Bei der "Nacht der Süddeutschen Zeitung" in Berlin stärkt sich die Kanzlerin mit Blutwurst, und die SPD hält Seehofer für einen Sozi.
Das Tagesprogramm von Angela Merkel würde die meisten Menschen wohl an den Rand bringen.
Nach einen gewohnt langen Tag traf Angela Merkel gelassen bei der "Nacht der Süddeutschen Zeitung" ein. (© Foto: Star Press)
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Zum Beispiel dieser Donnerstag im kalten Berliner Winter: Frühmorgens Besprechung im Kanzleramt, erste Telefonate und jede Menge Meldungen; morgendliche Stippvisite des britischen Premiers Gordon Brown in Berlin und gemeinsame Pressekonferenz vorm Bundesadler; danach Auftritt im Archiv der Stasi-Unterlagen, Fototermin mit der Bundesbeauftragten Marianne Birthler; mittags Treffen mit dem malischen Präsidenten Toumane Toure; abends Abflug nach Frankfurt zum CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch; Jubel, Trubel, Wahlkampfrausch und rasch zurück in den Flieger nach Berlin.
Der letzte Termin der Kanzlerin an diesem Donnerstag ist, wenn man ihre Gelassenheit richtig interpretiert, angenehmer Natur: Angela Merkel ist zu Gast bei der "Nacht der Süddeutschen Zeitung" im Deutschen Historischen Museum.
Zum dritten Mal hat die SZ zu einer Party geladen, bei der das politische Berlin stark vertreten ist. Merkel ist gerade im Anflug, als SZ-Chefredakteur Hans Werner Kilz die Gäste im Schlüterhof mit einer optimistischen Botschaft begrüßt: Trotz der Krise gebe es noch Verleger, die Zeitungen kaufen, weil sie an die Zukunft des gedruckten Wortes glauben.
"Heuschrecken haben in Verlagshäusern nichts zu suchen", sagt Kilz mit Blick auf den Eigentümerwechsel bei der Berliner Zeitung, und dafür gibt es spontanen Applaus bei den 900 Gästen.
Es ist kein schlechter Zeitpunkt für einen Meinungsaustausch zwischen Ministern, Abgeordneten, Medienmachern, Unternehmern und Kulturleuten: Acht Monate vor der Bundestagswahl sind die Gemüter noch nicht so erhitzt, dass die Gesprächskultur leidet, aber richtige Politik-Freaks sind längst in einem Zustand fiebriger Erwartung.
Bei Blutwurst und Kartoffelstampf
Joschka Fischer diskutiert leidenschaftlich über die Politik in seinem Stammland Hessen, wo der Koch ja weg soll, aber nicht weg will. Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach prognostiziert schon mal vor der Kamera einen SPD-Sieg bei der Bundestagswahl im September, während die Unionsleute sich selbst weit vorne sehen. Finanzminister Peer Steinbrück widmet sich der Krise vor der Tür bei ein paar Zigarillos.
Ganz anders sein Kollege Wolfgang Tiefensee: Der Verkehrsminister gönnt sich auch in entbehrungsreichen Wahlkampfzeiten gerne eine Trainingseinheit "auf dem Trimm-dich-Pfad", wie er sagt. Dass Politiker Prioritäten setzen, zeigt CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer: Er hat gerade das Neujahrskonzert in der Bayerischen Landesvertretung geschwänzt, aus lauter Liebe zu den Journalisten.
Angesichts der immer neuen CSU-Initiativen kann sich der sozialdemokratische Innensenator von Berlin Erhardt Körting eine Spitze nicht verkneifen: "Der Seehofer ist eigentlich einer von uns - und die CSU die bayerische Form der SPD." Seine Genossen in München dürften entzückt sein.
Blitzlicht, Hektik am Eingang, Merkel ist da. Nach einem langen Tag stärkt sich die Kanzlerin mit der westfälischen Spezialität "Himmel & Erde" - gebackene Blutwurst mit Kartoffelstampf. Bei einem Glas Rotwein berichtet sie von endlosen Telefonaten mit Wladimir Putin, um den leidigen Gasstreit mit der Ukraine endlich zu beenden.
Sie lässt sich in kleiner Runde nicht mal durch die Kurznachrichten auf ihrem Handy aus der Ruhe bringen - keine noch so kleinste Wendung im Nahost-Konflikt entgeht ihrem Blick, und falls doch, hat Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sofort den Daumen drauf. Mit Schauspieler Mario Adorf scheint sich Merkel gut zu verstehen. Beide sind vermutlich auch in der Hoffnung einig, dass die Große Koalition in Berlin bald Geschichte sein möge: "Das ist ja nur eine Notlösung, keine Dauerlösung", sagt Adorf.
Die Protagonisten der Notlösung sind beim Schokoladensoufflee noch ganz gut auf sich zu sprechen, wie es aussieht. Unternehmensberater Roland Berger glaubt, dass sich die Koalitionäre "bis zum Sommer aneinanderkuscheln und im Herbst aufeinander einhauen." Die Zeitungen werden also gebraucht, im Superwahlkampfjahr 2009, selbst wenn sie es nicht ganz leicht haben, mit dem Terminkalender von Angela Merkel Schritt zu halten.
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(SZ vom 17.01.2009)
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Kein Wunder, haben die Journalisten vor lauter ^ *Kuscheln" mir der Kanzlerin & Co keine Zeit mehr zu recherchieren und Fakten zu brennenden nationalen Themen und zum Weltgeschehen zu berichten!