Patienten und Ärzte müssen umdenken: Wenn Frauen unter Unterleibsschmerzen leiden, sind die Beschwerden oft psychischer Natur. Reden hilft da oft mehr als operieren.
Als sie 14 Jahre alt war, begannen die Schmerzen. Zuerst nur während der Monatsblutung, später auch in den Tagen dazwischen.
Der Unterleib schmerzt. Doch oft helfen dagegen keine Operationen. (© Foto: ddp)
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Mit 18 wurde Tanja M. deshalb zum ersten Mal operiert: Sie bekam eine Bauchspiegelung, bei der die Ärzte Verwachsungen im Unterbauch und eine Entzündung der Eierstöcke feststellten. Trotz Antibiotika und der Pille litt Tanja M. weiter unter Schmerzen.
An ihrem 20. Geburtstag folgte die zweite Operation. Wieder besserten sich ihre Beschwerden danach nicht, wurden sogar schlimmer. So schlimm, dass sich die junge Frau im Alter von 21 Jahren die Gebärmutter entfernen lassen wollte.
Ihr Frauenarzt verweigerte ihren Wunsch mit der Begründung, bei so jungen Patientinnen ohne Kinder sei dies unethisch. Mit 24 fand Tanja M. schließlich eine Klinik, die ihren Wunsch erfüllte.
Zwei Jahre später entnahmen die Ärzte ihr dort auch die Eierstöcke. Bis zum 30. Lebensjahr folgten fünf weitere Bauchspiegelungen und zwei größere Operationen, um die zunehmenden Verwachsungen in ihrem Unterbauch zu beseitigen. Die Schmerzen blieben. Doch eine psychotherapeutische Behandlung, die Tanja M. von ihrem inzwischen achten Frauenarzt nahegelegt wurde, lehnte sie ab.
Zehn bis fünfzehn Prozent aller Patientinnen, die einen Frauenarzt aufsuchen, leiden wie Tanja M. unter chronischen Schmerzen im Unterbauch. Das Krankheitsbild, der "chronische Unterbauchschmerz", ist definiert als ein Schmerzzustand, der über sechs Monate anhält oder immer wiederkehrt und unabhängig vom Menstruationszyklus oder Geschlechtsverkehr auftritt.
Erwartungen werden häufig enttäuscht
Nach den Ursachen wird meist zuerst auf dem OP-Tisch gesucht: Ein Drittel aller Bauchspiegelungen wird aufgrund chronischer Unterbauchschmerzen vorgenommen.
"Besonders auf den ersten Eingriff setzen die Frauen große Hoffnungen", berichtete Friederike Siedentopf von der Berliner DRK-Frauenklinik vor kurzem auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe in München.
Doch diese Erwartungen werden häufig enttäuscht. Zwar finden die Operateure oft Veränderungen, die womöglich die Schmerzen hervorrufen: Bei etwa einem Drittel zeigen sich Endometriosen, Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut, bei einem weiteren Drittel Verwachsungen.
Etwas seltener sind Eierstock-Zysten oder gutartige Tumoren der Gebärmuttermuskeln. Doch selbst wenn diese Veränderungen entfernt werden, bessert sich der Zustand der Patientin nach der Operation nicht immer.
Lassen die Schmerzen nur für kurze Zeit nach oder bleiben unverändert, wird oft erneut zum Messer gegriffen. Doch bei jedem Eingriff entstehen neue Verwachsungen, die wieder Schmerzen verursachen können und in weiteren Eingriffen gelöst werden müssen. Neue Verwachsungen sind die Folge: Ein Teufelskreis aus Schmerz und Operation.
Wie nutzlos der chirurgische Eingriff häufig ist, zeigt eine amerikanische Studie an hundert Patientinnen, die sich aufgrund chronischer Unterbauchschmerzen einer Bauchspiegelung unterzogen hatten. Bei der Hälfte von ihnen wurden Verwachsungen gelöst, bei der anderen Hälfte beschränkten sich die Ärzte darauf, die Unterbauchorgane zu inspizieren.
Ein Jahr später berichteten alle Frauen über weniger Schmerzen - auch die, bei denen die Ärzte aus dem Bauch nichts entfernt hatten. Offensichtlich hatte schon die Tatsache, operiert worden zu sein, ihre Beschwerden vermindert.
An den großen deutschen Frauenkliniken wird deshalb bei jungen Frauen nicht mehr die Gebärmutter entfernt, wenn kein anderer Grund außer Schmerzen vorliegt. Studien haben gezeigt, dass die Symptome nach durchschnittlich einem Jahr wiederkehren. Selbst die Durchtrennung ganzer Nervengeflechte bescherte den Frauen keine dauerhafte Schmerzfreiheit.
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Endgültiger DFB-Kader für EM
Ich arbeite seit 20 Jahren in Krankenhäusern und habe dabei verschiedene Abteilungen mit verschiedenen Behandlungschwerpunkten der "Körpermedizin" hautnah miterlebt.
