Partikel in der Luft Esoterischer Feinstaub

Eine neue Studie belegt, dass Räucherstäbchen ebenso gefährlich wie Zigaretten sind. Besonders Allergiker sind gefährdet.

Von Philipp Berens

Räucherstäbchen duften für die einen und nerven die anderen. Je nachdem, das ist Geschmackssache. Sicher scheint dagegen zu sein, dass der Rauch der esoterisch-qualmenden Stäbchen eine Gefahr für die Gesundheit ist.

Besonders für Allergiker kann der Feinstaub, den die brennenden Duftquellen fein säuberlich im Raum verteilen, unangenehme Folgen haben. Der Rauch eines solchen Stäbchens ist gar mit dem von Tabak vergleichbar: So berichten Wissenschaftler im Fachblatt Athmospheric Environment, dass ein Räucherstäbchen die Luft genauso stark wie eine Zigarette belastet (Bd. 40, S. 821, 2006).

Bereits 2003 zeigten Wissenschaftler, dass beim Verbrennen von Räucherwerk die Konzentration von Feinstaub in der Zimmerluft stark ansteigen kann. Feinstaub - kleinste Teilchen in der Luft, nicht größer als 10 Mikrometer - gilt als gefährlich.

Grenzwert deutlich überschritten

Er dringt tief in die Lunge ein und kann Asthma und Allergien auslösen. Der europaweite Grenzwert für die Feinstaubbelastung der Außenluft liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. In der Studie von 2003 verbrannten die Forscher Räucherstäbchen in einem Laborraum. Das Ergebnis der anschließenden Messung: Der EU-Grenzwert wurde um das Dreifache überschritten.

Neben diesen absoluten Zahlen könnte ein weiteres beunruhigendes Detail die Lust am Räucherwerk vergällen. "Bisher wurden die Quellen von Feinstaub viel zu sehr am Rande betrachtet. Für die Zusammensetzung ist aber wichtig, woher er kommt", sagt Stephan Weber von der Universität Duisburg-Essen. So konnte der Klimatologe zeigen, dass in Kirchen, in denen Weihrauch verbrannt wird, gerade die Konzentration der kleinsten Feinstaub-Teilchen stark ansteigt (Environmental Science, Bd. 40, S. 5251, 2006).

Diese dringen besonders tief in die Lunge ein und schädigen möglicherweise auch das Herz-Kreislauf-System. Dennoch werden diese winzigen Teilchen in vielen Untersuchungen vernachlässigt, weil sie zur Gesamtmasse nur wenig beitragen. "Sehr viele sehr kleine Partikel haben aber eine sehr große Oberfläche, an die sich Schadstoffe binden können", sagt Stephan Weber.

Räucherstäbchen enthalten zahlreiche Komponenten organischen Ursprungs, meist mit unklaren Mischungsverhältnissen: Sägemehl als Brennstoff, Harz als Klebstoff und Aromastoffe für den Geruch. Wenn die Stäbchen langsam abglühen, verbrennen diese Stoffe nur unvollständig. Dabei entstehen auch Schadstoffe, die sich an feine Staubpartikel binden können. So zeigte sich in einer Studie des dänischen Umweltministeriums, dass bei vielen Räucher-Produkten die Konzentration von Benzol und Formaldehyd im Rauch besonders hoch war.

Schwindel und Benommenheit

Benzol kann Schwindel und Benommenheit auslösen und gilt als krebserregend, Formaldehyd reizt Augen und Atemwege. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass "mögliche Folgen für die Gesundheit der Verbraucher nicht ausgeschlossen werden können". Eine Einschätzung, der sich auch Norbert Englert vom Umweltbundesamt anschließt.

Der EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm für Feinstaub sei ohnehin schon sehr hoch angesetzt. Wenn dieser Wert durch Räucherstäbchen sogar noch weit überschritten werde, "dann sehen wir das mit großen Bedenken".