Die Freigabe der "Pille danach" ist sinnvoll - und doch bleibt ein Unbehagen.
Die Trennung von Sexualität und Schwangerschaft gehört zu den großen Errungenschaften der vergangenen fünfzig Jahre. Jahrhundertelang war Sex vorwiegend der Spaß des Mannes und die Angst der Frau. Verhütungsmittel haben den Frauen einen guten Teil dieser Angst genommen; ihr Leben wird nicht mehr durch die Abfolge mal mehr, mal weniger gewollter Schwangerschaften bestimmt.
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Nur nicht schwanger werden - vor allem junge Frauen verlangen die Pille danach. (© Foto: ddp)
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Paare können ihr Sexualleben frei wie nie zuvor gestalten, das zur guten Partnerschaft gehört wie Nähe, Freundschaft, Verantwortung. Noch nie waren so viele Kinder echte Wunschkinder wie heute.
So gesehen ist es richtig, dass Österreichs sozialdemokratischer Gesundheitsminister Alois Stöger die "Pille danach" rezeptfrei gemacht hat. Sie ist eine Nothilfe, wenn bei der regulären Verhütung etwas schiefgegangen ist oder, aus welchem Grund auch immer, ein Paar nicht verhütet hat. Die gängigste Substanz Levonorgestrel verhindert bis zu 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr, dass ein befruchtetes Ei sich in der Gebärmutter einnisten kann - die ersten zwölf Stunden sehr gut, danach immer weniger gut.
Das spricht dafür, die "Pille danach" auch ohne Gang zum Arzt verfügbar zu machen - vor allem für junge, unerfahrene Frauen stellt dieser Gang eine peinliche Schwelle dar. In den USA, in Großbritannien und in Schweden gibt es weniger Teenager-Schwangerschaften, seit es die "Pille danach" rezeptfrei gibt; die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mittlerweile die Freigabe. In Deutschland dagegen ist das Medikament bislang nur auf Rezept zu erhalten. Es spricht viel dafür, dies zu ändern.
Doch woher rührt dieses Unbehagen, das bleibt trotz aller Logik? Es kommt eher nicht daher, dass die "Pille danach" kein regelmäßig anzuwendendes Verhütungsmittel ist und auch keine Kopfschmerztablette, die man nach einer langen Nacht nimmt - sondern ein Produkt mit Nebenwirkungen, über die eine Patientin aufgeklärt gehört.
Es hat auch nicht so sehr mit der Fundamentalopposition der katholischen Kirche zu tun, die Frauen für exkommuniziert hält, wenn sie eine Pille einnehmen, welche die Einnistung eines befruchteten Eis verhindert.
Das Unbehagen hat einen anderen Grund: Die Freigabe der "Pille danach" lässt ahnen, wie sehr die Trennung von Sexualität und Liebe zugenommen hat. Sex ist - gerade bei Jugendlichen - verfügbar geworden und hat verfügbar zu sein, sofort, ohne das Lebensspiel von Zuneigung und Zärtlichkeit, ohne Achtung des Anderen als Subjekt der Lust, als Persönlichkeit. Man muss nicht Papst sein, um hier mit dem Jubel zu zögern.
Gebt dem Sex die Liebe zurück, möchte man leise sagen. Nur: Das geht weder per Rezeptpflicht noch mit Hilfe von Kirchenstrafen. Das geht durch Aufklärung und Sexualkundeunterricht; und durch Erwachsene, die vorleben, dass Sex und Lust und Zärtlichkeit Zuwendung zu einem anderen Menschen bedeutet - nicht aber die Befriedigung des Egos.
Zweimal ist er in Deutschland dem Tod entkommen: in Bergen-Belsen und in München. Der Geher Schaul Ladany gehörte 1972 zu Israels Olympiateam. Das ist jetzt 40 Jahre her, doch die Erinnerung folgt ihm auf Schritt und Tritt. Seite Drei. Jetzt lesen ...
