Protest mit Design Nein zum Toasterkapitalismus!

Der Brite Freddie Yauner will mit Super-Toastern und Turbo-Uhren den Konsumwahn kritisieren.

Von Titus Arnu

Ein guter Toaster sollte Brotscheiben genau so lange rösten, bis sie goldbraun sind. Er sollte das Brot rechtzeitig auswerfen, damit es nicht verbrennt, und dabei sollte der Toast möglichst nicht so weit fliegen, dass er womöglich auf dem Boden landet. Aber ein guter Toaster war nicht gut genug für Freddie Yauner. Er wollte den besten Toaster der Welt bauen.

Alle Toasts fliegen hoooooch! Der "Moaster" von Freddie Yauner ist der "highest popping toaster" der Welt. Zu sehen unter der Lupe ...

(Foto: Foto: arnu)

Der 27-jährige Designer aus London zeichnete, schraubte und lötete ein paar Wochen lang herum, dann war das Ding fertig.

Das Gerät heißt "Moaster", und es kann Toastscheiben raketenartig in die Luft katapultieren. Die Scheiben werden nicht wie bei einem handelsüblichen Gerät von Drahtfedern mit dem toastertypischen Klacken in die Höhe geschoben, sondern mit Hilfe von Gaspatronen aus dem Apparat geschossen.

An der Wand von Freddie Yauners Apartment im Londoner Stadtteil Camden Town hängt nun ein Zertifikat, ausgestellt vom Guinness-Buch der Rekorde. Yauners Eigenbaugerät gilt offiziell als "highest popping toaster" der Welt.

Hyperreale Produkte

Beim Weltrekordversuch wurden 2,60 Meter gemessen, aber nur weil die Toastscheiben von der Decke des Guinness-Büros in London gestoppt wurden. Bei Freilandversuchen erreichten die Toasts sechs Meter Höhe. Das ist extrem innovativ und technisch hochinteressant, aber was soll das?

"Because we can", sagt Freddie Yauner, "weil es eben möglich ist" - und versichert sofort, er habe diesen Slogan lange vor Barack Obamas Wahlkampfmanagern erfunden. Es sei der Werbespruch seiner Firma, die lauter absurd erscheinende Rekord-Produkte herstellt - die genaueste Digitaluhr der Welt etwa, die auch Millionstel Sekunden anzeigt, den längsten Lippenstift der Welt oder das genaueste Tagebuch der Welt. Man könne das als Kommentar zur Konsumgesellschaft verstehen, erklärt der Erfinder.

Dabei ist Freddie Yauner, der früher einen Laden mit selbstentworfenen T-Shirts betrieb, selbst ein Design- und Konsumfetischist. In seiner Wohnung stehen vier Computer, auf seinem Schreibtisch liegen drei Mobiltelefone, und gerade ist er dabei, eine Webcam zu installieren, die ihn beim Tee trinken zeigen wird - oder beim Entwerfen des nächsten "hyperrealen Produktes", wie er seine eigentlich nutzlosen Geräte nennt.

Yauner sieht mit seinen wirren roten Locken so aus wie ein verschrobener britischer Tüftler, er benimmt sich wie ein verschrobener britischer Tüftler, er redet wie ein verschrobener britischer Tüftler - aber er ist absolut kein Spinner, der aus Langeweile oder Wahnsinn nutzlosen Krempel zusammenbaut. Seine Werke werden in Design-Museen ausgestellt, er arbeitet an einem Kunstkonzept für die Olympischen Spiele in London mit, er unterrichtet Design am renommierten Royal College of Art.

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