Von Jürgen Schmieder

Der Saturn-Konzern beendet seine Ohrwurm-Kampagne: "Geiz ist geil", gegen den sogar die Kirche Sturm lief. Der neue Spruch wird allerdings auch für Kritik sorgen.

In den achtziger Jahren gab es ein Lied der Gruppe Bruce & Bongo. Unter dem Titel "Geil" besang das Duo alles, was sie so prima fanden. Dem folgte dann immer so etwas: "Boris ist geil", "Affen sind geil" und "Everybody's geil". Klar, damit hat man Erfolg. Im April 1986 schaffte es der Song auf Platz eins der deutschen Charts.

Der neue Slogan: "Wir lieben Technik. Wir hassen teuer." (© Foto: dpa)

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17 Jahre später nutzte der Saturn-Konzern die Melodie des Liedes für einen seiner Werbespots. Menschen in Achtzigerjahrekluft turnten darin durch einen Supermarkt und blickten gelangweilt in die Kamera. Eine Stimme sagte: "The two most successful words in Austria: Geiz and Geil." Dann wird der Song von Bruce & Bongo gespielt, allerdings mit verändertem Text. Man singt nun "Saturn ist geil" und "Geiz ist geil".

"Geiz ist geil" wurde zum Slogan des Konzerns, er wurde in ungezählten Werbespots in die Ohren der werten Kundschaft gebläut. Mal bellte eine überaus attraktive Frau aus der Zukunft die Worte, mal säuselte sie, dann übernahmen auch schon mal Knetmännchen die Aufgabe. Die Message war immer eindeutig und sie war leichter zu kapieren als so manche Bedienungsanleitung der bei Saturn angebotenen Geräte: Gib kein Geld aus und kauf dir trotzdem alles!

"Geiz ist geil" war die deutsche Antwort auf den Ausspruch des amerikanischen Börsenspekulanten Ivan F. Boesky "Greed is good" aus den Achtzigern.

Die Werbespots selbst waren kaum originell - und doch lösten sie in Deutschland anfangs eine Debatte aus. Darf man so offen zu einer Todsünde auffordern? Darf man den Preiskampf aufrufen?

Ökonomisch beflissene Gemüter bemängelten, dass der Slogan die Sparsamkeit der Kunden noch weiter befördere und angetan sei, die ohnehin schwache deutsche Binnenkonjunktur noch weiter zu schwächen.

Auch die katholische Kirche schaltete sich ein und warf Saturn vor, Geiz - in Verbindung mit Habsucht die Todsünde Avaritia - positiv darzustellen. Das katholische Hilfswerk Adveniat startete deshalb die Kampagne "Geiz ist gottlos".

Der Saturn-Konzern ließ sich nicht beirren und vertraute vier Jahre lang auf den Slogan. Bis jetzt.

Nun hat das Unternehmen verkündet, die Kampagne auslaufen zu lassen. Die Begründung in Marketing-Deutsch: eine "Schwerpunktverschiebung beim Kunden". Der Verbraucher sehe nun nicht mehr nur auf den Preis, sondern achte vor allem auf die Qualität der Ware und der Serviceleistungen. Auf Normal-Deutsch heißt das: Das Motto hat sich überlebt wie die Kaufkrise.

Der Slogan der neuen Kampagne lautet übrigens jetzt: "Wir lieben Technik. Wir hassen teuer." Da hat sich der Konzern wieder etwas eingebrockt. Die Kirche jedenfalls wird erneut Sturm laufen müssen gegen den Satz. Schließlich ist Hass - mit Zorn als Ira betitelt - ebenfalls eine Todsünde.

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(sueddeutsche.de/bgr)