Die Benzinpreise steigen, pendeln wird zum Luxus. In den zersiedelten Metropolen der USA fallen deshalb die Preise für Einfamilienhäuser.
Detroit ist eine der ärmsten und, seit vorigem Jahr, die unsicherste Großstadt der Vereinigten Staaten. Das Risiko, einem Gewaltverbrechen zum Opfer zu fallen, ist nirgends größer als in der legendären Motortown. Trotz vieler mutiger Versuche der Stadtverwaltung, die Innenstadt wiederzubeleben, sieht es dort stellenweise immer noch aus wie nach einem Krieg: Weite Brachflächen zwischen isolierten Häusern markieren die Stellen, an denen die Stadt verfallene Gebäude abreißen ließ, auf dass sie nicht zu Drogenhöhlen würden. Als Fremder sollte man sich hier nach Einbruch der Dunkelheit nicht sehen lassen.
Selbst die Villen an den Hügeln Hollywoods bekommen den Preisverfall zu spüren. Der Wert dieses Anwesens sank zwischen Herbst 2007 und Juni 2008 von 3.875.000 Dollar auf 3.695.000 Dollar. (© Foto: AP)
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Viele Besucher sehen hinter dem Elend von Detroit den Niedergang der amerikanischen Autoindustrie. Tatsächlich jedoch ist er die Konsequenz der früheren Erfolge von General Motors, Ford und Chrysler. Die Arbeiter an den Fließbändern verdienten blendend und zogen hinaus in die Vorstädte, wo sie sich ihren Traum vom Eigenheim verwirklichten. Sechsspurige Autobahnen machten das Pendeln leicht, zurück blieben die - meist schwarzen - Armen, die kaputten Familien, die Gangs. Es ist fast tragisch, dass die Stadt des Autos besonders krass das erlebt, was das Auto den Großstädten insgesamt angetan hat.
Doch nun, da der Benzinpreis die Schwelle von vier Dollar pro Gallone (1Gallone = 3,78 Liter) überschritten hat, dreht sich die Entwicklung um. Zum Beispiel in Los Angeles.
Die zweitgrößte Stadt der USA mit ihrer riesigen Fläche ist besonders von der Krise getroffen. Der Preis eines normalen Einfamilienhauses lag im Mai um 23 Prozent niedriger als im Vorjahr. Am stärksten war der Preisverfall jedoch nicht im Zentrum, sondern in weit entfernt liegenden, bisher sehr attraktiven Wohnvierteln wie Lancaster (minus 38 Prozent) und Palmdale (minus 42 Prozent). Ähnlich sieht es in Denver im Bundesstaat Colorado aus.
In der extrem zersiedelten Region versucht die Stadtverwaltung seit zehn Jahren, die Innenstadt zu revitalisieren und baute zu dem Zweck ein sechs Milliarden teures S-Bahn-System. Jetzt kommt das teure Benzin zu Hilfe: "Das wird zwar nicht der Dolchstoß ins Herz der Zersiedelung sein", sagte Denvers Bürgermeister John Hickenlooper, "aber es gibt einen Trend, eine gewisse Bewegung zurück in die Innenstadt." In den Außenbezirken Denvers sind die Hauspreise um zum Teil 13 Prozent gesunken, in einigen zentralen Wohngegenden sind sie um sieben Prozent gestiegen.
Der Druck auf Pendler, die auf ihr Auto angewiesen sind, ist enorm. Das spüren besonders jene Städte im Süden und Westen, die nur einen unzureichenden öffentlichen Nahverkehr haben. Das ökonomische Kalkül spricht gegen die Vorstadt. 2003 gab ein durchschnittlicher Arbeitnehmerhaushalt in den USA 1422 Dollar jährlich für Benzin aus. Im vergangenen April waren es bereits 3196 Dollar. Glücklich daher, wer in einer Region mit einem dichten Netz von Bussen und Bahnen wohnt. Die Verkehrsbetriebe der Stadt New York meldeten allein für die ersten vier Monate dieses Jahres einen Anstieg der Fahrgastzahlen um 5,8 Prozent.
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