Von Ulrike Bretz

Eine Studie zeigt: Die Deutschen halten sich für gute Schenker. Vor allem Frauen und junge Menschen meinen zu wissen, was der andere sich wünscht. Und das hat einen Grund.

Jedes Jahr dasselbe Theater: Da sitzt die Familie endlich einig unterm Baum, die Kerzen brennen, die Engel singen, man reißt das Papier von den Gaben - und hält schon wieder das Parfum in der Hand, das man schon im vergangenen Jahr nicht riechen konnte. Kann gut sein, dass das unerwünschte Geschenk von einem älteren Herrn stammt, der es doch eigentlich gut meinte: Eine Umfrage von Innofact unter mehr als 1000 Deutschen hat ergeben, dass es älteren Menschen schwerer fällt als jungen, das richtige Geschenk zu finden, und Männer sich weniger Gedanken über die Wünsche anderer machen, als Frauen.

Geschenk; iStockphotos

Mann sollte man sein - dann gibt's von der Liebsten immer schöne Geschenke. (© Foto: iStockphotos)

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Schade eigentlich - denn insgesamt halten sich die Deutschen für gute Schenker. Vor allem Frauen sind von ihrer eigenen Schenkfähigkeiten überzeugt. 70 Prozent der Befragten würden sich dafür die Schulnote zwei geben, während nicht mal jeder zweite Mann sich für einen guter Schenker hält. Einfach machen es sich die Frauen aber nicht: Nur 27 Prozent der Frauen sagen, es falle ihnen leicht, eine passende Gabe zu finden. Die Männer geben sich weniger Mühe - 44 Prozent der Befragten gehen den Geschenkekauf ganz gelassen an und setzen sich nicht unter Druck.

Offenbar finden es Männer ganz in Ordnung, im letzten Moment noch schnell ins Kaufhaus zu rennen und Parfum oder Schmuck zu kaufen, ohne lange zu überlegen. Frauen hingegen haben den Anspruch, die Herzenswünsche ihrer Liebsten zu erfüllen. Das hat Gründe, sagt der Münchner Psychologe und Familientherapeut Peter M. Wiblishauser: "Frauen haben einen höheren Empathiefaktor", sagt er. "Sie sind einfach besser darin, sich in andere hineinzuversetzen."

Frauen machten sich schon lange vor Weihnachten Gedanken darüber, was dem anderen wohl gefallen könnte und hielten die Augen das ganze Jahr über offen. Viele Männer hingegen seien nicht geübt im Schenken. "Sie denken oft: Wenn mir das gefällt, wird es ihr auch gefallen", sagt Wiblishauser.

Und so brechen unterm Weihnachtsbaum oftmals Konflikte auf, die in der Partnerschaft schon länger bestehen: "Das Gefühl, dass sich der eine vom anderen nicht verstanden fühlt, kann sich über die Geschenke ausdrücken", sagt der Psychologe. Der eine wirft dem anderen vor, sich keine Mühe gegeben zu haben. Statt einem friedlichen Weihnachtsfest erleben viele Paare ein Fiasko. "Wer an den Festtagen plötzlich viel mehr Zeit miteinander verbringt als im Alltag, hat auch mehr Zeit, die Beziehung zu reflektieren - und zu streiten", sagt Wiblishauser. In einem hübsch verpackten Weihnachtsgeschenk können also allerhand Konflikte stecken.

Besonders ältere Menschen haben Schwierigkeiten beim Geschenkekauf: Sie sind oft verunsichert, ob das Geschenk wirklich gut ankommt. "Sie haben den Anspruch, dass die Gabe einen bleibenden Wert hat", sagt Wiblishauser. Das würde erklären, warum die Schwiegermutter ihre Lieben jedes Jahr mit wertvollen Hummel-Figuren beglückt, statt das gute Geld in einen Gutschein für eine Ayurveda-Massage zu investieren.

Jüngere Menschen haben laut der Studie meist den richtigen Riecher, wenn sie Geschenke für Altersgenossen aussuchen. Dass der Kumpel sich über eine DVD mit dem Live-Konzert seiner Lieblingsband freuen würde, weiß er längst. Und falls er doch daneben liegen sollte, würde der Freund die DVD wohl einfach umtauschen und sich seinen Wunsch selbst erfüllen: "Unter jüngeren Menschen gelten weniger Regeln - sie sind oft viel unkomplizierter," sagt Wiblishauser.

Ein Fettnäpfchen sollte man beim Schenken also tunlichst vermeiden: "Es sollte nicht rüberkommen, dass man sich beim Aussuchen zu wenig Gedanken gemacht hat," sagt Wiblishauser. Nur in Ausnahmefällen - etwa bei ganz kurzfristigen Einladungen - genüge die Geste. Ansonsten sollte man sich Zeit nehmen, um zu überlegen, was dem anderen wirklich gefällt. Weihnachten ist schließlich nur einmal im Jahr.

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(sueddeutsche.de/bre/vs/bgr)