Welches Kleid zu den Oscars? Die Antwort kennt wohl keine besser als Patty Fox. Sie ist "Fashion Coordinator" bei der Oscar-Show.
Gehen wir ruhig mal davon aus, dass sich Hollywoods Leading Ladies gerade an derselben Frage abarbeiten: Welches Kleid zu den Oscars? Die richtige Antwort kennt wohl keine besser als Patty Fox. Sie war Modechefin bei Saks in New York, wechselte 1991 als Beraterin an den Roten Teppich und wurde 2001 "Fashion Coordinator" bei der Oscar-Show. In den USA gilt sie als Instanz in Sachen Glamour. Was noch besser ist: Sie sieht das völlig unverkrampft.
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SZ: Mrs. Fox, was genau macht ein Fashion Coordinator? Fox: Jedes Jahr etwas anderes. Aber meist moderiert man in den Wochen davor Fashion Shows im Fernsehen und ist Ansprechpartner für alle Modefragen; in der Oscar-Nacht steht man dann live am Roten Teppich und identifiziert die Kleider, weil natürlich alle die Namen der Designer wissen wollen. Welcher Star was anzieht, bestimmen aber längst die Stylisten. Sie sind die wahren Herrscher über den Roten Teppich.
SZ: Wie haben die Stars das früher bloß hingekriegt - ohne Stylisten? Fox: Als ich angefangen habe, trugen viele Schauspielerinnen noch die Roben, die ihnen das Studio zur Verfügung gestellt hatte. Es ging natürlich schon damals darum, großartig auszusehen, aber wer genau das Kleid gemacht hatte - Nebensache. Ich wurde also eine Art Vermittlerin zwischen den Stars und den Designern. Das Ziel war, den Oscars den Glamour zurückzugeben und die Menschen wieder für Mode zu begeistern.
SZ: Das ist Ihnen spektakulär gelungen. Fox: Ob mit oder ohne meine Hilfe: Der Rote Teppich vor dem Kodak Theater ist heute der größte Catwalk der Welt.
SZ: Manche Leute behaupten sogar, bei den Oscars gehe es nicht mehr um das Kino, sondern nur noch um Designer. Fox: Da fällt mir eine Geschichte ein. Mein zweites Jahr bei den Oscars, 1992: Ich stehe am Roten Teppich, die Stars gehen vorbei, es regnet. Ein scheußliches Wetter! Da sehe ich in der riesigen Menge von Journalisten eine Frau, die ein Schild hochhält. Ich frage mich: Was in aller Welt steht auf diesem Schild? Ich gehe also rüber zu ihr und lese: "Welches Kleid tragen Sie?" Eine Schauspielerin hat ihr dann den Namen des Designers zugerufen. Worauf die Frau ihr Schild umdrehte, und da stand: "Welchen Schmuck tragen Sie?" Ich war total aufgeregt, als ich das gesehen habe. Man kann sich das heute nicht mehr vorstellen, aber damals gab es so etwas wie Celebrity-Dressing offiziell noch nicht. In dem Moment wusste ich: Da passiert ewas.
SZ: Und die Leute rufen hinterher wirklich bei Galliano an: Ich will das Kleid von Cate Blanchett? Fox: Oh, absolut. Vor einigen Jahren hat Nicole Kidman bei den Oscars mal ein Kleid mit Stickereien von Lesage getragen. Wenig später kam ich nach Paris zu Lesage, ging ins Atelier und dachte, ich seh' nicht recht: Auf allen Tischen dieses Muster. Und es war so, dass sich Frauen aus der ganzen Welt gemeldet hatten. Alle wollten dieses Kleid.
SZ: So richtig beneidet man Nicole Kidman nicht um diese Ehre, oder? Fox: Es ist so hart! Fotos von dir gehen innerhalb von Stunden um die Welt und bleiben in Erinnerung. Viele Schauspielerinnen haben sich bei mir beklagt, dass der Druck zu groß geworden ist. Sie sagen, dass ihnen die Wahl der Oscar-Robe mehr Kopfzerbrechen bereitet als ihr Brautkleid. Man darf nicht vergessen: Alle Welt wartet auf den Fauxpas.
SZ: Der Fernsehsender ABC hat seine Zuschauer ja mal befragt, warum sie sich die Oscarfeier anschauen. Das Ergebnis: wegen der hässlichen Kleider. Fox: Die Leute lieben hässliche Kleider. Ich habe es mir nie so ganz erklären können, aber ich vermute, ein missglücktes Kleid macht die Stars menschlicher.
SZ: Welche Kriterien muss ein Oscar-Kleid erfüllen - außer gut auszusehen? Fox: Mein Freund (der amerikanische Modedesigner, Anm. d. Red.) Bob Mackie hat das mal sehr schön auf den Punkt gebracht: Sieht die Schauspielerin groß und dünn darin aus? Wird es im Scheinwerferlicht plötzlich transparent? Dann sollte die Lady in ihrem Kleid natürlich die Treppen zur Bühne hinaufsteigen können. Und nicht zu vergessen: Die Show ist ein Marathon. Wenn Sie nach vier Stunden aufstehen und Ihr Kleid völlig zerknittert ist, ist das nicht sehr vorteilhaft.
SZ: Verzeihen Sie, aber das klingt furchtbar anstrengend. Fox: Es ist eine Kunst für sich. Natürlich können Sie immer ein Kleid von Armani anziehen, in Armani hat sich noch keine blamiert. Aber ob Sie es mit der Nummer Sicher auf die Titelseiten schaffen, ist fraglich.
SZ: Gibt es Schauspielerinnen, die ihren Look noch selbst bestimmen? Fox: Die gibt es. Geena Davis zum Beispiel. Ein Freund von mir hat hier in Los Angeles eine Boutique, und ich höre oft, dass Geena mal wieder vorbeigekommen ist, ohne Entourage, in ihren Freizeitklamotten, und nach einem Kleid für die Oscar-Nacht gesucht hat. Sie kreiert ihren eigenen Stil. Oder Cher: 1985 überreichte sie den Oscar für die beste männliche Nebenrolle. Sie war ärgerlich, dass sie in diesem Jahr nicht selbst nominiert worden war, für "Mask". Cher trug ein unglaubliches Outfit Marke "Mohikaner trifft Dracula", mit sehr, sehr viel nackter Haut. Der arme Don Ameche, der den Oscar dann bekommen hat: Kein Mensch hat sich hinterher an ihn erinnert.
SZ: Patty Fox, Sie sind die höflichste Modekritikerin der Welt. In Ihrem Buch "Star Style" kommen nur die guten Beispiele vor. . . Fox: . . . weil ich es selbst gern durchblättern will.
SZ: Trotzdem muss ich Sie nach dem hässlichsten Kleid aller Zeiten fragen...
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