Seit nunmehr sieben Jahren bin ich in einer Einrichtung für stationäre, psychosomatische Medizin und Psychotherapie tätig.
Aufgrund dieses gründlichen Eindrucks den ich in diesen Jahren gewinnen konnte, weiß ich, dass unsere "Körpermedizin" deutliche Grenzen hat. Diese Grenzen werden nicht nur durch ökonomische Zwänge immer enger, sondern vor allem durch ein einseitiges Verständnis des menschlichen Individuums durch die Medizin.
Die Dunkelziffer für Patienten die von ärzten wegen unklarer körperlicher Beschwerden behandelt und verschlimmbessert werden, liegt deutlich höher als es die Patientenzahlen in Psychosomatiken und Psychatrien vermuten lassen.
Verantwortlich dafür zeichnt sich einen Medizin, die - wie im Artikel bereits angesprochen - schon in der Ausbildung kaum psycho - somatische Zusammenhänge vermittelt. Hinzu kommen überforderte ärtze, die keine Zeit haben sich mit den Patienten auseinaderzusetzen.
Kurzfristig gesehen ist Psychotherapie eben auch teuer und lässt sich nicht wie die Apparatemedizin oder pharmakologische Behandlung einfach auf das Ursache-Wirkung-Prinzip reduzieren.
eine wichtige Rolle spielt auch die Angst der meisten Menschen vor Psychotherapie, schnell kommt das Gefühl auf "bekloppt" zu sein.
Langfristig wir unsere Medizin jedoch nicht darum herum kommen einen ganzheitlichen Blick auf ihre "Kundschaft" zu bekommen.
Dabei bietet die Psyhosomatische Medizin einen guten Ansatz um den Patienten ganzheitlicher zu verstehen.
Aber letztlich steckt auch diese Medizin wie unsere gute alte Schulmedizin im Grunde immer noch in den Kinderschuhen.
Vielleicht werden wir irgendwann mehr Einblick in den Körper - Seele Zusammenhang bekommen, Voraussetzung dafür wird aber sein, dass wir die Angst davor verlieren auch "Psycho" zu sein. Wir sind es nämlich alle, auch wenn kaum einer genauer hinsieht.
Schönen Abend.
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Sofern es KEINE physiognomischen Symptome gibt, kann ein mündiger Patient mit der Diagnose psychosomatischer Erkrankung leben.
Meist gibt es aber Einzelanzeichen für körperliche Erkrankungen.
Meiner Meinung nach ist dann zumeist die Phantasie der ärzteschaft nicht groß genug um von diesem Syptomen in einem Transmissionsrahmen auf die andere Schmerzen zu schließen.
Gewisse Dinge lassen sich bei jedem Menschen befunden, da jeder Mensch existenziell dadurch konstituiert ist.
So nutzt es wenig weniger Stress, mehr Beruhigung zu verordnen, wenn eine chronische Tachykarie oder Hypertonie zu konstatieren ist.
Dann muss eben nach möglichen physischen Ursachen gesucht werden, immer häufiger lese ich vom Abschieben auf die Patientenpsyche.
Dass ich nicht missverstanden werde: Ganz sicher ist das Leib-Seele-Problem auch vom heutigen modernen Menschen nicht zu lösen.
Trotzdem darf es zu keinem Abschieben kommen.
Einige Pauschaldesiderate seien mir noch gestattet:
stärkere Durchdringung von Vorsorgeuntersuchungen, finanzielle Anreize zur Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen, finanzielle Anreige zur änderung von gesundheitsschädigenden Lebensweisen, stärkerer Druck (im Sinne der beiden vorigen Punkte) auf junge Menschen, Enlastung der finanziellen Aufwendungen zur Sicherung und Stabilisierung der Altenleistungen verwenden, Gesundheits"erziehung" in Schulen, Schaffung eines Mündigen und wissenden Patienten.
So weit.
Mit freundlichen Grüßen
Diemo Schaller
Sowas lässt sich aber nicht festlegen.
Den einen juckt nichtmal wenn seine ganze Familie stirbt.
Der nächste trägt ein schweres Trauma davon, weil seine Freundin mit ihm schluss macht.
Psychosomatische Krankheiten werden eben nicht als solche erkannt bzw. diagnostiziert, solange nicht noch die geringste andere möglichkeit besteht.
Es ist nicht so das jetzt die halbe Belegschaft einer Firma krank melden kann, weil ein Arzt bei ihnen Psychosomatische-Störungen festgestellt hat?
Hmm, wie viele Menschen leiden NICHT unter Stress, Beziehungs- oder Familienproblemen etc.? Das Problem bei der Diagnose "psychosomatisch" ist eben, dass man bei jedem Menschen einen moeglichen Ausloeser findet. Da muss man bei der Analyse der Daten schon sehr genau vorgehen, um besondere von "normalen" Umstaenden zu unterscheiden.