Neuer Trend in China Château zur Kanton-Ente

Weinproben sind in China der letzte Schrei. Ein Luxuskonzern aus Hongkong hat nun das Weingut des listigen Kardinals Richelieu in der Nähe von Bordeaux gekauft.

Von Henrik Bork

"Wenn Gott das Trinken verboten hätte, warum hätte er dann den Wein so gut gemacht?" Das Zitat wird Kardinal Richelieu (1585-1642) zugeschrieben, der so genannten "roten Eminenz", Berater und Minister Ludwigs XIII. von Frankreich. Wenn Armand-Jean I. du Plessis de Richelieu, wie er eigentlich hieß, gerade nicht dabei war, Frankreich in einen absolutistischen Staat umzuwandeln und die habsburgische Vormachtstellung in Europa brutal zu beenden, so ging er am liebsten in seinen Weingütern spazieren. Wie gut sein Bordeaux auch heute noch schmeckt, das hat nun eine Firma aus Hongkong entdeckt. Das Unternehmen, das sonst mit Golfplätzen handelt, kaufte kurzerhand das "Château Richelieu".

Wie viel der Luxuskonzern "Hongkong A&A International" für das 17 Hektar große Weingut bei Fronsac bezahlt hat, will er nicht verraten. Die Südlage und der seit 1632 unverbaute Blick über den Dordogne-Fluss jedenfalls dürften nicht billig gewesen sein. Für Chinesen ist so eine Geographie die Garantie für bestes "Fengshui", was wiederum ausgezeichnete Geschäfte verspricht. Dem Käufer gehe es vor allem um die Kontrolle der Marke, versichert Finanzberater Marc Sabate, der das Geschäft vermittelt hat. Zudem dürste der chinesische Luxusmarkt nach den 70.000 Flaschen, die hier jährlich abgefüllt würden. Bereits im vergangenen Jahr war der Import von Bordeauxweinen in der Volksrepublik um satte 60 Prozent auf 69.000 Liter gestiegen. Für das kommende Jahrzehnt rechnen Kenner der Branche sogar mit jährlich mehr als zehn Prozent Wachstum.

Längst ist China auf den Geschmack gekommen: Im Hotel Park Hyatt Shanghai beispielsweise entkorkt der französische Sommelier Jean-Marc Nolant im 93-zigsten Stock edle Flaschen für neureiche Chinesen. Bordeaux passt hervorragend zu knusprig gegrilltem Schweinsbraten - ein typisch kantonesisches Gericht. Besonders bei Geschäftsessen ist genau dieser Wein gefragt.

Weinproben sind vor allem bei Chinas Mittelstand der letzte Schrei. Natürlich hapert es noch da und dort am Basiswissen: So musste die South China Morning Post ihre Leser gerade belehren, dass "Bordeaux ein Ort in Südfrankreich" ist. Wer Richelieu war, weiß in China ohnehin niemand. Doch bald könnten auch andere Weingüter in der Region Bordeaux chinesische Besitzer haben. "Mindestens vier oder fünf chinesische Investorengruppen" seien am Kauf solcher Weingüter interessiert, verkündete jüngst Weinhändlerin Ma Lin auf der Fachmesse "Vinexpo".

Es ist - nebenbei gesagt - nicht das erste Mal, dass das "Château Richelieu" in fremde Hände fällt. In den vergangenen Jahrhunderten sei es "oft von den Engländern erobert worden, später von den Protestanten", jammern die Schlossherren auf ihrer Webseite. Gekauft haben es die Chinesen jetzt von einem Holländer - und 17 weiteren Anteilseignern. Irgendwie passt die Übernahme gut zum listigen aber stets wenig zimperlichen Kardinal. Dessen Art, Gegner auszuschalten, galt vielen Franzosen einst als "abendländisches Verhängnis".

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