Ein Interview von Moritz Koch

Eine Magen-Darm-Infektion, ausgelöst von Noroviren, grassiert in Deutschland. Das RKI befürchtet, dass sich bis zu eine Million Deutsche anstecken könnten. Johannes Bogner von der Uni München hält die Aufregung für übertrieben.

Etwa 50.000 Deutsche haben sich aufgrund einer Norovirus-Infektion krankgemeldet. Das Robert Koch-Institut befürchtet, dass sich bis zu eine Million Deutsche anstecken könnten. Johannes Bogner, Spezialist für Infektionskrankheiten an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, hält die Aufregung jedoch für übertrieben.

Norovirus

Elektronenmiskropische Aufnahme des Norovirus'. (© Foto: ddp/RKI)

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SZ: Von einer Seuche ist bereits die Rede. Sind Noro-Viren wirklich so gefährlich?

Bogner: Nein, das Virus löst meist nur einen leichten Magen-Darm-Infekt aus. Der Begriff der Seuche ist unpassend. Gefährlich sind Noro-Viren nur für Greise, Kleinkinder oder geschwächte Personen. Es gibt keinen Grund zur Panik.

SZ: Wie verläuft die Krankheit in der Regel?

Bogner: Zwischen Ansteckung und Ausbruch liegen nur zehn bis 50 Stunden. Infizierte müssen sich dann schwallartig übergeben und bekommen Durchfall. Viele klagen über Übelkeit und Gliederschmerzen. Fieber tritt nur selten auf.

SZ: Was kann man tun, um die Beschwerden zu lindern?

Bogner: Im Normalfall klingen die Beschwerden nach ungefähr 48 Stunden von selber wieder ab. In der Zwischenzeit sollte man viel trinken, damit der Körper trotz des Durchfalls und Erbrechens nicht zu viel Flüssigkeit verliert.

SZ: Ein Arztbesuch ist also nicht erforderlich?

Bogner: Nur wer am zweiten Tag keine Besserung feststellt, sollte seinen Arzt anrufen. Patienten, die selbst Wasser gleich wieder ausspucken müssen, können sich Mittel verschreiben lassen, die den Brechreiz unterdrücken.

SZ: Viele beunruhigt, dass die Noro-Viren so stark ansteckend sind.

Bogner: Tatsächlich kann sich das Virus sehr schnell ausbreiten, vor allem dort, wo viele Menschen sich versammeln: in Krankenhäusern, Altersheimen, Schulen und Kindergärten. Infektionsraten, wie wir sie zur Zeit beobachten, sind im Winter aber nicht ungewöhnlich.

Die Viruserkrankung tritt in Wellenbewegungen auf, die mal heftiger und mal schwächer ausfallen. Im vergangenen Winter war die Infektionsrate relativ niedrig. Vielleicht erklärt das, warum viele Leute in diesem Jahr so beunruhigt sind.

SZ: Was kann man tun, um eine Infektion zu vermeiden?

Bogner: Handhygiene ist ganz entscheidend, wobei Waschen mit Seife nicht ausreicht. Um die Viren zuverlässig zu töten, sollte man Desinfektionsmittel verwenden.

Wer sich noch nicht angesteckt hat, sollte zudem unbedingt Kontakt zu Kranken meiden. Kranke wiederum sollten auch Gegenstände, mit denen sie in Kontakt gekommen sind, gründlich desinfizieren.

Oft lauern die Viren auf nicht ausreichend infizierten Toilettenbrillen und Türklinken auf ihr nächstes Opfer.

SZ: Meldungen zufolge unterscheidet sich das derzeit grassierende Virus von seinen Vorgängern.

Bogner: Auch das ist nichts Ungewöhnliches. So wie Grippeviren verändern Noro-Viren ihr Erbgut sehr schnell. Dadurch verwirren sie das menschliche Immunsystem. Wer sich schon einmal mit dem Virus infiziert hat, ist nicht gegen eine erneute Erkrankung gefeit. Aber nochmal: Es besteht kein Grund zur Beunruhigung. In den allermeisten Fällen nimmt die Krankheit einen harmlosen Verlauf und ist schnell wieder auskuriert.

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(SZ vom 1.2.2007)