Was muss ein Raucher tun, wenn er im 20. Stock eines Gebäudes arbeitet, in dem absolutes Rauchverbot herrscht? Ihm bleibt nur der totale Verzicht - oder die Umgestaltung des Arbeitsplatzes.
Wir ziehen um. Im Juli. Aus der Innenstadt in ein schmuckes und absolut funktionales Großgebäude am Stadtrand. Mir wurde eine Parzelle in einem Großraumbüro im 20. Stockwerk zugeteilt. Von dort aus hat man nicht nur einen wunderbaren Überblick über die Streckenführung der Bundesautobahn 94. Bei gutem Wetter kann man bis Neuperlach sehen, bei sehr gutem gar bis zu den Alpen.
Auch eine Möglichkeit: Leben im Aschenbecher. (© Foto: iStockphotos)
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Das neue Gebäude ist natürlich ein Nichtraucher-Komplex, Ausnahmen gibt es keine. Raucher - so hieß es in einer Mitteilung - mögen doch bitte vor die Tür gehen.
Das allein ist ja nichts Ungewöhnliches, wird man als Raucher heutzutage in fast jedem Gebäude behandelt wie der Hund vor der Metzgerei.
Nun ergibt sich für die rauchenden Kollegen ein zeitliches Problem - vor allem für eben jene, die im 20. Stockwerk arbeiten oder gar im 22. wie der kettenrauchende Lars. Der hat seine Arbeitsweise schon derart effektiv gestaltet, dass er zum Rauchen stets Texte mitnimmt, um sie durchzulesen. Es sind keine Raucherpausen, die er abhält, sondern es handelt sich quasi um eine Arbeitszigarette. Die Rauchbotschaften vermitteln den Kollegen: Lars liest konzentriert einen Text, jetzt nicht stören.
Lars wird im neuen Gebäude das Problem bekommen, dass er nicht wie bisher kurz 20 Meter von seinem Schreibtisch hinaus in den Flur gehen kann, um sich eine Zigarette anzuzünden. Er muss vorbei an sogenannten Multifunktionsflächen, an Trennwänden und Arbeitswaben, um zum Aufzug zu gelangen. Dann fährt er 22 Stockwerke nach unten, muss durch die - bei gutem Wetter, bei dem man bis nach Neuperlach sehen kann - sonnendurchflutete Eingangshalle hinaus vor die Tür. Erst dann darf er rauchen.
Ich kenne die Geschwindigkeit der Aufzüge noch nicht, aber es ist wohl anzunehmen, dass eine Zigarettenpause ungefähr 20 Minuten dauern wird. Das bedeutet, dass Kettenraucher Lars - so er seine Gewohnheiten beibehält - den Marsch zur zweiten Zigarette beginnen kann, wenn er von der ersten zurückkommt. An Arbeiten ist da nicht zu denken. Zumindest nicht am Arbeitsplatz.
Da wir jedoch in ein ultramodernes Gebäude ziehen, das neben dem mehrfach erwähnten Ausblick auf die A 94 und Neuperlach auch technisch auf dem neuesten Stand ist, sollte es doch möglich sein, diesen Menschen zu helfen. Man könnte einen Laptop in den Aufzug einbauen, an dem sich der Kettenraucher einloggt und dann auf dem Weg nach unten weiterarbeiten kann.
Obwohl: Wenn das möglich ist, könnte man noch weiterdenken. Man könnte jedem Mitarbeier einen elektrischen Rollstuhl geben, der sie vom Arbeitsplatz zum Aufzug fährt. In den Stuhl ist ein Rechner integriert, an dem Texte geschrieben werden. Vor dem Haus sind in der Raucherecke sogenannte Working Stations aufgebaut, an denen auch während der Raucherpause gearbeitet werden kann.
Man könnte aber auch den Mitarbeitern den Computer einfach um den Hals hängen. Sie können dann immer arbeiten - auf dem Weg zu Kollegen, beim Gang in die Kantine und sogar die Toilettenpause könnte sinnvoll genutzt werden. An diesem Bauchladen wären links ein Kaffeebecherhalter und rechts ein Aschenbecher angebracht. Effizienter kann man den Arbeitsplatz nicht gestalten - und platzsparend ist es auch noch. Wer braucht schon einen Schreibtisch im Großraumbüro?
