Die Lebensmittelindustrie protestiert heftig gegen das Online-Portal lebensmittelklarheit.de. Dies ist heuchlerisch: Wer jahrzehntelang die Menschen mit traditioneller Herstellung, glücklichen Kühen und erlesenen Zutaten aufs Glatteis führt, der darf sich nicht auf das Recht berufen, wenn Bürger sich getäuscht fühlen und das auch noch mit Unterstützung der Bundesregierung öffentlich machen.
Doch, doch - diese Lebensmittelindustrie ist wirklich arm dran. Seit Jahrzehnten lassen die Unternehmen Verbraucher glauben, ihre Produkte stammten von glücklichen Hühnern, Kühen und Schweinen. Sie malen verträumt liegende Bauernhöfe auf die Verpackungen und fabulieren etwas von erlesenen und natürlichen Zutaten. Aber manche Verbraucher wollen es einfach nicht glauben.
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Lebensmittel: – Internetportal klärt Kunden auf (© reuters)
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Und immer setzen die Konzerne noch einen drauf. Mal werden bei regelmäßigem Verzehr müde Därme flott, mal Gehirnzellen fit, mal senken ihre Produkte den Cholesterinspiegel.
Das Kalkül ist so klar wie Mutters Kloßbrühe: Fühlt sich der Mensch mit dem Produkt wohl, füllen sich die Kassen der Konzerne.
Jetzt aber zeigt auch der Verbraucher Gefühle - dummerweise nicht die, die die Konzerne gerne erzeugen wollen. Er fühlt sich von der Industrie hinters Licht geführt, getäuscht und zuweilen regelrecht veräppelt.
Immer mehr Bürger haben es satt, dass ihr Vanille-Joghurt nie auch nur in die Nähe einer Vanilleschote gekommen ist. Dass eine vorgeblich "leichte" Milchschnitte nichts anderes ist als ein zwischen zwei schwammartige, braune Zuckerplatten gepresste Fettpaste. Sie wollen nicht länger mit angeblich fettfreien Kaubonbons für dumm verkauft werden, die doch ohnehin nie Fett enthalten haben. Dafür aber so viel Zucker wie eh und je.
Juristen entscheiden über die Bedeutung von "natürlich"
Die Werbeversprechen der Industrie stellen zunehmend die Intelligenz der Verbraucher in Frage. Die Verpackung suggeriert traditionelle Herstellung mit besten Zutaten aus Mutter Natur? Unsinn. In der industriellen Lebensherstellung ist nichts mehr traditionell. Das Wort "natürlich" ist zur juristischen Größe verkommen.
Bundesagrar- und -verbraucherschutzministerin Ilse Aigner unterstützt deshalb zu Recht das Portal www.lebensmittelklarheit.de der Verbraucherzentralen. An diesem Mittwoch geht es online. Die Industrie läuft Sturm dagegen.
Was ihr nicht passt: Dort kann jeder seinem subjektiven Empfinden freien Lauf lassen. Wer das Gefühl hat, dass die Verpackung locker die doppelte Menge dessen hätte aufnehmen können, was drin ist, der ist hier richtig. Wer findet, dass ein Schwarzwälder Schinken nicht nur im Schwarzwald geräuchert sondern auch von Schwarzwälder Schweinen stammen sollte, kann sich hier beschweren. Wer noch meint, in einem Glas saurer Gurken sollte nicht mehr sein als Gurken, Essig und ein paar Gewürze, der darf sich über den chemisch hergestellten Aromencocktail empören, den er ungefragt mitgeliefert bekommen hat.
Das Verfahren ist fair. Die Beschwerden werden von der Verbraucherzentrale geprüft, die Unternehmen werden um Stellungnahme gebeten, beides wird am Ende veröffentlicht. Der Verbraucher kann sich ein Bild machen, ob der Beschwerdeführer oder das Unternehmen in seinen Augen recht hat.
Die Industrie aber will keine Transparenz. Sie zieht sich auf eine rechtliche Position zurück. Solange sie nicht gegen Gesetze verstoße, solle niemand sie an den Pranger stellen dürfen.
Verständlich. Am Ende könnte nämlich herauskommen, dass alles nur Schmuh, kaum ein Werbeversprechen haltbar ist. Schon angeblich "frische Milch" ist heute ein erstaunlich lang haltbares Industrieprodukt. Frisch ist sie, solange sie nicht schlecht ist. Und das kann dauern. Früher war frisch, wenn sie am Morgen gemolken wurde.
Gerne wird auch mit Rechentricks gearbeitet. Foodwatch dokumentiert diese Machenschaften seit Jahren auf der Seite www.abgespeist.de. Ein Joghurt wird beworben, weil er nur ein Prozent Fett enthält. Hmm, wie leicht und lecker. Versteckt aber wird die Information, dass er Unmengen Zucker enthält.