(SZ vom 22.12.2009/bilu)
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Ich finde die Diskussion hier geht an dem Thema von Herrn Drobinski vorbei. Es geht nicht um Sex und/oder Liebe. Es geht um Sex und/oder Verantwortung. Die technische Entwicklung gibt uns mehr Entscheidungsraum. Das ist ein Vorteil gegenüber dem früheren Roulettespiel in der Sexualität. Früher *konnte* man die Konsequenz seines Handelns nicht kontrollieren. Deshalb musste man es auch nicht. Heute *kann* man es und deshalb besteht die Pflicht es auch zu tun.
Ich verstehe Herrn Drobinski so: Die Gesellschaft wiederum ist verantwortlich den Menschen dabei zu helfen (Aufklärung, Vorleben etc.) diese individuelle Verantwortung zu übernehmen.
"was nicht heissen soll, dass beides auch gemeinsam stattfinden kann."
- dass beides NICHT auch gemeinsam...
Ansonsten 100 % ACK. Nur eines: Die Tatsache, dass auch Frauen (in emanzipierten Wohlstandsgesellschaften) "die Sau raus lassen" können, führt zur Erosion der Familie und des sozialen Zusammenhalts. Denn ohne ein bisschen Zwang gibt's weder Treue noch Verantwortung.
Interessant ist, diese Entwicklung in Schwellenländern, wie etwa Kolumbien, zu beobachten: Vor fünfzig Jahren war dort eine Frau noch stigmatisiert, wenn sie's außerehelichgetrieben hat. Heute gibt's mehr uneheliche als eheliche Kinder dort! Und Alleinerziehung funktioniert nur dank der Selbstlosigkeit der Vorgängergeneration.
Das ist kein moralischer Zeigefinger, sondern bloß eine nüchterne Feststellung. Alles hat seine Vor- und Nachteile.
Sex und Liebe sind zwei verschiendene paar Stiefel, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben, Menschen mit Lebenserfahrung wissen dies-was nicht heissen soll, dass beides auch gemeinsam stattfinden kann.
Die Sexualität als Teil oder Unterpunkt der Liebe, das ist eine der größten Lebenslügen der Meschheit, triebgesteuerte, hormonell bedingte Obsession hat mit dem höheren Gefühl einer tiefen Zuneigung, gar einer Art sublimierten Hinwendung nichts gemein.
Dieser Trugschluss wird spätestens dann offenkundig, wenn Partnerschaften nach kurzer Zeit scheitern, oftmals war der Trieb die Klammer, die das Ganze zusammenhielt.
Sexualität wird heutzutage von beiden Geschlechtern nahezu gleichberechtigt gelebt, Frauen leben ihre Lust ohne dieser den heuchlerischen Anschein von Liebe geben zu müssen, was früher nur für Männer galt, ist nun beiden Geschlechtern erlaubt-es zu treiben, mit wem und wann auch immer man Lust hat, und das ist auch gut so!
als sei Sexualkonsum ein Problem der Jugend - so ein Quatsch.
Im übrigen war Sex schon immer genausooft Mittel der Machtausübung, der Demütigung oder des schieren Vergnügens wie (einer unter vielen) Ausdruck der Liebe.
Sex und Liebe waren noch nie kongruent!
Die Freigabe ist in meinen Augen richtig und vorteilhaft. Vor allem aus dem Grund, dass in der Verschreibungspraxis regelmäßig überhaupt keine Überprüfung der Notwendigkeit der Einnahme oder sonstiger Faktoren stattfindet. Da kann ein Apotheker genauso gut (oder besser) informierend tätig werden. Darüber hinuas möchte ich gerne wissen, warum man jungen Frauen, denen klar wird, dass ihr Verhütungsmittel gerade nicht richtig funktioniert hat, den unangenehmen und beschämenden Weg zum Arzt unbedingt auferlegen möchte. Damit sie sich schlecht fühlen? Angesichts des Preises der Pille danach glaube ich kaum, dass jemand geplant auf sie zurückgreift und sie als normales Verhütungsmittel benutzen will. Dann hilft aber auch der "Erziehungsansatz" nicht weiter.
Warum der Autor aber an der Verabreichung der Pille danach eine verbreitete Trennung von Liebe und Sex festmachen will ist mir nicht klar. Warum dies dabei stärker sein soll als bei der normalen Pille oder Kondomen erklärt er nicht.
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