OECD-Studie: Fettleibigkeit Der Westen wird immer dicker

Stress, ungesundes Essen, zu wenig Bewegung: Die Menschen in den OECD-Ländern werden immer dicker, jeder Zweite ist übergewichtig. Die Experten sprechen längst von einer Volkskrankheit.

Von Ulrike Bretz

Viele Menschen in Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind krank, und sie leiden an derselben Volkskrankheit: Sie sind zu dick. Das ist das Ergebnis der neuen OECD-Studie "Fettleibigkeit und die Ökonomie der Prävention: Fit not fat".

Sie birgt alarmierende Ergebnisse über die Bevölkerung der Mitgliedsstaaten: Jeder Zweite ist heute bereits von Übergewicht betroffen, jeder sechste Bürger ist fettleibig. Im Durchschnitt sind 57 Prozent der Männer und 46 Prozent der Frauen zu dick. Beim Nachwuchs zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab: Schon jetzt ist jedes dritte Kind übergewichtig.

Die meisten Übergewichtigen leben der Studie zufolge in den USA: Dort sind 72 Prozent der Männer und 64 Prozent der Frauen zu dick. Auch in Mexiko, Neuseeland, Chile und Großbritannien leben überdurchschnittlich viele dicke Menschen.

Die Deutschen schneiden mit 60 Prozent übergewichtigen Männern und 45 Prozent übergewichtigen Frauen durchschnittlich ab. Deutlich schlanker ist man in der Schweiz - allerdings nur aufgrund der Frauen. Sie ziehen den Gesamtdurchschnitt des Nachbarlands deutlich nach unten: 46 Prozent der Schweizer sind zu dick, aber nur 29 Prozent der Schweizerinnen. Die wenigsten Übergewichtigen leben in Japan: 29 Prozent der männlichen Bevölkerung bringen zu viele Pfunde auf die Waage, bei den Frauen sind es nur 21 Prozent. Freilich sieht es in etlichen Ländern, die keine Mitgliedstaaten der OECD sind, ganz anders aus: In Indien beispielsweise sind nur 17 Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen übergewichtig.

Den Grund für die Gewichtszunahme sehen die Experten im wachsenden Nahrungsmittelangebot und in den sich ändernden Ernährungsgewohnheiten. Gleichzeitig bewegen sich die Menschen immer weniger. Die Studie zeigt außerdem, dass bei sozial Schwächeren in den OECD-Ländern die weniger gebildeten Frauen besonders häufig von Übergewicht und Fettleibigkeit betroffen sind. Sie haben eine zwei- bis dreimal höhere Wahrscheinlichkeit, übergewichtig zu werden als Frauen mit höherer Bildung. Bei den Männern hingegen ist die Wahrscheinlichkeit unabhängig vom Bildungsstand.

Kampfansage der OECD

Die Experten sehen in den Ergebnissen der neuen Studie eine alarmierende Entwicklung. Menschen, die stark fettleibig sind, sterben der Studie zufolge etwa acht bis zehn Jahre früher als Menschen mit normalem Gewicht. Außerdem erkranken sie häufiger an Krebs und Diabetes und haben häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie gelten damit als zunehmende Belastung für das Gesundheitssystem: Die Gesundheitskosten bei einem Menschen mit Fettleibigkeit liegen um mindestens ein Viertel höher als bei Menschen mit normalem Gewicht.

Die OECD will der Fettleibigkeit nun den Kampf ansagen: Regierungen und Wirtschaft sollen dem Bericht zufolge gemeinsam gegen die Volkskrankheit vorgehen. Geplant ist eine Präventionsstrategie, die Kampagnen zur Gesundheitsförderung, staatliche Regulierungen und eine hausärztliche Betreuung fettleibiger Patienten beinhaltet. Diese Form der Prävention könnten laut Pressemitteilung Hunderttausende vor dem Tod in Folge von chronischen Erkrankungen retten. Sie würde je nach Land jährlich zwischen zehn und 30 US-Dollar pro Person kosten.

Als Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) gilt ein übermäßig hohes Gewicht, das wegen des hohen Fettanteils im Körper mit Gesundheitsrisiken verbunden ist. Die verwendete Messgröße für Übergewicht und Fettleibigkeit stützt sich auf den Body Mass Index (BMI), bei dem das Gewicht einer Person im Verhältnis zur Körpergröße gemessen wird. Laut Definition der WHO gelten Erwachsene mit einem BMI zwischen 25 und 30 als übergewichtig und Personen mit einem BMI von mehr als 30 als fettleibig.