Ökologisch einkaufen Wie ich lernte, ohne Plastiktüte zu leben

Der Jutebeutel: Zusammengefaltet passt er in jede Hand- oder Jackentasche und hält vom Kauf einer Plastiktüte ab.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nichts ist einfacher als Plastiktüten vermeiden. Oder? Über einen schwierigen Lernprozess, der sich am Ende auszahlt.

Test von Barbara Vorsamer

Schon mal versucht, ein Brot, drei Äpfel, einen Becher Sahne, eine Packung Milch, ein paar Babygläschen und eine Packung Klopapier nach Hause zu balancieren? Also, ohne Tüte oder Tasche? Ich schon. Geht nicht. Die Äpfel kamen verdellt an, weil sie zwischendurch runtergefallen sind, die Sahne ist in der Handtasche ausgelaufen und für Brot, Milch, Babygläschen und Klopapier reichten zwei Hände beim besten Willen nicht.

So etwas passiert, wenn man versucht, sich umweltbewusst zu verhalten. Meine Bequemlichkeit kommt regelmäßig meinem ökologischen Gewissen in die Quere. Letzteres weiß ganz genau: Plastiktüten sind überflüssig, ein wiederverwendbarer Stoffbeutel viel besser. Leider meldet es sich nie, wenn ich morgens das Haus verlasse - und dann stehe ich nach Feierabend wieder an der Supermarktkasse, meine Sachen liegen auf dem Band und ich habe wie immer keinen Jutebeutel dabei. In die Handtasche passt der ganze Kram nicht (zumindest wenn sie noch eine Weile halten soll - und meine Sachen sollen jetzt lange halten, denn auch das ist ökologisch).

So schwer kann es doch nicht sein

Also, schwupps, die Plastiktüte, vielleicht auch zwei, kein Problem, meine Bequemlichkeit zahlt die paar Cent gerne und trägt die Ware nach Hause. Dort kommt die Plastiktüte zu den anderen alten Plastiktüten, die selbstverständlich gesammelt werden, um sie wieder zu verwenden - was man aber nie tut, weil man ja immer vergisst, eine Tüte von zu Hause mitzunehmen. Das ökologische Gewissen schüttelt den Kopf: So schwer kann es doch nicht sein, an eine Einkaufstasche zu denken!

So will ich es nicht mehr machen.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Doch, irgendwie schon. 71 Plastiktüten verbrauchen die Deutschen durchschnittlich - pro Jahr und pro Person, also mehr als eine pro Woche. Der immense Verbrauch von Plastik ist ein riesiges Problem: Mit dem bisher produzierten Kunststoff könnte die Erde sechsmal komplett eingewickelt werden. 311 Millionen Tonnen Plastik werden jedes Jahr produziert. Acht Millionen Tonnen davon gelangen dann ins Meer, das entspricht einem Lastwagen voller Plastiktüten pro Minute. Und es dauert zwischen 100 und 500 Jahren - je nach Art des Kunststoffes - bis sich so eine Tüte wieder zersetzt hat.

Mehr Plastik als Fische im Meer

Immer mehr Plastikmüll verschmutzt die Ozeane, warnen Forscher. Der Kunststoff mache langsam den Tieren Konkurrenz - am Ende landet er wieder bei den Menschen. Von Christoph Behrens mehr ...

Die Tüte braucht kein Mensch

Plastik so weit wie möglich zu vermeiden, erscheint also notwendig und ich beginne mit der Tüte, weil es am einfachsten ist. Klar, bei der Menge an Müll, die ein Haushalt so produziert, macht die Tüte nicht die Masse aus, das sind eher die Käseschachteln, die Joghurtbecher und Shampooflaschen. Doch während der Versuch, diese Produkte unverpackt zu kaufen, ein schier unmögliches Unterfangen ist (über das ich in dieser Serie auch noch schreiben werde), ist bei der Plastiktüte die Alternative klar: Weglassen.

"Tragetaschen aus Kunststoff sollten Sie komplett vermeiden", sagt Günter Dehoust, Experte für Abfallwirtschaft beim Öko-Institut in Berlin. Dass viele Verbraucher die Tragetasche guten Gewissens kaufen, weil sie sie als Mülltüte weiterbenutzen, sieht er kritisch: "Normale Mülltüten sind dafür viel besser geeignet, weil leichter, dünner und damit ressourcensparender." Er rät zu wiederverwendbaren Einkaufstaschen.

Doch die vergesse ich ja immer! Gibt es nicht einfachere Alternativen? Viele Supermärkte haben auch Papiertüten oder Tüten aus Bio-Plastik im Angebot. Ist das besser?