Ein Jahr mit dem Ehepaar Sarkozy: Carla Bruni gibt sich wohltätig, und ihr Mann ist endlich schmerzfrei.
Madame Bruni-Sarkozy ist längst Französin, der Staatschef fällt nicht mehr mit seinen großen Uhren auf. Sie hat ihm etwas Schliff beigebracht, wozu auch gehört, dass das Privatleben des Präsidenten sich weniger im Fokus der Öffentlichkeit findet. Dafür hat die schöne Sängerin im Jahr zwei nach dem großen Liebesknall Schritte jenseits ihrer alten Jagdgründe gemacht. Carla - oder Carlita, wie er sie nennt - bestreitet, dass sie nur die geringste Begabung für die Politik habe. Auf die Frage, ob sie nicht Politikerin werden wolle, beschied sie Journalisten: "Das ist, als ob ich Sie fragte, ob Sie nicht Geiger werden wollen. Bloß weil man einen Geiger geheiratet hat, kann man noch lange nicht im Orchester spielen."
Jeder hat seinen Platz: Während sich Sarkozy um die Bankenkrise kümmert, engagiert sich Carla Bruni anderweitig. (© Foto: AFP)
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Und trotzdem, die junge Frau, die mit kleiner Stimme die erste Geige spielt, will auf ihre Weise mitmischen. Voriges Jahr hatte sie bekannt, dass zu ihren Vorbildern Prinzessin Diana gehört. So wie Diana will auch Carla Bruni-Sarkozy den Menschen eine Helferin sein. Man hat das Bild noch vor sich: Diana in schusssicherer Weste beim Räumen der Landminen. Die einstige Princess of Wales hatte sich, je schwieriger ihre Ehe wurde, humanitären Aufgaben gewidmet. Nun hat auch Carla einen Anfang gemacht: Vorigen Monat war sie erstmals in Burkina Faso, unterwegs in ihrer neuen Eigenschaft als eine Art Botschafterin für den "Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria", eine von der UN unterstützte Organisation. Ihr Aufenthalt in einem der ärmsten Länder der Welt hat zwar nur ein paar Stunden gedauert, aber wie schon bei Diana sind die Bilder das eigentliche Ereignis.
Als Anti-Aids-Botschafterin muss sie vor allem Geld heranschaffen. Da ist die Frau des Präsidenten viel energischer, als ihr mädchenhaftes Auftreten vermuten lässt. Es gab eine schöne Karikatur auf einer Internet-Website. Er, der kleine Sarkozy, sagt: "Aber Carlita, wir sind doch in der großen Finanz-Krise." Sie, einen guten Kopf größer, kontert: "Ist mir doch egal, ich brauche 500 Millionen."
Während sich ihr Mann um die Krise der Banken kümmert, versucht Carla Bruni-Sarkozy sich auf ihre Weise nützlich zu machen. Nächsten Monat wird sie Star einer Wohltätigkeitsgala sein und sich im Pavillon d'Armenonville unter die Reichen und Prominenten mischen. Vom Gewinn soll das Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem profitieren, ein jüdisches Hospital, das auch den Palästinensern offen steht.
Obwohl der Präsident an allen politischen Fronten kämpft, verpuffen seine Erfolge immer schneller. Derzeit hat er eine Zustimmungsrate von 37 Prozent. Carla hingegen kann sich darauf konzentrieren, ihren Mann immer wieder aufrichten. Er lebt übrigens nicht mehr im prächtigen Elysée-Palast, sondern ist in ihre Stadtvilla im vornehmen 16. Arrondissement gezogen.
Da kann er mal zur Ruhe kommen. Einem Reporter der Herald Tribune verriet Frau Carla am Rande ihrer Burkina-Faso-Reise, dass Nicolas nicht länger unter Migräne leidet, nachdem sie ihn überzeugt hat, seinen Konsum an weißem Zucker zu reduzieren. Sie hat ihn von seiner Sucht nach Süßem, vor allem nach Schokolade geheilt. Selbst seine Rückenschmerzen sind verflogen, seit sich ihr Fitnesstrainer auch um ihren Mann kümmert. Zuhause im Pariser Viertel Auteuil, so scheint es, ist alles in Ordnung.
Dieser Tage hat Jacques Séguéla, der Werbemensch, der die beiden vorletztes Jahr miteinander verbandelt hat, in einem Buch ("Unautorisierte Biographie") noch einmal daran erinnert, wie alles losging. Wie er Carla Bruni und den frisch geschiedenen Nicolas Sarkozy bei einem Dinner zu sechst nebeneinander platziert und aufeinander losgelassen hat. Alle rauchten zu viel, alle tranken mehr als sonst, nur der Nichtraucher und Nichttrinker Sarkozy betrank sich am Anblick der Schönen. Seine Komplimente wurden eindeutiger, sein erster Antrag war in einen etwas groben Vergleich gepackt: "Du wirst sehen, wir werden besser als Marilyn und Kennedy." Sie ließ es durchgehen, dass er sich über ihre früheren Geliebten mokierte. "Wie kann man es nur mit einem Typen aushalten," sagte er, "der solche Waden hat wie Mick Jagger."
Carla Bruni findet den Mann, mit dem sie nun schon länger als ein Jahr verheiratet ist, witzig und anregend, sie hat Qualitäten an ihm entdeckt, die den meisten verborgen bleiben. Ihr früherer Freund Raphaël, den sie in einem ihrer schönen Chansons besingt, der Vater ihres Kindes, war der erste, dem sie damals vom Treffen mit dem Präsidenten erzählte. Er hatte die Augen verdreht. Für viele ihrer Freunde ist Sarkozy eine Reizfigur, vor allem die Linken waren irritiert, dass sie sich auf ihn einließ. Denn sie selbst hat sich immer als Linke verstanden.
Neuerdings findet sie, dass der Unterschied nicht so groß ist zwischen links und rechts, sondern zwischen denen, die etwas tun und denen, die nur reden. Sie selbst, bekannte sie, habe sich immer für Politik interessiert, aber mehr auf eine dilettantische Weise. "Inzwischen habe ich begriffen, dass die Politik, wenn man es gut machen will, nichts für Dilettanten ist." Sie haben sich zusammen gerauft und, so scheint es, respektieren ihre Felder. An jenem ersten Abend bei Séguéla hatte Carla Bruni noch gesagt, sie wolle fortan nur noch mit einem Mann zusammen leben, mit dem sie ein Kind haben würde. "Ich habe schon fünf großgezogen," sagte Sarkozy, "warum nicht noch ein sechstes." Dabei hat der Präsident, Vater von drei Söhnen, offenbar auch die beiden Töchter seiner zweiten Frau Cécilia mitgezählt. Ein Kind mit Carla würde das Paar noch glücklicher und den Präsidenten endlich populärer machen.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(SZ vom 27.02.2009)
"Was findet sie bloß an dem? "
Macht macht sexy.
wird natürlich wirklich enorm durch die Bruni aufgewertet. Das kommt einem unangenmessen vor, das hat er nicht verdient. Was findet sie bloß an dem?
Weiter so, Carla ! Entkrampfe den (kleinen) Niki, vielleicht lässt er irgendwann auch die politischen Krämpfe !?