100 Restaurants, Bars, Diskotheken und Züge haben deutsche Wissenschaftler untersucht - und kommen zu dem Schluss, dass ein Gesetz für den umfassenden Schutz von Nichtrauchern notwendig ist.
Die Belastung von Passivrauchern in Kneipen, Restaurants, Diskotheken und Raucherabteilen der Deutschen Bahn hat nach einer Untersuchung des Deutschen Krebsforschungszentrums dramatische Ausmaße.
Von je 100 Personen in Deutschland rauchen: (© )
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"Die Gesundheitsbelastung ist derart gravierend, dass Mitarbeiter und Gäste Schutzmasken mit Luftfilter tragen müssten", sagte Krebsforscherin Martina Pötschke-Langer am Montag in Berlin. Das Heidelberger Zentrum fordert deshalb ein Rauchverbot in der Gastronomie.
Vor allem betroffen vom Passivrauchen sind laut Studie die etwa eine Million Mitarbeiter in Zügen, Kneipen und Restaurants. In der Gastronomie wurden im Schnitt pro Kubikmeter Luft 200 Mikrogramm lungengängiger Partikel mit einem Durchmesser unter 2,5 Mikrometern gemessen, in Diskos und Kneipen lag die Konzentration gar bei 600 Mikrogramm.
Damit waren die Werte an Orten, an denen geraucht werden durfte, zehn- bis zwanzigmal höher als in rauchfreien Lokalitäten. Die Partikel gelten als krebserregend, erbgutverändernd und fruchtbarkeitshemmend. "Eine untere, unbedenkliche Wirkungsschwelle gibt es nicht", sagte Pötschke-Langer.
"Wenn man bedenkt, dass Diskotheken vor allem von jungen Menschen besucht werden, die tanzen und dadurch tiefer einatmen, ist das Ergebnis noch besorgniserregender."
Die Studie, für die 100 Restaurants, Bars, Diskotheken und Züge untersucht wurden, kommt zu dem Schluss, dass ein Gesetz für den umfassenden Schutz von Nichtrauchern notwendig ist.
Pötschke-Langer betonte, die Einrichtung von Nichtraucherzonen schütze nicht vor den Gefahren des Passivrauchens, an dessen Folgen jährlich mehr als 3300 Menschen stürben: "Es entspricht den Regeln der Physik, dass sich die Giftstoffe in der gesamten Luft ausbreiten."
Es müssten neben öffentlichen Einrichtungen alle gastronomischen Betriebe vollständig rauchfrei werden, sagte der Vorstandsvorsitzende des Krebsforschungszentrums, Otmar Wiestler. Umsatzeinbrüche oder rückläufige Mitarbeiterzahlen seien wegen eines solchen Gesetzes nicht zu erwarten, betonte Epidemiologe Sven Schneider.
Dies bestätigten die Beispiele Irland oder Norwegen, wo öffentliche Einrichtungen und die Gastronomie seit 2004 rauchfrei sind.
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(SZ vom 19.09.2006)
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