Ökologisch Leben Schluss mit Coffee to go: Pause statt Plastikbecher

15 Minuten in der Hand, dann im Müll: Der Einweg-Kaffeebecher.

(Foto: lukasbarth.com)

Alles zum Mitnehmen spart Zeit? Vor allem kostet es Nerven, hat unsere Autorin festgestellt.

Test von Barbara Vorsamer

Guten Morgen! Haben Sie es heute wieder nicht geschafft, zu Hause zu frühstücken? Geht mir auch oft so. Dann flitze ich auf dem Weg in die Arbeit in eine Bäckerei, "einen Cappuccino zum Mitnehmen, bitte!" Rein in die U-Bahn, das Handy in der einen, den Kaffee in der anderen Hand. Rolltreppe wieder hoch, Becher in den Müll - ach, der ist schon voller Becher, na ja, einer geht noch rein.

Auch Kaffeepausen im Büro sehen im SZ-Hochhaus oft so aus: Mit dem Aufzug runter, "ein Cappuccino zum Mitnehmen, bitte", mit dem Becher in der Hand wieder hoch, Schlürfen am Schreibtisch. Nur den Espresso nach dem Mittagessen gibt es eventuell aus der Porzellantasse - wenn denn Zeit ist. Nach Feierabend liegen im Viererbüro neun Plastikbecher im Müll.

Plakat einer Kampagne gegen Coffee-to-go- Becher in Südkorea.Deutschland, wach bitte auch endlich auf!

Posted by Utopia on Saturday, January 30, 2016

Warum sind To-go-Becher so beliebt?

Der Kaffeebecher ist DAS Accessoire des immer erreichbaren und sehr beschäftigten Großstädters. So ein Kaffeebecher in der Hand signalisiert: Ich habe es eilig, ich bin wichtig - und ich habe das Geld, ein paar Euro für ein Getränk auszugeben, dessen Herstellungskosten bei einem Bruchteil davon liegen.

Ist ja auch alles sehr bequem. Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, ob ich alle Zutaten vorrätig habe. Während ich in der Warteschlange stehe, kann ich auf meinem Smartphone herumdrücken und mir zumindest einbilden, ich spare gerade Zeit. Der Plastikdeckel bewahrt mich davor, mich mit brauner Brühe zu bekleckern, wenn ich Kaffee, Handy und Handtasche durch die Gegend balanciere. Und irgendwie mag ich es auch, das Kaffeemilchgemisch aus dem kleinen Loch zu saugen. Ich mag es fast lieber als das Trinken aus der Porzellantasse.

Kaffee ist viel mehr als ein einfaches Heißgetränk, sogar mehr als ein Genussmittel. "Kaffee ist der Schmierstoff einer Welt, die erstens arbeitet - und zweitens immer zu früh am Morgen damit anfängt", schreibt Michalis Pantelouris auf jetzt.de und weiter: "'sich auf einen Kaffee treffen' kann - vom unverbindlichsten Feindkontakt bis zum zeitsparenden Auf-den-neuesten-Stand-Bringen unter besten Freunden oder Kollegen - jede soziale Funktion erfüllen, die man sich nur vorstellen kann."

Zum Beispiel die der Pause. Mit den Worten "Ich geh' mir einen Kaffee holen" den Arbeitsplatz für ein paar Minuten zu verlassen, ist gesellschaftlich so akzeptiert, dass es um das Getränk oft nur an zweiter Stelle geht. An erster Stelle steht das Bedürfnis, ein paar Schritte zu gehen und woanders hinzugucken als auf den Computerbildschirm.

Warum sind To-go-Becher so problematisch?

Doch dieses Bedürfnis müsste doch auch ohne Plastikbecher zu stillen sein! Nach Schätzungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) werfen die Deutschen jährlich 2,8 Milliarden Coffee-to-go-Becher in den Müll. Pro Tag wären das 7,6 Millionen oder 320 000 Stück pro Stunde. Wie viele Ressourcen das kostet, hat die Umwelthilfe ebenfalls ausgerechnet: Für die Herstellung sind unter anderem 1,5 Milliarden Liter Wasser, 64 000 Tonnen Holz und 22 000 Tonnen Rohöl nötig, denn Recyclingmaterialien dürfen für Lebensmittelverpackung nur eingeschränkt verwendet werden. Der Energieverbrauch entspricht dem jährlichen Strombedarf der mecklenburg-vorpommerschen Landeshauptstadt Schwerin.

Nach weniger als 15 Minuten in der Hand landet der Becher im Müll, womit die Probleme weitergehen: Viele Städte sind nicht auf die To-go-Becher-Massen eingestellt, weswegen öffentliche Abfalleimer überfüllt sind und die Becher am Straßenrand herumliegen. In Recyclingsysteme schaffen es die Papp-Plastik-Dinger so gut wie nie - und selbst wenn, bringt das wenig. Da sie aus Mischmaterial bestehen (mehr dazu siehe Grafik), sind sie weder in der Papiertonne noch im Plastikmüll gut aufgehoben und werden einfach verbrannt. Für Günter Dehoust, Abfallexperte vom Öko-Institut in Berlin, ist die To-go-Mentalität der Deutschen der Hauptgrund dafür, dass die Müllmenge jedes Jahr ansteigt - neben unserem Faible für den Versandhandel.

Auch Einwegbecher aus Recyclingmaterial sind nicht zu empfehlen.

(Foto: Deutsche Umwelthilfe)

Nichts davon ist neu oder überraschend. Dass To-go-Becher eine Umweltkatastrophe sind, ist auch denen klar, die nicht bei der Deutschen Umwelthilfe nachgelesen haben - sie ignorieren es nur. Ich kann das gut nachvollziehen.