Puma: weg mit dem Karton Der gebeutelte Schuh

Öko ist gut fürs Geschäft: Puma will künftig auf Schuhkartons verzichten und setzt auf Beutel. Ob die neue Verpackung der Natur zugutekommt, ist fraglich.

Von Violetta Simon

Schuhkartons sind schon was Praktisches. Mal abgesehen davon, dass man Schuhe in ihnen aufbewahren und bis an die Decke stapeln kann (Profi-Shopper befestigen ein Polaroid-Foto vom Inhalt an der Vorderseite), eignen sie sich hervorragend dazu, allerlei Krimskrams darin zu versenken. Umso besser, wenn auf der Pappschachtel das Logo eines begehrten Labels prangt und den Besitzer als Trendsetter auszeichnet.

Ein weißer Puma wird dort künftig aber wohl nicht mehr zu sehen sein: Wer sich ab Mitte nächsten Jahres ein Paar Puma-Schuhe zulegt, bekommt sein Produkt in einem roten Beutel mit der Aufschrift "clever little bag" über den Ladentisch gereicht. Das Unternehmen will sich der Natur zuliebe bis zum nächsten Jahr vom traditionellen Schuhkarton verabschieden. Auch Kunststoff-Verpackungen und Plastiktüten sollen der Vergangenheit angehören.

Das neue Verpackungs- und Vertriebskonzept, das von den Herzogenaurachern im Designmuseum in London vorgestellt wurde, sieht vor, gekaufte Artikel in Boxen und Tüten aus biologisch abbaubarer Maisstärke zu verpacken und den Anteil an recycelten Materialien zu erhöhen.

Um die Schuhe weiterhin sachgemäß von der Produktionsstätte bis zum Kauf vor Beschädigung zu bewahren, entwarf der Industriedesigner Yves Béhar die wiederverwendbare Schuhtasche. Ganz ohne Karton kommt die Idee aber doch nicht aus: Statt eines handelsüblichen kompakten Kartons mit Deckel befindet sich darin nun ein Pappgerüst, das die Schuhe zum einen schützt und zum anderen stapelbar macht.

Hat der Kunde den Schuh gekauft, kann er selber entscheiden, ob er die komplette Doppel-Verpackung mitnimmt oder das Pappgerüst im Laden lässt und sich mit dem roten Beutel begnügt. Diesen kann er dann später auch bei anderen Gelegenheiten als Tragetasche verwenden.

Von wegen: Jute statt Plastik

Alles Jute statt Plastik? Von wegen. Der rote "clevere" Schuhbeutel ist alles andere als organisch. Er besteht aus Polypropylen, also Kunststoff. Doch angeblich ist der Anteil an wiederverwertetem Material im Vergleich zu einer herkömmlichen Plastiktüte aus Polyethylen höher. "Wir wollen weg von Tüten, die aus Öl hergestellt werden", sagt Rainer Hengstmann, zuständig für den Bereich Umwelt und Soziales. "Der Anteil an recyceltem Polypropylen soll erhöht und die Beutel in den Wertstoffkreislauf geleitet werden."

Textilien wie T-Shirts et cetera werden hingegen in Beuteln aus biologisch abbaubarer Maisstärke verpackt und dürfen im konventionellen Hausmüll entsorgt werden. Die Umstellung ist nicht zuletzt eine Reaktion auf die Tatsache, dass herkömmliche Plastiktüten aus umweltschädlichem Polyethylen in naher Zukunft verschwinden werden, weil sie in immer mehr Ländern verboten sind.

Wie das weltweit drittgrößte Sportartikel-Unternehmen bei seiner Präsentation bekanntgab, spare das neue Verpackungskonzept jährlich 8500 Tonnen, also 65 Prozent der Kartonverpackung, und bis zu 275 Tonnen Plastiktaschen ein. Der Konzern rechnet mit einer Reduzierung von mehr als 60 Prozent bei Papier, Wasser und Energie.

Der Öko-Puma

Auch sonst gibt sich Puma umweltbewusst: Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen bereits angekündigt, den CO2-Ausstoß zu reduzieren und wechselte zum Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick, der zu 100 Prozent erneuerbare Energien liefert. Seit Oktober 2009 betreibt Puma nun die Firmenzentrale in Herzogenaurach, das Logistik-Zentrum in Schlüsselfeld sowie drei Stores in Deutschland mit Ökostrom.

Puma-Chef Jochen Zeitz betonte, dass die neue Verpackung mehr sei als nur Werbung für ein grünes Image. "Für uns sind Umweltschutz und Nachhaltigkeit Teil unserer Unternehmensphilosophie und Marken-DNA und kein Marketing-Gag", sagte Zeitz in einem Interview mit der FTD und kündigte an, dass bis zum Jahr 2015 die Hälfte der gesamten Kollektion zu mindestens 50 Prozent aus umweltfreundlichen, nachhaltigen Materialien bestehen werde. So stammt die Baumwolle, die das Unternehmen verarbeitet, zum Teil aus der Initiative "Cotton made in Africa".

Auch der Umweltexperte bei Puma, Rainer Hengstmann, versichert: "Greenwashing ist das letzte, was wir wollen. Deshalb haben wir mittels eines Lifecycle-Assessments die Vor- und Nachteile der Verpackunssysteme geklärt. Darauf begründen sich unsere Aussagen." Das letzte Wort sei sicher noch nicht gesprochen, aber die jetzige Lösung, sei sicher "die bestmögliche".

Die dabei anfallenden Kosten muss der Kunde angeblich nicht mittragen: "Wir investieren in Nachhaltigkeit", sagte Puma-Sprecher Ulf Santjer. "Das wird sich auf Dauer auszahlen."

Wem rote Polypropylenbeutel und Tüten aus Maisstärke nicht gefallen, hat noch eine andere Alternative: Entweder er zieht die neu erstandenen Schuhe gleich an. Oder er kauft sich eine der schicken Sporttaschen dazu, die Puma im Sortiment hat. Dann hätte sich die neue Verpackungspolitik für den Konzern in jedem Fall gelohnt. Öko ist eben doch gut fürs Geschäft.