Von Jürgen Schmieder

Was machen die Menschen eigentlich am Welt-Nichtraucher-Tag? Eigentlich müssten sie sich eine Zigarette anzünden. Unser Autor tut das - und beendet seine Kolumne.

Am Samstag ist Welt-Nichtraucher-Tag - der Feiertag für alle militanten Nichtraucher, die seit der Gesetzesänderung eine Lizenz zum Nörgeln und Motzen und Beschweren haben. Worüber sich jedoch noch kaum jemand Gedanken gemacht hat, ist die Planung für diesen Tag. Denn gewöhnlich stehen Feiertage unter einem Motto oder es gibt etwas zu tun.

Nichtraucher

Eine willenlose Wurst (© Foto: iStockphotos)

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Am Muttertag bringt man der Mama Blumen nach Hause und verwöhnt sie einen Tag lang. Am Vatertag ziehen Männer mit dem Bollerwagen und einer Kiste Bier los und gehen auf Wanderschaft. Am Tag der Arbeit stellt man einen Maibaum auf und bewacht ihn die ganze Nacht lang. Sogar am Anti-Diät-Tag stehen Aufgaben an: Man darf sich einen Tag lang den Magen mit Köstlichkeiten vollschlagen, bis er aussieht wie ein zu stark aufgeblasener Luftballon.

Aber was tut der Mensch am Welt-Nichtraucher-Tag? Setzen sich Nichtraucher an einen Tisch und reden darüber, wie toll es ist, heute keine zu rauchen - obwohl sie das ja an den anderen Tagen auch nicht tun? Werden Nikotin-Pads und Kaugummis in die Mitte gelegt und ihnen gehuldigt? Werden Fotos von notorischen Rauchern verbrannt?

Oder geht man an diesem Tag noch einen Schritt weiter? Es könnte ja sein, dass es an diesem Tag erlaubt ist, jedem Raucher die Kippe mit einem schwungvollen Haken aus dem Mund zu schlagen. Man könnte Raucher auch für einen Tag lang für vogelfrei erklären und sie mit Paintbällen malträtieren. Oder es werden im Supermarkt, beim Metzger und in Restaurants nur Nichtraucher bedient - Raucher müssen einfach leiden.

Apropos Raucher: Dazu muss ich mich - Leserbriefe belegen das - nach den zahlreichen Zigaretten der vergangenen Wochen wieder zählen. Ja, ich bin eine willenlose Wurst. Ich habe es zwar länger ausgehalten als meine Kollegen Ralf und Lars, die ich hiermit noch einmal ächten möchte. Aber genauso wenig wie man "ein bisschen schwanger" sein kann, ist man "ein bisschen Raucher". Entweder man raucht oder man raucht nicht.

Und da ich in den vergangenen Wochen zu viele Zigaretten geraucht habe, muss ich mir eingestehen, dass ich wieder ein Raucher bin. Und ich weiß auch, dass es während der Fußball-Europameisterschaft nicht unbedingt besser wird. Ein spannendes Spiel und ein kühles Bier sind eine verführerischen Kombination des Nikotin-Teufels.

Ich werde jetzt nach Österreich fahren, um die EM zu verfolgen. Danach werde ich einen neuen Versuch starten, für immer mit dem Rauchen aufzuhören. Das nächste Mal schaffe ich es. Bestimmt.

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(sueddeutsche.de/mmk/mkf)