von Charlotte Frank

Für viele Prominente ist es ganz selbstverständlich, auch ihre Kinder in den Medien zu vermarkten. Eine Geschmacksfrage.

Es war abzusehen, dass das Ganze in einer RTL-Soap enden musste. Welche Kulisse hätte sich wohl besser in diese Karriere gefügt, die mit einem Auftritt auf der Kindermodenmesse in Florenz begann und dann in einen Werbevertrag für Kleinmädchen-Nagellack mündete?

Die kleinen Goldschätzchen

Von Geburt an öffentlich: Caspar, Suri und Anna. (© Fotos: dpa)

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Keine Frage: Die Gastrolle in der Seifenoper "Alles was zählt" war der siebenjährigen Boris-Becker-Tochter Anna Ermakowa auf den Leib geschneidert. 160 Sekunden lang durften Zuschauer vergangene Woche verfolgen, wie sie kulleräugig in die Kamera stierte und Hauptsatz um Hauptsatz von sich gab. Bild feierte Anna daraufhin als "Fernseh-Star", die PR war perfekt, und Angela Ermakowa, die Mutter des profitablen Goldkindes, jubelte.

Beckers Ex-Geliebte ist vielleicht eine besonders geschäftstüchtige, aber bei weitem nicht die erste Mutter, die ihr Kind gezielt in den Medien vermarktet. Kaum dem Kreißsaal entkommen, schob Verona Pooth, vormals Feldbusch, schon ihren Sohn San Diego durch den Werbefilm eines Telefonanbieters.

Schauspielerin Susanna Wellenbrink, bekannt aus Serien wie "Eine glückliche Familie" und "Marienhof" und einst mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet, präsentierte ihre Tochter Mia-Sophie als "Fruchtalarm"-brüllende Nervensäge in einer Joghurtreklame. Anschließend stimmte sie sogar der Verwurstung des gelispelten Unfugs in einem Techno-Song zu.

Geht es den betuchten Stars wirklich ums Geld, das sich mit ihren kleinen Schätzen verdienen lässt? "Der Marktwert von Prominentenkindern ist deutlich höher als bei unseren vielen Jessicas und Kevins", bestätigt jedenfalls Valeria Mezei, Chefin der Kindermodelagentur Boys and Girls in Hamburg. Dennoch hat sie die Erfahrung gemacht: "Die Gage ist in diesen Fällen zweitrangig." Vielmehr glaubt Mezei an das Phänomen der "Eislauf-Mütter", die den eigenen Ehrgeiz auf ihre Söhne und Töchter projizieren. Da sei es gut, dass Kinder rein rechtlich höchstens 30 Tage im Jahr arbeiten dürften. "Manchmal muss man sie geradezu vor ihren Eltern schützen."

Wenn der eigene Ruhm verblasst

Tatsächlich liegt es in Deutschland allein an den Erziehungsberechtigten, ob der Nachwuchs der Öffentlichkeit präsentiert wird oder nicht. "Kinder dürfen grundsätzlich nur mit Einwilligung ihrer Eltern abgebildet werden", sagt der Hamburger Anwalt Matthias Prinz, der Mandanten wie Caroline von Monaco und die schwedische Königsfamilie vertritt.

Eine Ausnahme gelte nur, wenn Kinder bei offiziellen Ereignissen quasi im "Pflichtenkreis ihrer Eltern" auftreten. Dies wäre der Fall, wenn Claudia Schiffer mit Caspar über den roten Teppich defiliert, nicht aber, wenn sie mit ihm im Supermarkt Schokolade kauft. Nach zwei gerichtlichen Grundsatzentscheidungen können Eltern die Vermarktung ihrer Kinder also durchaus verhindern.

Dass sie das oft nicht tun, veranlasst den Psychiater Mario Gmür dazu, von "Instrumentalisierung und Missbrauch" zu sprechen. "Mütter und Väter, deren Ruhm nicht gesichert ist oder seinen Zenit überschritten hat, benutzen ihren Nachwuchs, um länger im Rampenlicht zu stehen", sagt der Autor des Buchs "Das Medienopfersyndrom".

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