stück Fuß zu opfern, sei demnach kaum der Rede wert. Wenig später sind die Zehen der einen und die Ferse der anderen Tochter abgehackt.
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"In Sofia Coppolas Pop-Kostümfilm "Marie Antoinette" von 2006 wird die dekadente Lust der jungen Königin an edlem Schuhwerk zelebriert: Im Ankleidezimmer von Hauptdarstellerin Kirsten Dunst stapeln sich Reihen eigens für den Film angefertigter Manolo-Blahnik-Pumps."
und mittendrin ein paar blaue Converse All Star ....
...mich beeindrucken ganz andere Dinge an einer Frau, als ein wackelnder Hintern. Z.b. Intelligenz, Eloquenz, Humor, ...
Und alle High-Heels Liebhaber mögen sich mal die Füsse einer Frau anschauen, die jahrelang High-Heels getragen hat. Stichwort "Halux vagus"! Ihhhhh!!! Von den anderen orthopädischen Problemen wie LWS-Syndrom, mal ganz abgesehen...
Nee, nee, für mich muß sich keine Frau derart quälen...
Und wer es toll findet, soll halt seine Gesundheit ruinieren, ist auch o.k....
Wenn man schon eingehend etwas zur Geschichte darstellt, muss es zwar nicht vollständig, aber wenigstens umfassend sein.
Ein Artikel, der die Entwicklung des Absatzes leider nur einseitig darstellt.
Die Darstellung ist in der Weise lückenhaft, dass sie die Entwicklungen von Herrenschuhen mit Absätzen nicht benennt. Herrenschuhe waren bereits im 18. Jahrhundert am französischen königlichen Hof mit Absätzen versehen. Des Weiteren fand in den 70ern und 80ern ein "Absatzboom" bei Herrenschuhen statt. Dass auf jüngeren Modeschauen nun wieder Herrenschuhe mit (höheren) Absätzen zu sehen sind, wird ebenso nicht genannt.