Von Birgit Lutz-Temsch

Outdoor-Klamotten sind mehr als nur Kleidungsstücke. Sie erzählen von Glück, von Freiheit und dem Einssein mit sich selbst. Es wäre ein Frevel, sie nur draußen zu tragen.

Es gab da diesen einsamen Moment, am Gipfel des Bergs, in dem die Lungen so voller Luft, die Muskeln so müde, das Herz so voller Glück war.

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Man kann Outddor-Jacken nicht oft genug tragen. (© Foto: iStock)

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Diesen Moment, in dem der Blick über die umliegenden Gipfel (alle niedriger!) glitt, in dem der Fels so grau, der Himmel so blau, der Schnee so weiß war. Den Moment, in dem es egal war, dass die Finger bluteten, denn es gab nichts außer dieser Schönheit und dem Stolz, oben zu sein.

Es gibt Menschen, die für solche Augenblicke leben, und es gibt Menschen, die solche Momente gar nicht kennen. Für manche von den Ersteren ist es schon ein schönes Gefühl, im Kleiderschrank zufällig an der Skitourenjacke zu streifen.

Das knisternde Geräusch erinnert an das Keuchen beim Aufstieg, an die Schweißperlen, die den Nacken hinunterlaufen, an die Sonne, die im Gesicht brennt, an die Felswand, bei der der Aufstieg endet, an das Wohlgefühl des heißen Tees aus der Thermoskanne, das Glück und die Zufriedenheit, ganz allein mit dem Berg zu sein.

Die Tourenjacke wird damit so etwas wie die Lieblingsjeans von früher, mit der man am Lagerfeuer saß und von der man sich einfach nicht trennen wollte. Ganz einfach, weil die Jeans mehr war als eine Jeans und die Jacke mehr ist als nur eine Jacke.

Sie steht für Momente voller Lebensfreude, voller Spaß, voller Kraft und Freiheitsgefühl. Wenn diese Jacke zu Hause an der Garderobe hängt, kostet es viel Überwindung, sie morgens nicht anzuziehen.

Es kostet noch mehr Überwindung, wenn man mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt und genau weiß, dass sie das einzig wirklich passende Kleidungsstück für einen kilometerlangen Herbst-Trip quer durch die Stadt ist.

Und manchmal ist die Jacke einfach stärker. Zieh mich an, sagt sie, und du wirst dich fühlen, als würdest du nicht zur Arbeit fahren, sondern in die Berge. Und sofort beim Verlassen des Büros wirst du dich nicht zwischen Hochhaus- sondern Gebirgsschluchten wähnen.

Dann gibt man also auf und streift sie über. Steckt die Daumen durch die Fingerschlaufen. Und sofort wird der Schritt fester, der Gang ein anderer, sogar der Kopf fühlt sich ein bisschen freier an. All das kann dieses bisschen Stoff. Wer darin eine modische Beleidigung sieht, sieht nur die Oberfläche. Und nicht, was drinsteckt.

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(sueddeutsche.de/mmk)