Prominente zur Gleichberechtigung Wir Männer, die Feministen

Von Links: Gregor Gysi; Cristoph Biemann; Fettes Brot.

(Foto: dpa; afp; Collage Jessy Asmus/SZ.de)

Die meisten haben abgesagt, am Ende wollten doch ein paar reden: Fettes Brot, Gregor Gysi und andere Prominente erzählen, warum sie Feministen sind - oder zumindest fast.

Von Benedikt Peters

Die Ausreden waren stets ähnlich. Das Handy klingelt, der Presseagent ruft an. Der bekannte Moderator, den er vertritt, sei natürlich für Feminismus. Er könne das aber leider nicht offen sagen, das würde dann nur falsch verstanden werden. Er müsse ja auch an die Zuschauerquoten denken.

Die Süddeutsche Zeitung hat mehr als 50 bekannte Männer gefragt, ob sie sich als Feministen bezeichnen und das öffentlich auch so sagen würden: Schauspieler, Politiker, Musiker, Autoren, Philosophen.

Das Interessante: Die meisten sagten nicht ab, weil sie den Begriff ablehnen. Sondern weil sie sich nicht öffentlich als Feminist bezeichnen wollten. Andere Männer hatten keine Zeit: Die nächsten Dreharbeiten, das neue Album oder Buch, Termine im Ausland. Nur zehn Minuten, am Telefon? Eindeutig zu viel.

Fünf haben sich dann doch getraut. Fettes Brot kritisieren den Chauvinismus in der Hip-Hop-Szene, der Suhrkamp-Autor Thomas Meinecke erklärt, warum das Wort "Mann" ein Schimpfwort für ihn ist. Und Gregor Gysi sagt, die DDR war in Sachen Gleichstellung weiter - aber auch nicht überall.

Fettes Brot, Hip-Hop-Band

"Der Feminismus hat imagemäßig schon bessere Zeiten erlebt. Das liegt daran, dass die Leute ganz verschiedene Sachen meinen, wenn sie darüber reden. Für uns steht er für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung - für die man nicht aufhören sollte, zu kämpfen. Feminismus ist kein Lifestyle, der mal cool und mal uncool ist. Sondern etwas Grundsätzliches, wozu es für uns keine Alternative gibt.

Seitdem wir zusammen Musik machen, reiben wir uns am Frauenbild in Teilen der Hip-Hop-Szene. In manchen Songs sind Frauen nichts anderes als Sexualobjekte, die es gilt, auf möglichst akrobatische Weise durchzuvögeln. Das ist ganz große Scheiße.

"Wie viel Gleichberechtigung brauchen wir noch?" Diese Frage hat unsere Leser in der elften Runde des Projekts Die Recherche am meisten interessiert. Dieser Beitrag ist Teil eines Dossiers, das sie beantworten soll. Alle Texte zur aktuellen Recherche finden Sie hier. Mehr zum Projekt finden Sie hier.

Es ist aber nicht unser Ding, uns jetzt hinzustellen und den Leuten zu sagen: Jetzt seid doch mal nicht so gemein zu den Frauen und sagt nicht immer "Bitches". Als Band sind wir gelegentlich gut darin, Songs für etwas zu machen und nicht Songs gegen etwas.

Zum Beispiel 'Schwule Mädchen': Wir fänden es gut, wenn man diese ganzen klischeehaften Gender- und Rollenbeschreibungen überwinden würde. Und wenn es in Netz und TV nicht vordergründig um Sex ginge. Dafür steht das Lied über 'Bettina', die ihre Brüste einpacken soll.

Natürlich singen wir auch über Männer und Frauen - und über Sex. Zum Beispiel bei 'Jein', wenn die Frau fragt: 'Na Kleiner, hast du Bock auf Schweinereien?'. Wer so etwas aber chauvinistisch findet, der muss schon ziemlich wenig Humor haben. Die Zeile ist selbstbewusst vorgetragen und klingt nach einem sexuellen Abenteuer, das gut ist, das Spaß macht.

In Sachen Gleichstellung sind wir weder euphorisch noch pessimistisch. Klar, ist die Gesellschaft weiter als in den 50er Jahren, als im Fernsehen Werbung kam von Frauen in Schürze, die Putzmittel anpreisen. Viel besser ist es aber auch nicht. Wir haben mittlerweile zum Teil Töchter und wissen, dass viele Mädchen mit zehn Jahren anfangen, Germany's Next Topmodel zu gucken. Man kann der Sendung nicht alles in die Schuhe schieben, aber sie ist ein ziemlich großes Aushängeschild für antiquierte Rollenbilder, die noch immer tief verwurzelt sind."