Aber das allein dürfte die Empörung nicht erklären. Zwei andere Berliner Hassgruppen, die zugezogenen Schwaben und die Touristen, geben vielleicht einen Hinweis. Sie leben aus eigenen Mitteln, eine Provokation für den Altberliner, der gern betreut wird oder betreut. In ihrem Programm zur Abgeordnetenhauswahl im September haben die Grünen ihr Ideal der betreuten Stadt noch einmal ausgebreitet. Die Mutter aber, die sich um ihr Kind selbst kümmert, macht da nicht so ganz mit, sie will wohl was Besseres sein.
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Weit verbreitet: das Klischee von den West-Frauen, die nicht vollzeitberufstätig sind, und ihre Zeit zwischen Spielplatz und Latte macchiato vertun. (© Getty Images)
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Das will sie wirklich, sie will auch für ihr Kind das Bestmögliche. Das ist auch legitim, es würde der Gesellschaft vielleicht nicht einmal schaden, wenn es mehr Leute gäbe, die sich und die ihren steigern wollten. Das Beste haben Eltern immer für ihre Kinder gewollt. Aber weil es feste Muster gab, fiel es nicht auf. Man tat, was alle gewohnt waren. Das ist anders geworden. Die Latte-macchiato-Mütter können nicht den Vorbildern folgen, die bis in die frühe Nachkriegszeit galten, und die ihren Müttern oder Großmüttern eine gewisse Unbesorgtheit ermöglichten.
Die Kritik an dem verwöhnten, ich-starken Nachwuchs hat einen offenkundig konservativen Hintergrund: Späte Mütter verziehen ihre Kinder, sie legen überspannte Erwartungen in sie hinein, und überhaupt: das sorgsam geplante Kind rückt nahezu unvermeidlich in die Kronprinzen-, respektive Kronprinzessinnenrolle ein. Später wird es dann, wie eine Leitartiklerin der taz bemerkte, unfähig sein, "Verantwortung für andere zu übernehmen". An den Bedenken mag ja etwas sein. Vielleicht war die Selbstverständlichkeit, mit der frühere Generationen ihre Kinder in die Welt setzten und erzogen, ganz bekömmlich. Aber diese Selbstverständlichkeit ist eben dahin, und jeder kann das wissen. Geburtenplanung ist ein Teil der allgemeinen emanzipatorischen Bewegung, Emanzipationsgewinne aber gehen mit Sicherheitsverlusten einher.
Und das ist das ganz und gar Erstaunliche an der Kritik dieser neuen Mütter. Sie möchte den Konservatismus der neuen Familienseligkeit aufdecken und spricht doch selbst aus einem viel tiefer konservativen Loch. Sie stößt sich an den Verspanntheiten, dem Absichtsvollen. Ihr Ideal sind Mütter (und natürlich Väter), die wie von selbst das Richtige tun und treffen, das richtige Maß der Liebe, der Strenge, der Sorge. Aber das Verspannte und Absichtsvolle ist notwendige Folge einer Lebenswelt, die uns nicht mehr in selbstverständliche Aufgaben hineinwachsen lässt.
Hinter der Kritik an den Müttern steht das Ideal der Natürlichkeit, das gerade die Frauen seit je regiert. Die Mutter soll sein wie der Bär in Kleists "Marionettentheater": unbeirrt von Technik und Künstlichkeit mit sicherem Auge das Notwendige tun - aber auch nicht mehr. Das Natürliche steht in hohem Ansehen, das ist nicht überraschend. Wäre es anders, hätte "Über das Marionettentheater" seine kanonische Geltung längst verloren. Aber dass die Missgriffe des Künstlichen unvermeidlich sind, seitdem wir von dem Baum der Erkenntnis gegessen haben, das ist ja auch gut bekannt. Für die Mütter soll das nicht gelten? Das Übermaß der Kritik an ihnen zeigt, dass viele und ausgerechnet viele Linke noch ein Problem mit der Emanzipation haben.