Akten würde man ja im Rucksack herumtragen, auf dem Kopf ein Headset. Posteingang ist die linke Hosentasche, der Ausgang befindet sich in der rechten. Röcke sind ab sofort natürlich verboten - oder man bekommt keine Post mehr. Für private Sachen wie Fotos von der Frau gibt es am portablen Arbeitsplatz eine Fläche von 30 Quadratzentimetern - direkt neben dem Kaffeebecherhalter.
Lars hält nicht viel von diesem neumodischen Schnickschnack. Er hat wie handgezählte 80 Prozent der Mitarbeiter angekündigt, nach dem Umzug in das neue Haus mit dem Rauchen aufzuhören. Auf diese Weise kann er nicht nur den ganzen Tag arbeiten. Er kann seine Pause dazu nutzen, die Autos auf der A 94 zu zählen.
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Die Zensur hat wohl wieder einmal zugeschlagen. Finde meinen Beitrag nicht.
23.05.2008 17:54:23
301273: @jens57
Aber selbstverständlich. Ich rauche nur zuhause und nur im eigenen Garten. Ich lebe und arbeite in England und habe aus Rücksicht auf die zerbrechliche Gesundheit der Exraucher seit dem 1.7.07 keinen Pub und kein Restaurant mehr betreten. Wir haben hier "um die Ecke" einen ausgezeichnten indischen Bringdienst, der mir mein geliebtes, höllisch scharfes "Vegetable Phall" (noch schärfer als Tindaloo!) direkt und (fahrt-)kostenlos ins Haus bringt. So ist doch allen gedient.
Wenn Sie schon so gut zu Schweinen, Hühnern, Fischen etc. sind und nicht wollen, dass Sie ihretwegen Schaden nehmen müssen, dann sind Sie als Raucher hoffenlich auch so sozial und verschonen Ihre Mitmenschen mit dem Rauch, der ja auch ein bisschen gesundheitsschädlich ist. Oder gehören Sie zu der zynischen Sorte Veganer, bei der Menschen selber schuld sind, dass sie geboren wurden?
"23.05.2008 16:07:08
Morcar: Veganer (so richtig undgesund)"
Zwar OT, aber wie kommen Sie darauf, und ich frage, weil Sie das schon an anderer Stelle behaupteten, dass vegane Ernährung '"so richtig ungesund" sei? Ich bin Veganer, gesund, normalgewichtig und Raucher (Tabakpflanzen empfinden nämlich weder Todesangst noch Schmerz, wenn man sie schneidet).
Ach, lieber egos/liebe egos,
Ihre Unterstellung, mein "Ratschlag" an Jürgen Schmieder - Auf nach China! (statt ins neue Hochhaus der SZ) - sei einem "Dann geh doch nach drüben" gleichzusetzen, ist wirklich an den Haaren herbeigezogen.Sie bestätigen mal wieder - falls Sie Deutscher/Deutsche sind - daß Sie nicht gerade "Hier" geschrieen haben, als der liebe Gott den Humor verteilte....Und vielleicht auch die Wißbegier... Den Hauch Ironie in meinem von Ihnen fälschlich eingeordneten Beitrag haben Sie nicht wahrgenommen, und für einen Wißbegierigen habe ich doch eigentlich sehr interessante Zahlen geliefert, die jeden nachdenklich stimmen sollten, falls er nicht geistige Scheuklappen trägt.Ich möchte gleich hinzufügen, daß es natürlich Ihr gutes Recht ist, Scheuklappen jeglicher Art zu tragen!
Linksliberale Leser dieser Zeitung beklagen immer, wie wir "Westler" die dritte Welt ausnutzen...Wenn die Tabakindustrie bei den Ärmsten der Armen dieser Welt profitgierig neues, für sie äußerst fruchtbares Konsumentenland beackert und diese Armen, die ihr Geld anderweitig eigentlich fürs Lebensnotwendige auszugeben hätten, gezielt zu dem verführt, was weder ihrem Geldbeutel noch ihrer Gesundheit zuträglich sein kann, ergeht KEIN Aufschrei: Denn wir rauchen für die FREIHEIT!
Lieber Onsom, ich wollte NICHT zynisch sein, sondern nur ein Stück ungeschminkte Wahrheit vermitteln, aber die ist wohl unverträglich...
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