Patrick Lindner zum Urteil aus Karlsruhe "Die Kinder sind jetzt besser versorgt"

Patrick Lindner ist schwul und Vater eines Adoptivsohnes. Das Urteil aus Karlsruhe hat für ihn Signalwirkung: "Es geht um Rechte und Pflichten."

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Bundesverfassungsgericht hat das Adoptionsrecht homosexueller Ehepaare ausgeweitet. Schlagerstar Patrick Lindner, selbst Vater eines Adoptivkindes, findet die Entscheidung "großartig". Doch um die Sektkorken knallen zu lassen, sei es noch zu früh, sagt der 52-Jährige im Interview.

Von Jana Stegemann

Ein Jahr vor der Jahrtausendwende erlebte die deutsche Schlagerszene eine Überraschung. Einer ihrer Lieblinge, Patrick Lindner, outete sich als schwul. Zuvor hatte er in der Boulevardpresse immer wieder betont auf "die Richtige zu warten". Dabei war der Richtige schon längst an Lindners Seite: sein damaliger Manager Michael Link. Dass er ein russisches Waisenkind adoptierte, verheimlichte Lindner nicht vor der Öffentlichkeit. Mittlerweile ist sein Sohn Daniel 15 Jahre alt. Lindner trennte sich 2005 von Link und ist seit zwei Jahren mit seinem neuen Lebensgefährten Peter Schäfer liiert. Der ist dann auch am Telefon, als es darum geht, einen Interviewtermin mit Patrick Lindner zu vereinbaren. Wenig später meldet sich der 52-jährige Schlagerstar aus einem Hotel in Cottbus, wo er am Abend zuvor bei "Die große Dampfershow" aufgetreten ist.

SZ.de: Herr Lindner, was halten Sie von der Entscheidung aus Karlsruhe?

Patrick Lindner: Ich finde sie großartig. Die Entscheidung ist richtig und macht vieles einfacher. Mit dem heutigen Urteil hat man eine Sache ausgeräumt, die lange als Stolperstein im Weg lag.

Grund, die Sektkorken knallen zu lassen?

Auf keinen Fall, um Gottes willen. Das ist keine Sache, die man feiert. In erster Linie geht es um das Wohl des Kindes, um seine Belange. Und die sind durch das Urteil mehr und besser versorgt in vielerlei Hinsicht. Das darf man nicht vergessen. Erst in zweiter Linie um Gewichtung und Sicherheit für die Eltern. Es ist ein deutliches Signal für eine Gleichstellung und Gleichberechtigung homosexueller Paare.

Ein Signal, das auch für Sie eine Rolle spielt?

An meinem eigenen Fall kann man das sehr gut verdeutlichen. Ich bin mit meinem Lebensgefährten zwar nicht verheiratet, aber wenn ich es wäre, könnte ich ohne weiteres sein leibliches Kind adoptieren (Anmerkung der Redaktion: Schäfer hat einen 27-jährigen Sohn). Er konnte bisher aber mein Kind nicht adoptieren. Das ist doch Unsinn. Wie erklärt man denn sowas seinen Kindern? Warum geht das eine, aber das andere nicht?

Es scheint, als hätte die bisherige Gesetzeslage Sie wütend gemacht.

Es ist doch ein Unding, dass es in einer Lebenspartnerschaft, die in manchen Fällen über Jahrzehnte andauert, für einen der Partner nicht möglich ist, einem Kind, das er über so lange Zeit begleitet hat, sein Erbe weiterzugeben - ohne große Probleme und horrende Erbschaftssteuer. Deshalb finde ich das Urteil so gut, weil es diesen Kindern mehr Rechte einräumt, sie können dadurch besser versorgt werden. Bisher war die rechtliche Situation ein einziges Wirrwarr.

Ist dieses Urteil ein Schritt in Richtung der Gleichstellung der Homo-Ehe zur Ehe zwischen Mann und Frau?

Ein kleiner Schritt. Aber es gibt noch viele offene Fragen. Am Ende sind wir damit noch lange nicht. Es kann doch nicht sein, dass wir Homosexuelle in erster Linie Pflichten erfüllen müssen, aber in unseren Rechten gebremst werden. Man ist verpflichtet, für seinen Lebenspartner finanziell aufzukommen, hat aber keine steuerlichen Vorteile wie heterosexuelle Paare.

Hat ihr offener Umgang mit ihrer Homosexualität Ihnen Probleme beschert, haben Sie mit Anfeindungen zu kämpfen?

Ich habe persönlich überhaupt kein Problem. Aber das hat wohl damit zu tun, dass ich nie versucht habe, zu provozieren, sondern immer ganz nüchtern gefordert habe: Es geht um Rechte und Pflichten. Es geht darum, Gesetze so zu ändern, dass alle - ob schwul oder nicht schwul - gleichberechtigt sind.

Ihr Sohn Daniel ist 15 Jahre alt , wie kommt er mit der Situation zurecht?

Wir leben nicht anders als andere Familien. Wir sprechen über vieles, wir diskutieren. Mit unserer Situation gehen wir ganz natürlich um.

Kommt es für Sie in Frage, ein weiteres Kind zu adoptieren?

Wir sind mit unserer Familie komplett. Ich bin jetzt an einem Punkt, an dem ich zu alt bin für weitere Kinder. Deshalb muss ich persönlich über diese Möglichkeit nicht mehr nachdenken.