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Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
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(SZ vom 25.06.2011/vs)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
...ist wohl der falsche Ausdruck. Wenn ein Wohngebiet von Menschen dominiert wird, die auf "mittlerem Niveau" leben, wie Sie es nennen, was eine entsprechende Infrastruktur nach sich zieht - teure Läden und Cafés, kaum noch bezahlbare Mieten, Eigentumswohnungen - und die weniger begüterte Bevölkerung verdrängt wird, allen voran die Migranten, könnte man es eher Ohnmacht nennen. Toleranz ließe sich üben, wenn die "Berliner Mischung" noch vorhanden wäre. Das großspurige Auftreten der neuen Bewohnerschaft (Ausnahmen bestätigen die Regel) erinnert an die Selbstherrlichkeit von Kolonialherren. Sie fordern tatsächlich Toleranz von den Kolonisierten? Und nein, das betrifft natürlich nicht nur den Prenzlauer Berg, denn die abwandernde Bevölkerung verdrängt wiederum einkommensschwächere Gruppen aus anderen Bezirken. Gentrifizierung ist auch nicht allein ein Berliner Problem, leider.
Ein sehr lustiger Artikel. Die These, dass die Verdrängten Ossis sich über die Neuzugezogenen öffentlich erregen, kann ich nicht folgen. Die sozial Abgehängten sind nur ganz selten Redakteure.
Gut wird doch herausgestellt, dass in einer Gesellschaft in der angeblich Platz für viele "multi-Lebensstile ist, die Toleranz für diese Form der urbanen Bürgerlichkeit extrem gering ist. Sehr lustig auch, der ganze Neid-Kübel. Zum Einsortieren: Wer am Prenzelberg in schicker Wohnung mit Latte-Abo lebt, ist sicher nicht arm, lebt eben auf mittleren Niveau.
Aber: Gut aussehen, einen netten Partner, Pilates machen, ne gute Wohnung und keine Existenzsorgen – das ist für viele offenbar schon eine Provokation bei der sich beim Bier schlabbern gestört fühlen.
Man merkt daran übrigens auch, dass die ganzen Schreiberlinge ihre Inspiration nur aus ihrem Kiez beziehen. Für den Berlinschreiber schrumpft die Welt offenbar auf 5 Quadratkilometer. Diese Sozialeiferer sollte mal in einen "anständigen" Vorort gehen. Dort wo die Kinder mit dem Cayenne GTS zur Schule gefahren werden und Multi-Kulti bedeutet: der Konsul beim Golf, die anderen als Haushaltshilfe. Da hätte ihr Sozialneid wenigstens etwas mehr Anlass
ganz schlechter artikel! da dachte die redaktion, mal wieder anders denken zu müssen. ist aber mißlungen. interessanter weise geht es beim seite 1 artikel der SZ dieser ausgabe um böse investoren, die armen afrikanern das land wegkaufen. der "hass" auf die mütter vom prenzelberg entsteht doch aus der gleichen, materiellen motivation: reiche wessis kaufen armen eingeborenen ossis die wohnungen unterm arsch weg.
und die kritik an der linken kommt von der falschen seite. im zweifel hat sich "die linke" immer eher für gleichheit als für freiheit entschieden. dass die personifizierte super-individualisierte ungleichheit da auf kritik stößt, ist nichts, worüber man einen artikel schreiben muss.
Es juckt die, die unter der Rücksichtslosigkeit dieser Mütter (und Väter) zu leiden haben, denen die Kinderwagen und Kinderfahrräder in die Hacken gefahren werden, deren Stammlokale und letzte Refugien Cocktailbars weichen müssen, und, was noch weit schlimmer ist, die aus ihren Wohnquartieren verdrängt werden. Es gibt kaum noch alte Leute hier, und auch die alternative Künstlerszene, die am Prenzlauer Berg mal beheimatet war, macht sich langsam rar. Ein Arbeiterviertel ist dieser Bezirk schon lange nicht mehr, denn die Mieten kann bald keiner mehr bezahlen. Stattdessen findet man als öde Monokultur fast nur noch die Ökospießer hier.
Irgendwie scheint es mit Menschen, die ihren eigenen, anderen, individuellen, vielleicht auch wohlhabenden Lebenststil pflegen, Probleme zu geben. Oder besser gesagt: die Anderen, also die große Masse oder diejenigen, die etwas neidisch sind, machen die die Probleme.
Wen muss es denn jucken, dass Mütter mit Porsche zum Italiener fahren, ihre best angezogenen Kleinen auf den Spielplatz behüten und ihre ganz ureigen Vorstellung vom Leben und Erziehung haben?
Wer muss sich den dafür interessieren oder gar aufregen ? Sind wir das Volk voller Spiesser, Neider und Gleichmacher ? Sollte denn nicht jeder sein Leben leben wie er kann und es ihm passt? Anscheinend nicht.
Schade, wie armselig!
Paging