Von Martin Zips

Auch Politiker und Promis sind nicht gefeit gegen Kälte. Aber reich und mächtig ist nicht gleich schön. Warum winterliche Kopfbedeckung eine Herausforderung ist.

Bei wenigen Dingen des menschlichen Lebens liegen Tragik und Komik so nah beinander wie bei der Kopfbedeckung. Jetzt, da beim morgendlichen Gang zur Arbeit eisige - vermutlich auf die Finanzkrise zurückzuführende - Böen an Ohr und Nase nagen, empfiehlt sich die Bemützung.

putin, mütze; AFP

Nur fast bis zur Unkenntlichkeit eingepackt: Wladimir Putin beim Skifahren im russischen Sochi. (© Foto: AFP)

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Nur: Zu welchem Preis? Bei zahlreichen Mützen liegt der Satz des Forstwissenschaftlers aus Thomas Bernhards Erzählung "Die Mütze" (1966) nahe: "Ich habe sie aufgesetzt, weil ich sie nicht mehr habe sehen wollen." Das allein freilich reicht als Entschuldigung für optische Verirrungen wie "Wuschelmütze" (unten Strick, oben Irokese, seitlich Teufelshörner), "Beanies" (eine Art gestrickter Schlauch) oder "Kimberly" (Alpaka mit Stoffohren) nicht aus. Schließlich beleidigen solche Kopfbedeckungen das noch keineswegs komplett vereiste Auge des Betrachters.

Im Gegensatz zu der Mütze war der Hut schon immer Standeszeichen mächtiger Herrscher. Das auf einer Stange aufgesteckte Exemplar des Landvogts Gessler beispielsweise soll den freiheitsliebenden Mützen-Fan Wilhelm Tell gehörig in Rage gebracht haben.

Tragischer Kopfschmuck

Erich Mielke hingegen, einst gefürchteter DDR-Stasi-Chef, konnte sich nach dem Fall der Mauer vor Gericht an kaum etwas erinnern. Aber dass er gerade noch einen Hut auf seinem Kopf hatte, den er nun vermisste, das wusste Mielke ganz genau. "Mein Hut, mein Hut", rief er, "man hat mir meinen Hut gestohlen!"

Als Untergattung des Hutes tendiert die Mütze - trotz ihrer angenehm wärmenden Art - zur Lächerlichkeit. Sie ist etwas für Sportler, Schlümpfe oder Heinzelmännchen. Verantwortlich dafür dürften die Jakobiner sein, die aus der antiken phrygischen Mütze (ursprünglich der gegerbte Hodensack eines Stiers) ein schlappes Revolutionsmützchen machten. Seitdem wirkt dieser Kopfschmuck selbst im Winter eher tragisch.

Erinnert sei etwa an den weltweiten Aufschrei unter Katholiken, den der so genannte Camauro auf dem Kopf des Heiligen Vaters verursachte. "Wie sehen Sie denn aus?", fragte die NZZ am Sonntag. Die FAZ verteidigte brav: "Benedikt XVI. achtet auf Stil - auch in der Kleidung. "

So oder so: Dass wirklich wichtige Menschen selbst in Frostzeiten auf entwürdigende Bemützung verzichten, sollte unbedingt begrüßt werden. Damit wollen sie sagen: Das Leben ist mehr als Ski-Spaß in Kitzbühel, Aspen oder St. Moritz. Bietet der um sich greifenden Kälte Eure Stirn!

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(SZ vom 09.01.2009)