Ein Pesto soll sich angeblich durch teure Pinienkerne und bestes Olivenöl auszeichnen. Beides ist drin - in homöopathischen Dosen. Stattdessen wird das Glas mit Kartoffelflocken aufgefüllt. Die haben in echtem Pesto nun wirklich nichts zu suchen.
Ja, all das ist rechtlich erlaubt. Wer sich aber hinter Gesetzen versteckt, handelt feige und missachtet die Wünsche der Kunden. Die verlangen gar nicht viel - die Hersteller sollen sich nur an ihre Versprechen halten.
Seit Nahrungsmittel industriell hergestellt werden, setzen die Marketingexperten auf Emotionalisierung. Jetzt dürfen sie sich nicht wundern, wenn die Verbraucher darauf genauso emotional reagieren. Mit Wut und Abscheu.
Diese Reaktion kann durchaus helfen. Beispiel: Eine Geflügel-Cervelatwurst von Gutfried. Was keiner ahnen konnte, die Geflügelwurst bestand zur Hälfte aus Schweinefleisch. Als das publik wurde, hagelte es Proteste. Der Hersteller reagierte. Jetzt besteht die Wurst zu 100 Prozent aus Geflügelfleisch. Ein Anfang, immerhin.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/mati/bgr)
Endgültiger DFB-Kader für EM
ist die ganze Zeit schon da. Man muss nur die Augen aufmachen. Es gibt genügend Informationen übers Internet, Zeitung, TV etc. Ein Glas Pesto für ca EUR 2,69 für 185 g ist auch nicht realistisch. Der Preis für die Zutaten -> frisches Basilikum, Pinienkerne, Olivenöl, Parmesankäse, würde EUR 2,69 übersteigen. Jeder der selbst Pesto gemacht hat, weiß das. Der Geschmack einer selbstgemachten Pesto ist auch ganz anders, viel intensiver, leckerer. Das Kleingedruckte auf Lebensmittelverpackungen zu lesen, kann nie schaden.
Aber es ist schön, das mit Hilfe der Regierung solche Missstände in der Lebensmittelindustrie aufgezeigt werden :-)
Die Behauptung, alles was nach Recht und Gesetz richtig ist, hat auf einm Internetportal nichts zu suchen ist feie und Arrogant! Genau für diese Fälle, die Rechtlich zwar in Ordnung, aber unfair dem Verbraucher gegenüber sind, muss es solche Portale geben. Alles was rechtlich nicht erlaubt ist, hat ohnehin im Laden nichts verloren. Wer aber glaubt, dass das Portal viel bringt, der irrt. Dort werden nämlich ohnehin nur alle die unterwegs sein, die auch heute schon ihr Essen kritisch kaufen und die Zutatenlisten studieren. Die große Mehrheit der Kunden wird weiter hin nicht lange fackel und die Dinge kaufen, die ihnen in der Werbung vorgegaukelt werden. Echte Transparenz kann es nur geben, wenn Werbung, die über die Bekanntmachung des Produktes als solches hianusgeht, verboten wird und alle Lebensmittel, die nicht unverpakt verkauft werden können in einheitliche, neutral gefärbte Verpakungen gesteckt werden, auf denen in lesbarer Größe (!) die Inhalte angegeben sind. Dadurch würde sich leider der Konsum unter Umständen wieder auf die Sachen konzentrieren die wir wirklich brauchen, was zu Umsatzeinbußen bei Nestle und Co führen könnte. In Folge dessen würde sicher unsere Wirtschaft zusammenbrechen, was den sicheren Untergang des Abendlandes bedeuten würde. Da fressen wir uns doch lieber zu Tode!
Deswegen nicht unnötig, aber auch keine soooo tolle Neuerung. Bei Bernd Leitenberger kann man über ne Menge Produkte schon seit vielen Jahren lesen, was da wirklich drin ist - und das ist nur ein Beispiel von vielen.
Aber gut, es macht vermutlich die Dinge für viele Leute tatsächlich einfacher. Von daher vielleicht keine schlechte Sache, aber bei weitem nicht so groß, wie Gegner und Verfechter es sich vorstellen.
....der Zugriff auf das Internetportal lebensmittelklarheit.de ist nach wie vor nicht möglich !
Vermutet wird, dass Spezialisten die Webseite lahmgelegt haben, welche über die Einstellung des ELENA-Verfahrens und der entsprechenden staatlichen Aufträge enttäuscht sind.
Es geht nicht um Boykott sondern darum, bewusster mit dem umgehen, was wir essen. Dann bleiben automatisch bestimmte Produkte in den Regalen liegen. Das alleine aber reicht nicht. Die Unternehmen sollen schon wissen, warum ihre Produkte keiner haben will.
Selber kochen ist übrigens eine gute Alternative zu den Fertigprodukten. Eine Tomatensoße selber machen aus frischen Tomaten dauert so lange wie die Nudeln brauchen bis sie gar sind. Das ist unterm Strich auch noch günstiger als eine Tütensoße. Der Clou: In der selbstgemachten Soße sind dann auch garantiert Tomaten drin.
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