Von Christina Berndt

In Italien darf seit 2005 nicht mehr in der Öffentlichkeit geraucht werden, seitdem erleiden die Menschen dort weniger Infarkte.

Schon bald werden ihm die Menschen dankbar sein, da ist Bayerns Gesundheitsminister Otmar Bernhard von der CSU guten Mutes. Immerhin, so prophezeit er, werde das Rauchverbot allein in diesem Jahr tausend seiner Landsleute einen Herzinfarkt ersparen. Kritiker des Verbots hören es nicht gerne, aber der Minister hat wahrscheinlich noch heftig untertrieben.

Rauchverbot Italien; dpa

Bereits seit drei Jahren müssen in Italien Raucher draußen bleiben. (© Foto: dpa)

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Denn die erzwungene Enthaltsamkeit lohnt sich tatsächlich. Immer mehr wissenschaftliche Studien belegen das. "Es besteht kein Zweifel mehr daran, dass Rauchverbote die Zahl von Herzinfarkten und anderen Herzkreislauferkrankungen schon in kürzester Zeit senken", sagt Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum.

Zuletzt hat das eine große Untersuchung in Italien gezeigt. Bereits seit drei Jahren gilt dort das Rauchverbot, und es zeigt einen deutlichen Effekt: Von den 35- bis 64-jährigen Italienern wurden elf Prozent weniger von einem Infarkt ereilt, bei Personen zwischen 65 und 74 Jahren sank die Herzinfarktquote immerhin um acht Prozent. Noch älteren Leuten nützte das neue Gesetz allerdings nichts, berichten die Epidemiologen aus Rom.

Nichtraucher klar im Vorteil

"Das Rauchverbot in Italien hat einen wirklich positiven Effekt auf die Volksgesundheit'', sagt Francesco Forastiere aus der römischen Arbeitsgruppe. Den unterschiedlichen Einfluss auf die jeweiligen Altersgruppen erklären sich die Wissenschaftler wie folgt: "Die Älteren verbringen ohnehin mehr Zeit zu Hause als in öffentlichen Räumen, wo jetzt nicht mehr geraucht werden darf", sagen die Experten. "Deshalb profitieren sie nicht so sehr vom Rauchverbot."

Solch große Effekte sind also schon binnen kürzester Zeit erkennbar? Die Doktrin zum öffentlichen Nikotinverzicht scheint demnach als Gesundheitsmaßnahme nur von Turnvater Jahns Idee zum Freizeitsport übertrumpft zu werden.

Aber auch wenn es zunächst verblüffend anmutet: Ähnlich durchschlagende Effekte von Rauchverboten haben vor den Italienern schon Forscher aus anderen Ländern erkannt. So ist in Irland die Zahl der Herzinfarkte seit dem Rauchverbot im März 2004 um elf Prozent zurückgegangen. In Schottland waren es binnen zehn Monaten 17 Prozent, und in Frankreich 15 Prozent.

275000 Deutsche erleiden jedes Jahr einen Herzinfarkt, 150 000 überleben ihn nicht. Da deutsche Herzen auch nicht anders schlagen als die von Iren, Schotten und Franzosen, müsste das Rauchverbot demnach hierzulande in kürzester Zeit mindestens 30 000 Herzinfarkte verhindern. Bayern wäre mit 4500 dabei.

Der Erfolg der Gesetze sei gar nicht erstaunlich, sondern eine logische Konsequenz, sagt Martina Pötschke-Langer. Längst sei wissenschaftlich belegt, dass Tabakrauch auf das Herzkreislaufsystem zahlreiche Auswirkungen habe: Er macht das Blut zähflüssig, schädigt die Wände der Blutgefäße und steigert den Blutdruck.

Durch all das werde die Versorgung der Muskulatur mit Sauerstoff erheblich verschlechtert - auch die des Herzmuskels. "Bereits kurze Zeit nach der letzten Zigarette gibt es klare Vorteile, die klinisch messbar sind", sagt Pötschke-Langer. Günstige Effekte auf die Krebsrate seien dagegen erst nach langen Jahren zu erwarten.

Eine allgemeine Akzeptanz des Rauchverbots werden diese Erkenntnisse wohl dennoch nicht bewirken. Schließlich wissen die allermeisten Raucher längst um die Gefahren des Tabakkonsums. Doch 70 Prozent von ihnen fangen sogar nach einem Herzinfarkt wieder mit dem Rauchen an, selbst mit Lungenkrebs sind es noch 40 Prozent.

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(SZ vom 19./20.4.2008)