Pseudowissenschaftliche Angebote Grüne fordern Verbot von Therapien für Homosexuelle

Christlich-fundamentalistische Gruppen wollen Homosexuelle mit pseudowissenschaftlichen Therapien "heilen". Dagegen wollen die Grünen nun vorgehen - und warnen vor sozialer Isolation und Depressionen.

Von Christopher Pramstaller

"Du Jammerfritze, schnappe dir einen Teller mit Glasscherben und friss sie auf, aber schnell!" Die Zeile stammt aus dem 1985 erschienenen Buch Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen von Gerard J. M. van den Aardweg, einem niederländischen Psychologen und Psychoanalytiker, der sich vor allem mit Homosexualität beschäftigt. 20 Jahre arbeite er mit Schwulen und Lesben und postulierte anschließend einen "Selbstmitleidsmechanismus" bei vielen Homosexuellen. Er war sich sicher: Homosexualität ist eine Krankheit, die man heilen kann. Eine seiner vorgeschlagenen Methode: "Durchprügeln" und eine Art verbaler Selbstgeißelung.

Auch in Deutschland gibt es Gruppen, die mit pseudowissenschaftlichen Methoden versuchen, Homosexualität als Krankheit darzustellen und Therapieangebote offerieren. Eine krude Idee.

"Erhebliches, gesundheitliches Risiko"

Bereits im Jahr 1974 wurde Homosexualität von der amerikanischen Psychiatervereinigung aus ihrem Diagnoseklassifikationssystem gestrichen; 1992 wurde sie auch aus dem Diagnosekatalog der Weltgesundheitsorganisation entfernt.

Grund genug, solche Thearpien endgültig zu verbieten. Dafür wollen sich die Grünen nun einsetzen. Diese würden nicht nur nichts bewirken, "sondern haben vor allem ein erhebliches, gesundheitliches Risiko", sagte der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, der Saarbrücker Zeitung.

"Es gibt in Deutschland zahlreiche Angebote aus der religiös-fundamentalen Ecke, die vorgeben, Homosexuelle von ihrer Orientierung heilen zu können", sagte Beck. In diesen Kreisen werde oftmals Druck auf Jugendliche ausgeübt, sich solchen Programmen zu stellen. Wenigstens Kinder und Jugendliche müssten davor geschützt werden, betont der bekennend homosecuelle Politiker.