Fast jedes dritte junge Mädchen im Alter zwischen elf und 17 Jahren zeigt offenbar Anzeichen einer Essstörung. Damit steigt auch das Risiko für Magersucht.

Zwar gehören die Deutschen mit zu den dicksten Menschen der Welt. Bei vielen Jugendlichen jedoch geht das Problem gerade in die andere Richtung:

Magersucht

(© Foto: iStock)

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Fast jedes dritte Mädchen im Alter zwischen 11 und 17 Jahren zeigt Anzeichen einer Essstörung, warnen Experten des Uniklinikums Tübingen. Und die gefährlichste Form, die Magersucht, kann wegen der Mangel- und Fehlerernährung der Betroffenen zum Tode führen.

Mit einer groß angelegten Studie wollen die Forscher herausfinden, welche Therapie Magersüchtigen am besten helfen kann.

Magersucht oder Anorexia nervosa ist nur schwer behandelbar, lediglich 30 bis 50 Prozent der Betroffenen werden vollständig geheilt, 20 Prozent entwickeln eine chronische Form, teilweise mit schwersten körperlichen und psychischen Komplikationen, bis zu 20 Prozent sterben an den Folgen. Magersucht tritt sehr selten auf, 0,7 Prozent der Mädchen und 0,1 Prozent der Jungen leiden daran.

Unauffälliger Krankheitsbeginn

Eine Magersucht beginnt manchmal sehr unauffällig, die Symptome werden vom Umfeld der Betroffenen kaum als Zeichen einer Krankheit interpretiert. So verlängern sie eine Diät immer wieder, essen extrem langsam und nur noch kalorienarm und/oder fleischlos. Schließlich werden Appetitzügler, Entwässerungsmittel und Abführmittel eingenommen.

Die Patienten vermeiden gemeinsame Mahlzeiten und gönnen sich nicht nur beim Essen immer weniger Luxus, während sie körperlich extrem aktiv sind.

Auffällig wird die Krankheit, wenn das Körpergewicht der Betroffenen extrem sinkt. Als Anorektiker gilt, dessen Gewicht mindestens 15 Prozent unter dem Normalgewicht liegt. Es kommt jedoch vor, dass die Patienten nur noch die Hälfte ihres ursprünglichen Gewichts auf die Waage bringen. Häufig kommt es innerhalb weniger Monate zu großen Gewichtsverlusten.

Und aufgrund der Körperschemastörung, die diese Krankheit charakterisiert, halten sich die Betroffenen trotzdem noch für zu dick.

Das starke Abnehmen hat zahlreiche schwere körperliche Auswirkungen. Bei Frauen bleibt die Menstruation aus, die Haut wird trocken, die Haare fallen aus, es kommt zu Veränderungen im Hormon-Haushalt, Herz-Rhythmusstörungen, einem Absinken des Blutdrucks sowie Nieren- und Magen-Darm-Problemen. Besonders gravierend sind der Mitteilung zufolge die auftretenden Veränderungen im Elektrolyt-Haushalt.

Zur Panik vor einer Gewichts-Zunahme können häufig noch Depressionen kommen. Die Patienten ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld zurück, das häufig kein Verständnis für den Betroffenen zeigt.

Zu den Erfolg versprechendsten Therapien gehört die kognitive Verhaltenstherapie, die auf die Normalisierung des Essverhaltens und begleitender Probleme wie mangelnder sozialer Kompetenzen oder geringe Konflikt- und Problemlösefähigkeiten zielt, wie die Wissenschaftler mitteilten.

Eine andere Methode, die fokale psychodynamische Psychotherapie, konzentriert sich den Angaben zufolge unter anderem auf Beeinträchtigungen in der Emotionsverarbeitung.

Die tübinger Wissenschaftler wollen in ihrer Studie mit 237 Patienten, die zehn Monate lang unter anderem 40 ambulante Einzelsitzungen absolvieren sollen, die Wirksamkeit der beiden Ansätze im Vergleich der üblichen Standardbehandlung zeigen.

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(sueddeutsche.de/AP)