In Zukunft sollen Notärzte nicht mehr zum Patienten fahren müssen, sondern die Behandlung bequem vom Computer aus leiten.
Die Berufswelt verändert sich, Home-Office und Video-Konferenzen sind in vielen Konzernen schon selbstverständlich. Trotzdem ist diese Idee wirklich exotisch: In Zukunft sollen Notärzte vom Schreibtisch aus arbeiten - und nur noch per Videokamera dem Kranken zugeschaltet werden.
Die ständige Verfügbarkeit von Notärzten wird in Zukunft wohl nicht mehr zu gewährleisten sein, warnt (© Foto: dpa)
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Im Rettungswagen sind Sanitäter im Einsatz, so die Idee, und der Notarzt steuert die Versorgung von einer Tele-Notarzt-Zentrale aus. Er rückt nicht in allen Fällen selbst aus, hat alle Daten des Patienten wie Puls, EKG oder Blutdruck dennoch live und in Echtzeit im Blick, ist per Kamera zugeschaltet und leitet die Akut-Behandlung.
Noch bevor der Patient die Klinik erreicht, hat der Notarzt alle Notfall-Daten bereits an das Krankenhaus geschickt. So sieht das Forschungsprojekt Med-on-@ix die Notfall-Versorgung der Zukunft. Das Projekt ist als einer der Sieger eines Wettbewerbs des Bundeswirtschaftsministeriums hervorgegangen.
Notfallversorgung immer schwieriger
Die Notfallversorgung werde immer schwieriger, begründeten die Initiatoren um das Universitätsklinikum Aachen bei einem Kongress in Köln. Seit 1985 habe sich die Zahl der Notarzt-Einsätze in Deutschland verdoppelt. Derzeit werden rund 6000 Mal am Tag Notärzte alarmiert.
Zugleich gebe es aber immer weniger Mediziner. In ländlichen Gegenden sei eine rasche Versorgung schon jetzt oft schwierig, bis der Notarzt da sei, vergehe zu viel Zeit. Die ständige Verfügbarkeit von Notärzten werde in Zukunft nicht mehr zu gewährleisten sein, sagte Rolf Rossaint, Professor an der Aachener Uniklinik. "In 50 Prozent der Fälle fahren Notärzte unnötig raus, könnten auch Rettungssanitäter allein eine gute Versorgung sicherstellen." Zugleich seien auch Gynäkologen oder Kinderärzte im Notdienst-Einsatz. "Mit einer Tele-Notarzt-Zentrale könnten wir die wesentliche Ressource Notarzt sinnvoller einsetzten." Es koste unter 30.000 Euro, wenn man einen Rettungswagen entsprechend technisch umrüste.
Nachdem bereits mehrere Tests positive Ergebnisse brachten, fiel in Köln bereits der offizielle Startschuss für eine einjährige Intensiv-Testphase. In den kommenden Tagen soll zunächst in Aachen ein Notfallwagen mit der speziellen neuen Technik ausrücken.
Zusätzlich zum Notarzt wird ein Tele-Notarzt von der Zentrale aus hinzugeschaltet und sich an der Behandlung beteiligen. Jetzt gehe es darum, auch die Krankenkassen zu überzeugen. Andernorts ging es schneller, sagte ein Sprecher der zum Konsortium gehörenden Philips Medizin Systems GmbH: "Aus Ägypten haben wir bereits den Auftrag, 200 Rettungswagen mit unserer neuen Technik auszustatten."
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(dpa/pfau)
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